
Oettinger auf der Flucht: Bayerische Traditionsbrauerei verlagert Geschäft in die Schweiz – und spart kräftig Steuern
Es ist ein Lehrstück über den Zustand des Wirtschaftsstandorts Deutschland. Während die Politik nicht müde wird, die heimische Industrie mit immer neuen Abgaben und Regulierungen zu belasten, stimmen die Unternehmen mit den Füßen ab. Das jüngste Beispiel: Die Brauerei Oettinger, einst Inbegriff des günstigen deutschen Bieres, kehrt ihrem Heimatmarkt zunehmend den Rücken – und wickelt das Auslandsgeschäft künftig über die steuergünstige Schweiz ab.
Geheimprojekt „Columbus": Ein Konzernumbau hinter verschlossenen Türen
Was nach außen hin als gewöhnliche Internationalisierung verkauft werden soll, entpuppt sich bei näherer Betrachtung als strategischer Befreiungsschlag aus dem deutschen Steuerkorsett. Seit 2023 läuft bei Oettinger unter dem Decknamen „Columbus" ein umfassender Konzernumbau, der weit mehr umfasst als die Erschließung neuer Absatzmärkte. Im Kern geht es darum, weniger Geld an den deutschen Fiskus abzuführen – ein Motiv, das man der Eigentümerfamilie Kollmar kaum verübeln kann, wenn man die hiesige Steuerbelastung kennt.
Die Anwaltskanzlei Noerr legte bereits im Dezember 2023 ein vertrauliches Gutachten vor, das die „Nutzung von Unterschieden in der Steuerquote durch Einbeziehung von Auslandsgesellschaften" empfahl. Der Rechenweg ist so simpel wie ernüchternd für jeden deutschen Steuerzahler: Während Unternehmen hierzulande durchschnittlich 30 Prozent Steuern entrichten müssen, wären es im Schweizer Kanton Zug lediglich 15 Prozent. Die Hälfte. Wohlgemerkt: Das Beratungsunternehmen Deloitte sah bis 2027 keinen unmittelbaren steuerlichen Handlungsbedarf. Eigentümerin Pia Kollmar wartete dennoch nicht ab.
Schweizer Briefkasten oder echte Expansion?
Bereits im April 2024 wurde die Oe International AG in der Schweiz eingetragen – rechtlich eigenständig, wirtschaftlich jedoch fest in Familienhand. Kollmar und ihre Töchter halten die Anteile über eine zwischengeschaltete Holdinggesellschaft in Deutschland. Die neue Einheit soll künftig den gesamten Auslandsvertrieb von Oettinger-Produkten koordinieren – steueroptimiert aus dem Alpenland heraus.
Man muss sich das einmal auf der Zunge zergehen lassen: Eine bayerische Traditionsbrauerei aus einem kleinen Ort im Landkreis Donau-Ries sieht sich gezwungen, ihre Geschäfte über die Schweiz abzuwickeln, weil der deutsche Staat seinen Unternehmen derart tief in die Tasche greift, dass ein Verbleib wirtschaftlich kaum noch sinnvoll erscheint. Wer angesichts solcher Entwicklungen noch behauptet, Deutschland sei ein attraktiver Wirtschaftsstandort, der lebt offenkundig in einer Parallelwelt.
Der deutsche Biermarkt im freien Fall
Die Flucht ins Ausland kommt nicht von ungefähr. Der deutsche Biermarkt schrumpfte 2025 so stark wie in keinem Jahr zuvor – um satte sechs Prozent. Für Oettinger, dessen Geschäftsmodell jahrzehntelang auf dem Prinzip „so günstig wie möglich, so viel Absatz wie möglich" beruhte, bedeutet das eine existenzielle Bedrohung. Das alte Rezept trägt schlicht nicht mehr. Die Konsumlaune der Deutschen ist am Boden, die Kaufkraft erodiert, und die Inflation – befeuert durch eine Politik der Schuldenorgien und Sondervermögen – frisst sich durch alle Lebensbereiche.
China als Hoffnungsträger, Russland als Option
Das Wachstumsziel der Brauerei ist ambitioniert: Bis 2026 soll jeder zweite Euro Umsatz außerhalb Deutschlands erwirtschaftet werden. Besonders China steht im Fokus. Der ehemalige Geschäftsführer Stefan Blaschak bezifferte das dortige Absatzpotenzial auf eine Million Hektoliter jährlich – rund das Vierfache des bisherigen Absatzes in der Volksrepublik. Noch brisanter: Einem internen Strategiepapier zufolge habe man sogar darüber nachgedacht, ein speziell für den chinesischen Markt konzipiertes Pils in Russland herstellen zu lassen. Auf entsprechende Nachfragen schwieg das Unternehmen vielsagend.
Dass derartige Pläne für Wirbel sorgen könnten, war dem Management durchaus bewusst. Bereits im Mai 2024 entstanden Entwürfe für eine Pressemitteilung, in der auch unbequeme Fragen vorab beantwortet wurden – etwa jene, ob Oettinger ins Steuerparadies fliehe. Nach außen gab eine Unternehmenssprecherin eine gänzlich andere Linie aus: „Es gibt keine Reorganisation." Eine Aussage, die angesichts von 133.000 ausgewerteten internen Unterlagen, die das Gegenteil belegen, geradezu grotesk anmutet.
Interne Konflikte und ein polarisierender Geschäftsführer
Den operativen Umbau trieb Blaschak voran, den Kollmar im Sommer 2023 als Geschäftsführer engagiert hatte. Sein Führungsstil sorgte für erhebliche Spannungen. Der Betriebsrat hielt schriftlich fest, die Zusammenarbeit mit ihm sei „speziell" – eine diplomatische Umschreibung, die an Deutlichkeit nichts vermissen lässt. Über die Hintergründe der Schweizer Neugründung ließ Blaschak die Belegschaft offenbar im Dunkeln: Er beschrieb die Oe International AG intern lediglich als Vertriebsvehikel für „ausgewählte Länder", ohne die zentrale Rolle der Eigentümerfamilie zu erwähnen. Im März 2026 zog er sich schließlich zurück. Sein Nachfolger Thilo R. Pomykala übernahm das Ruder zum 1. April.
Ein Symptom für ein viel größeres Problem
Der Fall Oettinger ist kein Einzelfall. Er ist vielmehr ein Symptom für den schleichenden Niedergang des Wirtschaftsstandorts Deutschland. Wenn selbst mittelständische Traditionsunternehmen aus der bayerischen Provinz ihre Strukturen in die Schweiz verlagern, dann läuft etwas grundlegend falsch. Die Steuerbelastung ist zu hoch, die Bürokratie erdrückend, die Energiekosten explodieren, und die politische Klasse in Berlin scheint sich mehr für Gendersternchen und Klimaneutralität bis 2045 zu interessieren als für die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft.
Das 500-Milliarden-Euro-Sondervermögen der neuen Bundesregierung unter Friedrich Merz wird die Probleme nicht lösen – im Gegenteil. Es wird die Inflation weiter anheizen und kommende Generationen mit Schulden belasten, die sie nie gewollt haben. Und während in Berlin über immer neue Ausgabenprogramme debattiert wird, packen Unternehmen wie Oettinger ihre Koffer. Columbus – der Name des Geheimprojekts ist dabei fast schon zynisch passend. Wie einst der Entdecker bricht auch diese bayerische Brauerei zu neuen Ufern auf. Nur dass sie nicht Gold sucht, sondern vor dem deutschen Steuerstaat flieht.
Wer kann es ihr verdenken?
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