
Palmer ohne Reue: Wie der Tübinger OB den Wokeness-Wahnsinn entlarvt
Es gibt Politiker in diesem Land, die bei jedem medialen Gegenwind sofort einknicken, sich in vorauseilendem Gehorsam entschuldigen und fortan brav die Sprachregelungen des Zeitgeistes nachplappern. Und dann gibt es Boris Palmer. Der Tübinger Oberbürgermeister hat in einem Interview mit dem „Spiegel" unmissverständlich klargestellt, dass er keine seiner umstrittenen Äußerungen bereue. Eine Haltung, die in der heutigen politischen Landschaft geradezu erfrischend wirkt – und die man sich von deutlich mehr Mandatsträgern wünschen würde.
Entschuldigungen als Überlebensstrategie
Besonders bemerkenswert ist Palmers schonungslose Ehrlichkeit im Umgang mit seinen vergangenen Entschuldigungen. Er habe sich mitunter nur entschuldigt, um „weiteres Unheil" von sich abzuwenden – ohne es tatsächlich so zu meinen. Was auf den ersten Blick zynisch klingen mag, offenbart in Wahrheit ein tiefgreifendes Problem unserer Debattenkultur. Palmer beschreibt eine Mechanik, die vielen Deutschen aus eigener Erfahrung bekannt sein dürfte: Man wird so lange öffentlich mit Schlamm beworfen, bis man eine Entschuldigung ausspricht, nur um den eigenen Kopf zu retten. Eine „Unsitte", wie Palmer es treffend nennt.
Wer in Deutschland eine abweichende Meinung vertritt – sei es zur Migrationspolitik, zur Gendersprache oder zu anderen Reizthemen –, der sieht sich schnell einem orchestrierten Shitstorm ausgesetzt. Die selbsternannten Tugendwächter in Medien und sozialen Netzwerken kennen dabei kein Erbarmen. Dass Palmer mittlerweile seine Social-Media-Beiträge von einer künstlichen Intelligenz gegenlesen lässt, spricht Bände über den Zustand der Meinungsfreiheit in diesem Land.
Wenn selbst die KI „woke" ist
Köstlich ist dabei Palmers Beobachtung, dass ChatGPT „ziemlich woke" sei und meistens von seinen geplanten Formulierungen abrate. Selbst die künstliche Intelligenz, so scheint es, wurde bereits vom Zeitgeist der politischen Korrektheit durchdrungen. Wenn ein demokratisch gewählter Oberbürgermeister einen Algorithmus befragen muss, bevor er seine Gedanken öffentlich äußert – was sagt das über den Zustand unserer Demokratie aus?
Doch Palmer sieht Licht am Ende des Tunnels. Der „Zeitgeist der Wokeness" sei auf dem Rückzug, konstatiert er. Die Sprachregulierung und Moralisierung seien derart übertrieben worden, dass mittlerweile die Mehrheit der Menschen die Nase davon voll habe. Eine Einschätzung, die durch zahlreiche Umfragen und nicht zuletzt durch die Ergebnisse der jüngsten Wahlen gestützt wird. Die Menschen in Deutschland haben genug von ideologischer Bevormundung und wünschen sich eine Politik, die sich um die wirklichen Probleme kümmert – um Sicherheit, wirtschaftliche Stabilität und gesellschaftlichen Zusammenhalt.
Kein Ministeramt, aber politisch rehabilitiert
Dass Palmer trotz seiner jahrelangen Ecken und Kanten auf der politischen Bühne wieder salonfähig geworden ist, dürfte seinen Kritikern schwer im Magen liegen. Einen Ministerposten in der baden-württembergischen Landesregierung unter dem grünen Wahlgewinner Cem Özdemir strebt er zwar nicht an, dennoch könnte er in die Regierungsarbeit eingebunden werden. Es wäre den Bürgern zu wünschen, dass Palmers pragmatischer Politikstil – jenseits ideologischer Scheuklappen – mehr Einfluss gewinnt.
Der Fall Palmer zeigt exemplarisch, wohin die Reise gehen könnte, wenn sich mehr Politiker trauen würden, unbequeme Wahrheiten auszusprechen, statt sich hinter hohlen Phrasen und vorgestanzten Sprachregelungen zu verstecken. Deutschland braucht keine Politiker, die vor jedem Shitstorm kapitulieren. Es braucht Politiker mit Rückgrat. Ob man Palmer in allen Punkten zustimmt oder nicht – sein Mut zur eigenen Meinung verdient Respekt in einer Zeit, in der Konformismus zur politischen Überlebensstrategie geworden ist.

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