
Münchner Iran-Demo: Wurden die Teilnehmerzahlen massiv aufgebläht?
Was zunächst als historische Massenkundgebung gegen das iranische Mullah-Regime gefeiert wurde, entpuppt sich nun möglicherweise als statistisches Luftschloss. Die Münchner Polizei hatte am vergangenen Samstag stolze 250.000 Demonstranten auf der Theresienwiese gezählt – eine Zahl, die von Medien weltweit bereitwillig übernommen wurde. Doch jetzt bröckelt die Fassade dieser imposanten Schätzung gewaltig.
Wenn Zahlen plötzlich schrumpfen
Nach Recherchen der Süddeutschen Zeitung dürften es tatsächlich maximal 150.000 Teilnehmer gewesen sein – also bestenfalls 60 Prozent der ursprünglich kolportierten Viertelmillion. Die Zeitung stützt sich dabei auf eine akribische Auswertung von Foto- und Videomaterial, das mit Satellitenbildern abgeglichen wurde. Demnach habe die Demonstration eine Fläche von lediglich 55.000 bis 65.000 Quadratmetern eingenommen. Bei einer errechneten Dichte von etwa 2,3 Personen pro Quadratmeter ergebe sich eine Gesamtzahl von 125.000 bis 150.000 Menschen.
Man muss sich das einmal auf der Zunge zergehen lassen: Eine Differenz von mindestens 100.000 Menschen. Das ist keine Rundungsungenauigkeit – das ist ein Fehler von monumentalem Ausmaß.
Statistiker widerspricht der Polizei deutlich
Unterstützung erhält diese Einschätzung von Stephan Poppe, Statistikprofessor an der Universität Leipzig, der seit Jahren zur Erfassung von Teilnehmerzahlen bei Großveranstaltungen forscht. Der Mathematiker habe das verfügbare Videomaterial eingehend analysiert und komme zu einem vernichtenden Urteil: Die Zahl von 250.000 wäre nur dann plausibel, wenn auf der gemessenen Fläche vier bis fünf Personen pro Quadratmeter gestanden hätten. Dies sei schlicht „ausgeschlossen", zumal die Demonstration im Winter stattfand – bei dicken Winterjacken und Regenschirmen ein physikalisches Ding der Unmöglichkeit. Üblicherweise rechne man bei Demonstrationen mit durchschnittlich eineinhalb Personen pro Quadratmeter.
Bemerkenswert: Selbst die Schätzung der Süddeutschen Zeitung hält der Professor noch für eine „robuste, aber eher großzügige Schätzung". Die tatsächliche Teilnehmerzahl könnte also sogar noch niedriger gelegen haben.
Polizei mauert bei Nachfragen zur Methodik
Die Münchner Polizei zeigt sich von der Kritik indes unbeeindruckt und hält an ihrer ursprünglichen Schätzung fest. Eine Pressesprecherin verwies lapidar auf die „polizeiliche Einsatzerfahrung" als Grundlage der Zählung. Konkrete Fragen zur angewandten Methodik? Blieben unbeantwortet. Ein Verhalten, das Fragen aufwirft. Denn wenn die Polizei sich derart sicher ist, warum kann sie dann nicht transparent darlegen, wie sie zu ihrer Zahl gekommen ist?
Es drängt sich unweigerlich der Verdacht auf, dass hier politische Erwünschtheit eine größere Rolle gespielt haben könnte als nüchterne Mathematik. In einem Land, in dem bei unliebsamen Demonstrationen – man erinnere sich an die Corona-Proteste – die Teilnehmerzahlen von Behörden und Medien regelmäßig nach unten korrigiert wurden, scheint bei politisch genehmen Veranstaltungen offenbar das genaue Gegenteil zu gelten. Zweierlei Maß? Man wird ja wohl noch fragen dürfen.
Veranstalter reagiert gelassen – und entlarvt sich dabei selbst
Aufschlussreich ist die Reaktion des Veranstalters. Farhid Habibi, erster Vorstand des exiliranischen Vereins „The Munich Circle", kommentierte die Debatte mit den Worten: „Da bricht uns kein Zacken aus der Krone." Er habe die Veranstaltung für 100.000 Menschen angemeldet, und diese Zahl sei offensichtlich übertroffen worden. Eine bemerkenswert nüchterne Einschätzung, die deutlich näher an den Berechnungen des Statistikprofessors liegt als an der polizeilichen Schätzung.
Die Demonstration gegen das iranische Regime war zweifellos eine beeindruckende Kundgebung – daran ändert auch eine korrigierte Teilnehmerzahl nichts. Doch der Vorfall offenbart einmal mehr ein grundsätzliches Problem im Umgang mit Zahlen und Fakten in der deutschen Öffentlichkeit. Wenn Behörden Schätzungen abgeben, die um fast das Doppelte von der Realität abweichen könnten, und Medien diese Zahlen ungeprüft übernehmen, dann ist das kein Kavaliersdelikt. Es ist ein Vertrauensproblem.
Gerade in Zeiten, in denen das Vertrauen der Bürger in Institutionen und Medien ohnehin auf einem historischen Tiefstand angelangt ist, wäre Transparenz und Genauigkeit das Gebot der Stunde. Stattdessen erleben wir einmal mehr, wie Narrative wichtiger zu sein scheinen als Fakten. Deutschland hat ein Glaubwürdigkeitsproblem – und Episoden wie diese tragen nicht gerade dazu bei, es zu lösen.
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