
Orkan-Doppelschlag: Erst Austen, dann Boelo â Deutschland im Sturm!

Erst traf es Frankreich, dann Deutschland. Sturmtief Austen, hierzulande unter dem Namen âLuiseâ gefĂŒhrt, hat am Freitag fast 300.000 französische Stromkunden vom Netz getrennt und ist in der Nacht zum Samstag mit Orkanböen bis 130 Kilometer pro Stunde ĂŒber Deutschland gezogen. Eine Atempause gibt es kaum, denn mit Boelo (âManjaâ) stand das nĂ€chste Tief schon bereit.
Frankreich im Dunkeln, die Normandie ohne ZĂŒge
Wie stark Austen ist, zeigte sich zuerst an der AtlantikkĂŒste. Laut der Nachrichtenagentur Bloomberg waren in Frankreich am Freitag fast 300.000 Stromkunden ohne Strom. In der Bretagne und im DĂ©partement Manche erreichten die Böen 120 bis 140 km/h, in anderen Berichten ist sogar von Spitzenwerten um 161 km/h die Rede.
Die französische Staatsbahn SNCF lieĂ in der gesamten Normandie keine ZĂŒge mehr fahren. Im englischen Cornwall waren nach Angaben des niederlĂ€ndischen Senders NOS mehr als 13.500 Haushalte ohne Strom. Belgien rief fĂŒr West- und Ostflandern sowie den Hennegau Code Orange aus, zwischen Gent und Terneuzen wurde die Schifffahrt eingestellt.
Brocken, Feldberg, Niederrhein: Hier tobte Austen
In Deutschland verlagerte sich das stĂ€rkste Windfeld vom Niederrhein in das Dreieck zwischen Köln, Hannover und Hamburg. Vom Rheinland bis ins Emsland hielt der Deutsche Wetterdienst (DWD) schwere Sturmböen bis 100 km/h fĂŒr wahrscheinlich, örtlich auch orkanartige Böen bis 110 km/h. Auf dem Brocken waren Orkanböen bis 130 km/h vorhergesagt, auf dem Feldberg im Schwarzwald ebenfalls Orkanböen.
Die Folgen blieben nicht aus. Medienberichten zufolge entwurzelte der Sturm vor allem im Westen und SĂŒdwesten zahlreiche BĂ€ume, in Baden-WĂŒrttemberg und Nordrhein-Westfalen fielen ZĂŒge aus oder hatten VerspĂ€tung. Im rheinland-pfĂ€lzischen NastĂ€tten sollen bei einem Stadtfest zwei Menschen schwer verletzt worden sein.
Warum dieser Herbststurm so tĂŒckisch ist
Kritisch ist vor allem der Zeitpunkt. Viele BĂ€ume tragen noch ihr Laub und bieten dem Wind damit eine groĂe AngriffsflĂ€che, wie ein Segel. Nach dem DĂŒrresommer sind viele BĂ€ume auĂerdem geschwĂ€cht, warnt das Portal wetter.net. Schon ab etwa 80 km/h können ganze BĂ€ume umstĂŒrzen.
Dazu kommt der Ferienverkehr. In Nordrhein-Westfalen laufen die Herbstferien, in Niedersachsen und Bremen hat die RĂŒckreise begonnen. Auf BrĂŒcken und freien Strecken sind Seitenböen besonders fĂŒr Wohnwagen, Transporter und MotorrĂ€der gefĂ€hrlich. Und angebrochene Ăste bleiben auch dann eine Gefahr, wenn der Wind lĂ€ngst nachgelassen hat.
Schnee im Schwarzwald, Sturmflutgefahr im Norden
Nach dem Sturm wurde es kalt. Am Samstag zog Austen geschwĂ€cht in Richtung DĂ€nemark, die Höchstwerte lagen nur noch bei 8 bis 14 Grad. Im Hochschwarzwald ging der Regen in Schnee ĂŒber, Schneematsch machte die StraĂen dort glatt.
Gleichzeitig nĂ€herte sich Boelo. Der britische Met Office rief fĂŒr ganz Schottland, Teile Nordirlands und den Ă€uĂersten Norden Englands die Warnstufe Amber aus. FĂŒr die deutsche Nordsee erwartete der DWD in der Nacht zum Sonntag schwere Sturmböen der StĂ€rke 10. Medienberichten zufolge drohte Hamburg eine Sturmflut. Ausgerechnet in dieser Nacht wurden auch noch die Uhren von 3 auf 2 Uhr zurĂŒckgestellt.
Billiger Windstrom, anfÀllige Infrastruktur
Eine gute Nachricht gibt es: Laut Bloomberg drĂŒckte der starke Wind die Strompreise in Deutschland und Frankreich. Das zeigt aber auch, wie stark die Preise inzwischen vom Wetter abhĂ€ngen. Bei Sturm ist der Strom billig, bei Flaute steigen die Preise wieder.
Ein ernĂŒchterndes Fazit: Jedes Herbsttief bringt Bahnverkehr, Stromnetze und Verkehrswege schnell an ihre Grenzen. Eigene Vorsorge zahlt sich deshalb aus, zum Beispiel mit Taschenlampe, Powerbank und Wasservorrat fĂŒr den Notfall. Wer am Wochenende unterwegs war, sollte die amtlichen Warnungen im Blick behalten und Waldwege meiden.
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