
Münchner Sicherheitskonferenz 2026: Wenn die Weltordnung bröckelt und Europa hilflos zuschaut

Die Welt brennt – und München lädt zum Reden ein. Am 13. Februar beginnt die 62. Münchner Sicherheitskonferenz, jenes alljährliche Stelldichein der globalen Sicherheitselite, das sich seit seiner Gründung als bescheidene „Wehrkundetagung" im Jahr 1963 zum angeblich wichtigsten Forum internationaler Sicherheitspolitik gemausert hat. Drei Tage lang werden Vertreter aus 120 Ländern im noblen Hotel Bayerischer Hof zusammenkommen, um über Krieg und Frieden zu debattieren. Ob dabei mehr herauskommt als warme Worte und diplomatische Floskeln, darf bezweifelt werden.
So viele Krisen wie nie zuvor
Wolfgang Ischinger, der langjährige Vorsitzende der MSC, fand im Vorfeld der Konferenz ungewöhnlich deutliche Worte. Seit er 2008 erstmals die Leitung übernommen habe, habe es nicht so viele Kriege und Konflikte gleichzeitig gegeben wie derzeit. Eine „erhebliche Vertrauens- und Glaubwürdigkeitskrise" in den Beziehungen zu den Vereinigten Staaten konstatierte der ehemalige Botschafter bei einer Pressekonferenz in Berlin. Man habe es mit „schwerwiegenden, zum Teil systemischen Herausforderungen" zu tun. Wer hätte das gedacht.
Die Diagnose ist freilich nicht neu. Doch die Schärfe, mit der sie diesmal formuliert wird, lässt aufhorchen. Der begleitende MSC-Bericht trägt den bezeichnenden Titel „Under Destruction" – zu Deutsch etwa „Im Abriss". Die Autoren warnen darin, die Welt sei in eine Phase der „Abrissbirnenpolitik" eingetreten. Umfassende Zerstörung statt behutsamer Reform sei an der Tagesordnung. Mehr als 80 Jahre nach ihrer Begründung befinde sich die vor allem von den USA geprägte Nachkriegsordnung im Prozess der Auflösung.
Trump als Bulldozer – aber mit Ergebnissen
Im Zentrum der Kritik steht erwartungsgemäß US-Präsident Donald Trump. Er sei „der mächtigste jener Akteure, die die Axt an bestehende Regeln und Institutionen legen", heißt es im Bericht. Seine „Bulldozerpolitik" sorge für Unruhe in den transatlantischen Beziehungen. Doch selbst die Autoren des MSC-Berichts kommen nicht umhin einzuräumen, dass Trumps robuster Kurs durchaus Ergebnisse zeitige: Durchbrüche bei den NATO-Verteidigungsausgaben und der Waffenstillstand zwischen Israel und der Hamas seien auf sein Konto zu verbuchen.
Und genau hier liegt der Kern des Problems, den das europäische Sicherheitsestablishment so ungern benennt: Während Europa jahrzehntelang auf Multilateralismus, Dialogformate und institutionelle Prozesse setzte, hat Trump mit seinem transaktionalen Ansatz in kürzester Zeit mehr bewegt als unzählige Konferenzen und Resolutionen. Ob man seine Methoden gutheißt oder nicht – die Ergebnisse sprechen eine deutliche Sprache. Es stellt sich die unbequeme Frage, ob nicht gerade die von Europa so geschätzte „prinzipiengeleitete Zusammenarbeit" in Wahrheit oft nur ein Euphemismus für Handlungsunfähigkeit war.
Russland und Iran bleiben fern
Die Aussichten auf konkrete Fortschritte bei den drängendsten Konflikten dürften in München ohnehin gering sein. Russland wird erneut nicht vertreten sein – eine Einladung an den Iran wurde Mitte Januar wieder zurückgezogen, nachdem das Mullah-Regime einmal mehr mit massiver Gewalt gegen Demonstranten vorgegangen war. Wie soll man über Frieden in der Ukraine oder Deeskalation im Nahen Osten verhandeln, wenn die Hauptakteure gar nicht am Tisch sitzen? Die MSC gibt sich dennoch überzeugt, als „Marktplatz der Ideen" einen Beitrag zur friedlichen Beilegung von Konflikten leisten zu können. Optimismus ist bekanntlich die höflichste Form der Selbsttäuschung.
