
Norwegen watscht Brüssel ab: "Hört auf zu moralisieren!"

Klare Ansage aus dem hohen Norden: Norwegens Energieminister Terje Aasland hat der EU-Kommission am Rande der Branchenkonferenz "Offshore Northern Seas" im norwegischen Stavanger offen Doppelmoral vorgeworfen. Brüssel predige ein Bohrverbot in der Arktis – während EU-Staaten wie Deutschland und Polen dem Land gleichzeitig das Gas aus der Hand reißen.
Ein Bohrverbot fordern – und trotzdem kaufen
Die EU-Kommission drängt seit 2021 auf ein weltweites Verbot neuer Bohrungen in der Arktis. Ausgerechnet gegenüber jenem Land, das nach dem Bruch mit Russland zum größten Gaslieferanten und zweitgrößten Öllieferanten der Union aufgestiegen ist.
Aasland verwies dem Bericht zufolge auf den Einstieg des polnischen Staatskonzerns Orlen in Ölfelder vor Norwegens Küste – und auf den 15-Jahres-Vertrag des deutschen Staatskonzerns Uniper mit Equinor.
"Wenn wir mit Deutschland sprechen, wollen sie dieses Gas. Und wenn man mit Polen spricht, wollen sie dieses Gas."
Die Zahlen dahinter sind wuchtig: Nach Unternehmensangaben soll Equinor von 2027 bis 2041 jährlich mehr als 30 Terawattstunden Erdgas nach Deutschland liefern. Norwegen deckt laut Bundesnetzagentur bereits rund 44 Prozent der deutschen Gasimporte – und etwa 30 Prozent der europäischen.
"27 Energiemärkte, die nicht miteinander reden"
Besonders bitter fiel Aaslands Urteil über die europäische Energiearchitektur aus. Europas Problem seien 27 Energiemärkte, die aneinander vorbei agierten. In Brüssel entstünden schöne Papiere – in der Realität verfolge jeder Mitgliedstaat seine eigene Strategie.
Und das Kapital? Fließe längst in die USA und nach Asien. Auf die Frage, was Europa eigentlich stütze, antwortete der Minister knapp: nichts.
Für deutsche Verbraucher ist das mehr als eine diplomatische Randnotiz. Wer Industriestrompreise beklagt, gleichzeitig aber die Förderung dort verteufelt, wo das eigene Gas herkommt, muss sich den Vorwurf der Realitätsferne gefallen lassen – so sieht es unsere Redaktion.
Die Uhr tickt: Norwegens Förderung schrumpft
Hinter dem selbstbewussten Auftritt steckt auch Nervosität. Torgeir Stordal, Chef des norwegischen Offshore-Direktorats, skizzierte in Stavanger einen Rückgang der Ölproduktion von rund 230 Millionen Standardkubikmetern Öläquivalent im Jahr 2026 auf etwa 150 Millionen bis 2050 – im besten Fall. Im schlechtesten Szenario blieben nur 30 Millionen übrig.
Selbst das optimistische Szenario werde teuer, warnte er. Die Hoffnungen der Branche ruhen deshalb auf der Barentssee. Aasland nannte sie ein wichtiges Gebiet für Europas künftige Energiesicherheit und lud europäische Politiker ein, sich selbst ein Bild zu machen.
Umweltschützer warnen – Bürger zahlen
Umweltverbände halten dagegen: Eine Ausweitung der Förderung in der Arktis erhöhe das Risiko von Ölunfällen und schade empfindlichen Meeresökosystemen. Diese Bedenken sind ernst zu nehmen.
Doch die politische Rechnung bleibt offen: Wer Versorgung aus der Arktis moralisch ächtet, sie faktisch aber einkauft, verlagert nur das Risiko – und die Abhängigkeit. Aaslands Hinweis, dass sich die Öffentlichkeit gegen grüne Politik wende, wenn sichere Arbeitsplätze fehlten, dürfte in Berlin und Brüssel nicht gern gehört werden.
Hinweis: Dieser Beitrag dient der Information und stellt keine Anlageberatung dar. Wer in Rohstoffe, Aktien oder Edelmetalle investiert, trifft seine Entscheidungen eigenverantwortlich und sollte sich vorab selbst gründlich informieren. Physische Edelmetalle können als Beimischung zur Vermögenssicherung dienen.
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