
Olympische Winterspiele 2026: Deutschlands Goldjagd in Mailand und Cortina
Vier goldene Plaketten schmücken bislang die deutsche Bilanz bei den Olympischen Winterspielen 2026 in Norditalien – und die zweite Wettkampfwoche verspricht noch einiges mehr. Doch reicht das, um an die stolze Ausbeute von zwölf Goldmedaillen aus Peking 2022 auch nur annähernd heranzukommen? Ein Blick auf die verbleibenden Chancen offenbart: Es wird eng, aber die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt.
Monobob und Eiskunstlauf: Zwei heiße Eisen am Montag
Laura Nolte, die 27-jährige Weltcup-Gesamtsiegerin im Monobob, liegt nach zwei von vier Läufen mit komfortablen 0,22 Sekunden Vorsprung vor der US-Amerikanerin Elana Meyers Taylor an der Spitze. Wer die gebürtige Unaerin kennt, weiß: Diese Frau gibt Führungen nicht leichtfertig aus der Hand. Die Entscheidung fällt im vierten Lauf – und die Chancen auf deutsches Gold stehen hervorragend.
Mindestens ebenso vielversprechend präsentiert sich die Lage im Eiskunstlauf-Paarlauf. Minerva Hase und Nikita Volodin zeigten im Kurzprogramm eine Nervenstärke, die ihren Konkurrenten schlicht fehlte. Mit satten 4,55 Punkten Vorsprung auf die zweitplatzierten Georgier Anastasia Metelkina und Luka Berulawa gehen sie als haushohe Favoriten in die Kür am Montagabend. Drei Jahre harter Arbeit könnten sich in wenigen Minuten auf dem Eis in pures olympisches Gold verwandeln – vorausgesetzt, sie liefern ein fehlerfreies Programm ab.
Das ewige Duell im Eiskanal: Friedrich gegen Lochner
Wenn es eine Rivalität gibt, die den deutschen Wintersport seit Jahren elektrisiert, dann ist es das Duell zwischen Francesco Friedrich und Johannes Lochner im Bob. Der viermalige Olympiasieger Friedrich, dieser Perfektionist aus Sachsen, hat bereits zwei olympische Doppelerfolge auf dem Konto. „Das Imperium hat immer zurückgeschlagen", tönte er selbstbewusst – eine Ansage, die man ernst nehmen sollte.
Doch Lochner, der Berchtesgadener, dominierte die Weltcup-Saison im Zweierbob mit sechs von sieben möglichen Siegen derart eindrucksvoll, dass selbst Friedrich Respekt zollen muss. Und dann wäre da noch Adam Ammour, der lachende Dritte, der mit seinen beiden Saisonsiegen zum Schluss die Routiniers das Fürchten lehrte. Im Viererbob wird das knappste Rennen der olympischen Geschichte erwartet – aus rein deutscher Perspektive ein Luxusproblem, das man sich in anderen Nationen nur wünschen kann.
Nordische Kombination: Geiger will Revanche
Vinzenz Geiger, Olympiasieger von 2022, erlebte im Einzel von der Normalschanze einen Tag zum Vergessen. Doch wer den Allgäuer kennt, weiß: Rückschläge machen ihn nur gefährlicher. Gemeinsam mit Julian Schmid und Johannes Rydzek will er auf der Großschanze am Dienstag angreifen. Zwei Tage später bietet der Teamsprint eine weitere Gelegenheit – allerdings müssten die Deutschen dafür die favorisierten Österreicher und Norweger bezwingen. Kein leichtes Unterfangen.
Ski Alpin: Aicher träumt vom großen Coup
Zweimal Silber hat Emma Aicher bereits eingefahren – eine beachtliche Leistung, die in früheren Zeiten für Jubelstürme gesorgt hätte. Doch die junge Deutsche will mehr. Im Slalom, wo sie in der Team-Kombination bereits die Bestzeit hinlegte, wittert sie ihre Chance auf Gold. Auch Lena Dürr könnte in ihrer Lieblingsdisziplin für eine Überraschung sorgen. Der Haken an der Sache trägt einen Namen: Mikaela Shiffrin. Die US-amerikanische Ausnahmekönnerin brennt darauf, in ihrer Paradedisziplin endlich wieder olympisches Gold zu gewinnen – das letzte liegt bereits acht Jahre zurück.
Skicross: Rückenwind aus Val di Fassa
Daniela Maier, Bronzemedaillengewinnerin von Peking, reist mit dem Selbstvertrauen zweier Weltcupsiege in dieser Saison an. Ihr letzter Triumph in Val di Fassa, der Generalprobe vor Olympia, dürfte ihr zusätzlichen Schwung verleihen. Bei den Männern sorgte Florian Wilmsmann mit einem deutschen Dreifacherfolg ebenfalls in Val di Fassa für Furore. Der 30-Jährige, dem bei seinen bisherigen olympischen Auftritten 2018 und 2022 das Glück stets verwehrt blieb, scheint endlich reif für den ganz großen Wurf. Zusammen mit Cornel Renn und Tim Hronek bildet er ein Trio, das durchaus für eine Sensation gut sein könnte.
Nolte und Levi: Die Favoritinnen im Zweierbob
Zum krönenden Abschluss der Bob-Wettbewerbe steht am Samstag der Zweierbob der Frauen auf dem Programm – und hier führt kein Weg an Laura Nolte und ihrer Anschieberin Deborah Levi vorbei. Die Peking-Olympiasiegerinnen gewannen fünf von sieben Weltcup-Rennen und gelten als haushohe Favoritinnen. „Wir nehmen die Favoritenrolle an, das macht uns nichts", erklärte Nolte mit der Gelassenheit einer Athletin, die genau weiß, was sie kann. Levi, eine regelrechte Startrakete, und Nolte harmonieren auf eine Weise, die ihre Konkurrentinnen verzweifeln lässt.
Insgesamt betrachtet bieten sich dem deutschen Team in der zweiten Olympia-Woche noch zahlreiche realistische Goldchancen. Ob am Ende die magische Zwölf aus Peking erreicht wird, darf bezweifelt werden – doch sechs, sieben oder gar acht Goldmedaillen erscheinen durchaus im Bereich des Möglichen. In einer Zeit, in der Deutschland wirtschaftlich und politisch mit enormen Herausforderungen kämpft, tut es gut zu sehen, dass zumindest im Sport noch Spitzenleistungen möglich sind. Vielleicht sollte sich die Politik gelegentlich eine Scheibe von der Disziplin und dem Ehrgeiz dieser Athleten abschneiden – Leistung lohnt sich eben doch, wenn man sie nur zulässt.

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