Merz zwischen Rubio und Newsom – ein diplomatischer Drahtseilakt
Besondere Aufmerksamkeit dürfte den Randgesprächen von Bundeskanzler Friedrich Merz zukommen. Der CDU-Politiker plant Berichten zufolge, sich nicht nur mit US-Außenminister Marco Rubio zu treffen, sondern auch mit dem kalifornischen Gouverneur Gavin Newsom – ausgerechnet dem schärfsten innenpolitischen Kritiker Trumps und möglichen demokratischen Präsidentschaftskandidaten für 2029. Ein diplomatischer Drahtseilakt, der Fragen aufwirft: Ist es klug, sich derart offensichtlich mit dem politischen Gegner des amtierenden US-Präsidenten zu zeigen, während Deutschland auf gute Beziehungen zu Washington angewiesen ist wie selten zuvor?
Merz, der als Kanzler einer Großen Koalition aus CDU/CSU und SPD ohnehin zwischen allen Stühlen sitzt, muss hier äußerste Vorsicht walten lassen. Die Erinnerung an JD Vances aufsehenerregende Rede bei der letztjährigen Konferenz, in der der US-Vizepräsident europäische Regierungen wegen Einschränkungen der Meinungsfreiheit, Zensur und verfehlter Migrationspolitik scharf attackierte, dürfte noch frisch sein. Vance hatte damals behauptet, die größte Bedrohung für Europa komme „von innen". Eine Diagnose, die man – bei aller berechtigten Empörung über den Ton – nicht so leicht von der Hand weisen kann.
Europas Versäumnisse rächen sich
Denn tatsächlich hat das vergangene Jahr den Europäern schmerzhaft vor Augen geführt, wie verwundbar sie sind. Die USA verhängten Strafzölle von 20 Prozent auf EU-Importe, drohten mit militärischen Maßnahmen zur Übernahme Grönlands vom NATO-Verbündeten Dänemark und begegneten Russlands Invasion der Ukraine – aus europäischer Perspektive – mit irritierender Zurückhaltung. All dies geschah, während Europa selbst kaum in der Lage war, eine kohärente sicherheitspolitische Antwort zu formulieren.
Die bittere Wahrheit ist: Europa hat es über Jahrzehnte versäumt, eine eigenständige Verteidigungsfähigkeit aufzubauen. Stattdessen hat man sich bequem unter den amerikanischen Schutzschirm gelegt und die sogenannte „Friedensdividende" in Sozialprogramme und ideologische Projekte investiert. Nun, da dieser Schirm Löcher bekommt, steht der Kontinent im Regen. Das 500-Milliarden-Euro-Sondervermögen, das die neue Bundesregierung für Infrastruktur aufgelegt hat, wird die ohnehin angespannte Haushaltslage weiter verschärfen – und ob davon genug in die Verteidigung fließt, bleibt fraglich.
Exil-Iraner demonstrieren für Freiheit
Am Rande der Konferenz haben regimekritische Exil-Iraner für den 14. Februar eine Großdemonstration angekündigt. Sie fordern Freiheit im Iran und internationale Solidarität mit dem iranischen Volk. Die Veranstalter rechnen mit bis zu 100.000 Teilnehmern, auch wenn diese Zahl als optimistisch gelten dürfte. Dennoch sendet die Demonstration ein wichtiges Signal: Während die Diplomaten im Bayerischen Hof über geopolitische Schachzüge diskutieren, kämpfen Menschen auf der Straße für grundlegende Freiheitsrechte.
Mehr als nur ein Debattierclub?
Die entscheidende Frage bleibt, ob die Münchner Sicherheitskonferenz 2026 mehr sein wird als ein hochkarätiger Debattierclub. Die Geschichte zeigt, dass die informellen Gespräche am Rande der offiziellen Veranstaltung oft wichtiger sind als die Hauptreden. In den geschützten Räumen des Bayerischen Hofs wurden in der Vergangenheit durchaus diskrete diplomatische Initiativen angestoßen. Ob dies auch diesmal gelingt, in einer Welt, die sich rasant von multilateralen Strukturen verabschiedet, steht in den Sternen.
Eines jedoch ist gewiss: Die alte Ordnung, auf die sich Europa so gerne beruft, existiert in dieser Form nicht mehr. Wer das nicht begreift und sich weiterhin in nostalgischen Beschwörungen einer regelbasierten internationalen Ordnung ergeht, wird von der Realität überrollt werden. Deutschland und Europa müssen endlich lernen, ihre eigenen Interessen zu definieren und durchzusetzen – mit oder ohne amerikanischen Segen. Die Münchner Sicherheitskonferenz wäre ein guter Ort, damit anzufangen. Aber die Hoffnung darauf ist, gelinde gesagt, überschaubar.
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