
Moskaus Mittelmeer-Traum bröckelt: Syrien kassiert Putins Basen ein

20 Monate nach dem Sturz von Baschar al-Assad ist es amtlich: Russland und die neue syrische Führung unter Präsident Ahmed al-Sharaa haben sich auf die Zukunft der Militärstützpunkte Tartus und Hmeimim geeinigt. Das Moskauer Außenministerium bestätigte am Dienstag ein am 9. August unterzeichnetes Memorandum. Russische Soldaten dürfen bleiben – aber unter neuen Vorzeichen.
Vom Herrschaftssymbol zum Ausbildungszentrum
Der Kern der Vereinbarung ist eine saubere Trennlinie: zivil und militärisch. Zivile Anlagen – darunter der Flughafen Hmeimim und der kommerzielle Liegeplatz im Hafen von Tartus – gehen an die syrische Verwaltung über. Die militärischen Areale sollen laut den Angaben aus Damaskus zu gemeinsamen Ausbildungs- und Qualifizierungszentren umgewidmet werden.
Der Zeitplan ist knapp bemessen: Berichten zufolge soll der gesamte Übergang binnen drei Monaten abgeschlossen sein. Die syrische Hafen- und Zollbehörde teilte mit, dass Syrien die zuvor von Russland betriebenen kommerziellen Bereiche in Tartus übernehme, einschließlich Pier Nummer 4 samt Lagerhäusern.
Damaskus feiert das Ergebnis als Wendepunkt. Es handele sich um eine Neuordnung der russischen Präsenz an der Küste und um den bedeutendsten Schritt seit Beginn der Verhandlungen vor rund anderthalb Jahren, hieß es aus dem Außenministerium – ein Auftakt zu einer neuen Phase der Beziehungen.
Was Moskau wirklich verliert
Diplomatisch klingt das nach Partnerschaft. Strategisch wirkt es wie ein Abstieg. Tartus war Russlands einziger Marinestützpunkt am Mittelmeer mit Tiefwasserzugang – das Scharnier zwischen der Schwarzmeerflotte und dem offenen Meer, gewachsen aus sowjetischen Zeiten.
Bleiben dĂĽrfte den Russen vor allem eine Rolle als Transit- und Logistikdrehkreuz, insbesondere fĂĽr Operationen in Afrika. Aus dem Hausherrn wird der Gast. Wer die Landkarte der russischen Machtprojektion kennt, erkennt: Das ist ein empfindlicher Verlust an Reichweite.
Man betrachte die Unterzeichnung des Memorandums als wichtigen Schritt zur weiteren Verbesserung der bilateralen Zusammenarbeit im militärischen Bereich, teilte das russische Außenministerium mit. Die Einigung werde der Entwicklung der gesamten Beziehungen zusätzlichen Schwung geben – auf Basis einer langen Geschichte von Freundschaft und Partnerschaft.
Die Ironie der Geschichte
2015 marschierte Russland auf Bitten Assads in den syrischen BĂĽrgerkrieg ein und bombardierte jahrelang die von Dschihadisten gehaltene Provinz Idlib. Genau aus diesen Kreisen stammen heute Teile der Regierung in Damaskus. Wer gestern noch Ziel war, verhandelt heute ĂĽber Pachtbedingungen.
Auch der Iran hat sich aus Syrien zurückgezogen, die Hisbollah konzentriert sich wieder auf den Libanon. Die gesamte Achse, die den Nahen Osten jahrelang prägte, ist neu sortiert. Parallel dazu ordnet Damaskus die Wirtschaft neu: Medienberichten zufolge wurde der Hafenbetrieb in Tartus an den Emirate-Konzern DP World vergeben, mit angekündigten Investitionen von rund 800 Millionen US-Dollar.
Warum das auch Anleger angeht
Machtvakuum, Neuverteilung von Häfen, Rohstoffrouten und Einflusszonen: Das östliche Mittelmeer bleibt eine der neuralgischen Zonen der Weltwirtschaft. Europa schaut dabei weitgehend zu – die deutsche Außenpolitik spielt in dieser Region aus Sicht vieler Beobachter längst keine gestaltende Rolle mehr.
Für Sparer heißt das vor allem eines: Geopolitische Brüche kommen selten mit Vorankündigung. Physische Edelmetalle haben in solchen Phasen historisch als stabilisierende Beimischung in einem breit gestreuten Vermögen gedient – als Versicherung, nicht als Wette.
Hinweis: Dieser Beitrag dient ausschließlich der Information und stellt keine Anlageberatung dar. Wir betreiben keine Anlage-, Steuer- oder Rechtsberatung. Jeder Leser ist für seine Anlageentscheidungen selbst verantwortlich und sollte eigenständig recherchieren.
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