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26.03.2026
22:40 Uhr

Nachtzug Berlin-Paris: Ein belgisches Startup schafft, woran Deutsche Bahn und Bundesregierung scheiterten

Nachtzug Berlin-Paris: Ein belgisches Startup schafft, woran Deutsche Bahn und Bundesregierung scheiterten

Es mutet beinahe wie eine Satire an: Während Deutschland sich seit Jahren mit ideologischen Debatten über Klimaneutralität, Gender-Sternchen und immer neue Sondervermögen beschäftigt, braucht es ein kleines belgisch-niederländisches Startup, um eine der naheliegendsten Bahnverbindungen Europas wiederzubeleben. Am Donnerstag startete in Paris erstmals seit Dezember wieder ein Nachtzug Richtung Berlin – betrieben nicht etwa von der Deutschen Bahn, sondern von European Sleeper, einem 2021 gegründeten Unternehmen, das alte Waggons aufkaufte und zu modernen Komfort-Kabinen umbaute.

Das Versagen der großen Staatsbahnen

Die Geschichte dieser Verbindung ist ein Lehrstück über das Scheitern staatlicher Großorganisationen. Bereits 2016 hatte die Deutsche Bahn ihre letzte Nachtzugverbindung eingestellt – ein Schlag ins Gesicht für alle, die an eine klimafreundliche Verkehrswende glaubten. Die Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB) sprangen damals ein und übernahmen mit ihrer Marke Nightjet Teile des verwaisten Netzes. Ab 2018 weiteten sie ihr Angebot sogar auf neue Strecken aus, darunter die prestigeträchtige Route Berlin-Paris.

Doch was als deutsch-französisches Vorzeigeprojekt mit großem Pomp eingeweiht worden war, endete nach nur zwei Jahren kläglich. Im Dezember stellten die ÖBB die Verbindung wieder ein. Man fragt sich unwillkürlich: Wie kann es sein, dass drei nationale Bahngesellschaften – die deutsche, die französische und die österreichische – gemeinsam nicht in der Lage sind, eine einzige Nachtzugstrecke zwischen zwei europäischen Hauptstädten wirtschaftlich zu betreiben?

Privates Unternehmertum zeigt dem Staat, wie es geht

European Sleeper beweist nun, dass es auch anders geht. Der neue Nachtzug verkehrt zunächst dreimal wöchentlich in beide Richtungen. Von Berlin aus starten die Züge montags, mittwochs und freitags, in der Gegenrichtung sonntags, dienstags und donnerstags. Statt der klassischen Vierer- und Sechserabteile, die man noch aus vergangenen Jahrzehnten kennt, setzen die Betreiber auf private Komfort-Kabinen mit eigenen Duschen, Induktionsladestellen für Mobiltelefone, Mini-Kabinen sowie Schlafbuchten mit Fenster und verschließbarem Gepäckfach.

Preislich könne der Nachtzug allerdings häufig nicht mit dem Flugzeug konkurrieren, weshalb man zunehmend auf das Konzept einer luxuriösen Erlebnisreise setze. Ein ehrlicher Ansatz – und einer, der funktionieren dürfte. Denn wer einmal die Romantik erlebt hat, abends in einer europäischen Metropole einzuschlafen und morgens in einer anderen aufzuwachen, wird den Mehrpreis gerne in Kauf nehmen.

Ein Symptom für ein größeres Problem

Was hier im Kleinen sichtbar wird, ist symptomatisch für den Zustand der deutschen Infrastruktur insgesamt. Die Deutsche Bahn, ein Staatskonzern mit Milliardenumsätzen und Zehntausenden Mitarbeitern, schafft es nicht einmal, ihre bestehenden Verbindungen pünktlich und zuverlässig zu betreiben – geschweige denn, innovative neue Angebote auf die Schiene zu bringen. Stattdessen versinkt das Unternehmen in bürokratischen Strukturen, während die Politik lieber über ein 500 Milliarden Euro schweres Sondervermögen debattiert, das kommende Generationen mit Schulden belastet, anstatt die vorhandenen Mittel effizient einzusetzen.

Dass ausgerechnet ein kleines Startup aus den Benelux-Staaten vormacht, wie man mit aufgearbeiteten Altwaggons eine attraktive Nachtzugverbindung zwischen zwei der wichtigsten Städte Europas betreibt, sollte den Verantwortlichen in Berlin zu denken geben. Doch die Erfahrung lehrt: In der deutschen Politik wird lieber über Probleme geredet, als sie zu lösen. Die Schaulustigen, die dem blauen Zug in Paris hinterherwinkten, dürften jedenfalls zufriedener gewesen sein als die meisten Pendler auf deutschen Bahnsteigen.

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