
Neue Studie zur Wirksamkeit der COVID-19-Impfungen: Ein Triumph oder eine TĂ€uschung?
Eine neue Studie versucht zu quantifizieren, wie viele Leben in Europa durch COVID-19-Impfungen gerettet wurden. WĂ€hrend BefĂŒrworter der Impfkampagnen diese Untersuchung als starken Beweis fĂŒr deren Wirksamkeit ansehen, werfen methodische EinschrĂ€nkungen Fragen zur Aussagekraft der Studie auf.
Impfungen als Lebensretter?
Laut der kĂŒrzlich in âThe Lancetâ veröffentlichten Studie haben Impfungen gegen COVID-19 in Europa Millionen ĂŒberwiegend Ă€ltere Menschen gerettet. Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach bezeichnete die Impfungen als âTriumph der Medizinâ und betonte, dass allein in Deutschland schĂ€tzungsweise 182.000 Corona-TodesfĂ€lle durch Impfungen verhindert wurden.
Die wissenschaftliche Arbeit basiert auf einer retrospektiven stratifizierten Studie, die die Wirkung der COVID-19-Impfkampagne in 34 europÀischen LÀndern und Regionen bewertet. Nach den SchÀtzungen der Autoren wurden im Zeitraum von Dezember 2020 bis MÀrz 2023 etwa 1,6 Millionen Menschenleben gerettet, von denen 96 Prozent 60 Jahre oder Àlter waren.
Methodische Zweifel und Kritik
Die Autoren der Studie untersuchten die Auswirkungen von Grundimmunisierungen und Auffrischungsimpfungen auf verschiedene Altersgruppen und berĂŒcksichtigten sowohl den schwindenden Impfschutz im Laufe der Zeit als auch das stĂ€ndige Auftreten neuer Varianten von SARS-CoV-2. Ihre Aussagen ĂŒber die lebensrettenden Erfolge der Impfkampagne basieren auf dem Vergleich der tatsĂ€chlich erfassten COVID-19-TodesfĂ€lle mit hypothetischen, erwarteten Todeszahlen, die ohne Impfungen aufgetreten wĂ€ren.
Die Aussagekraft der Studie und die ZuverlĂ€ssigkeit der SchĂ€tzung der geretteten Leben hĂ€ngen jedoch in erster Linie von der Genauigkeit der Erfassung der COVID-19-Todeszahlen und der prĂ€zisen Beurteilung der Impfstoffwirksamkeit ab. Eine fehlerhafte Erfassung von COVID-19-Todeszahlen wĂŒrde sowohl die SchĂ€tzung der Impfstoffwirksamkeit als auch die Berechnung der geretteten Leben beeintrĂ€chtigen.
Schwindende ImmunitÀt und Ausschluss von Risikogruppen
WÀhrend der Schutz vor Infektionen bereits wenige Wochen nach der letzten Impfung deutlich nachlÀsst, gehen viele Wissenschaftler und Mediziner davon aus, dass der Schutz vor Hospitalisierungen und TodesfÀllen lÀnger anhÀlt. Allerdings wurde bisher meist nur der schwindende Schutz vor Infektionen, aber nicht die Verhinderung von TodesfÀllen untersucht.
Eine weitere methodische EinschrĂ€nkung der Studie ist der Ausschluss von Risikogruppen. Die Autoren haben ausschlieĂlich Studien aufgenommen, die sich auf Erwachsene in Europa oder anderen wohlhabenden LĂ€ndern beziehen. AusdrĂŒcklich ausgeschlossen wurden hingegen Studien, die Personen mit Vorerkrankungen, immungeschwĂ€chte Personen oder auch BeschĂ€ftigte im Gesundheitswesen einschlossen. Dieser Ausschluss könnte die berechnete Impfstoffwirksamkeit optimistischer erscheinen lassen.
Corona-Tote versus Gesamtsterblichkeit
FĂŒr die Berechnungen der Impfstoffwirksamkeit schlossen die Autoren auch Studien aus, die die Wirksamkeit innerhalb von weniger als vier Wochen nach der Impfung bewerteten. Diese Entscheidung dĂŒrfte die EinschĂ€tzung der Impfstoffwirksamkeit ebenfalls optimistischer erscheinen lassen. Es ist nicht davon auszugehen, dass eine Reduktion des Infektionsrisikos durch Impfungen automatisch auch das allgemeine Sterberisiko senkt.
Es ist auffĂ€llig, dass seit der EinfĂŒhrung der COVID-19-Impfstoffe keine Reduktion der Gesamtsterblichkeit in der Bevölkerung beobachtet wurde. Stattdessen wurde in den meisten LĂ€ndern sogar eine Ăbersterblichkeit verzeichnet. Zwar lĂ€sst sich daraus allein kein kausaler Zusammenhang zwischen der Impfkampagne und einer erhöhten Sterblichkeit ableiten, es könnte jedoch darauf hindeuten, dass die Impfungen zwar die Zahl der Patienten reduzieren, bei denen als Todesursache eine COVID-19-Infektion festgestellt wurde, jedoch keinen generellen Nutzen im Hinblick auf das allgemeine Sterberisiko bringen.
Fazit: Eine Frage der Perspektive
Die Lancet-Studie unternimmt den anspruchsvollen Versuch einer komplexen Analyse und kommt zu einer Ă€uĂerst positiven Bewertung der Impfkampagne. Positiv hervorzuheben ist, dass Faktoren wie Alter, nachlassende ImmunitĂ€t und unterschiedliche Virusvarianten in die Bewertung einbezogen wurden. Allerdings legen die Wissenschaftler möglicherweise eine zu optimistische Wirksamkeit der Impfstoffe zugrunde und setzen voraus, dass die COVID-19-Todeszahlen grundsĂ€tzlich korrekt erfasst wurden. Das kann zu verzerrten Ergebnissen fĂŒhren, insbesondere wenn eine fehlerhafte Erfassung der Todeszahlen die SchĂ€tzung der Impfstoffwirksamkeit ungenau macht.

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