
Panamakanal: Machtkampf zwischen Washington und Peking eskaliert zum juristischen Stellvertreterkrieg
Was sich derzeit rund um den Panamakanal abspielt, liest sich wie ein geopolitischer Thriller – nur dass die Konsequenzen für den Welthandel alles andere als fiktiv sind. Der Hongkonger Mischkonzern CK Hutchison Holdings hat dem dänischen Schifffahrtsriesen A.P. Moller-Maersk mit rechtlichen Schritten gedroht, nachdem panamaische Behörden die Dänen damit beauftragt hatten, vorübergehend den Betrieb zweier strategisch bedeutsamer Häfen an beiden Enden des Kanals zu übernehmen.
Ein Kanal, zwei Supermächte, null Kompromissbereitschaft
Die Vorgeschichte ist so verworren wie aufschlussreich. Nachdem US-Präsident Donald Trump im vergangenen Jahr behauptet hatte, China „betreibe den Panamakanal", verhandelte CK Hutchison einen 23 Milliarden Dollar schweren Deal mit einem von BlackRock angeführten Konsortium, um seine nicht-chinesischen Hafentochtergesellschaften zu veräußern. Peking intervenierte prompt und bezeichnete den Verkauf als „Kotau vor amerikanischem Druck" – die Transaktion wurde blockiert.
Nun hat Panamas Oberstes Gericht die Konzession einer CK-Hutchison-Tochtergesellschaft für den Betrieb der beiden Häfen für verfassungswidrig erklärt. Ein Urteil, das in Washington als großer Sieg gefeiert wurde, in Peking hingegen als „logisch fehlerhaft" und „völlig absurd" gebrandmarkt wird. CK Hutchison erklärte am Donnerstag, man sei mit dem Urteil „entschieden nicht einverstanden" und habe ein Schiedsverfahren gegen Panama eingeleitet.
Peking droht Panama mit „schwerem Preis"
Die Reaktion aus Peking fiel so scharf aus wie selten zuvor in einem Streit mit einem zentralamerikanischen Kleinstaat. Chinas Büro für Hongkong- und Macau-Angelegenheiten warnte Panama unmissverständlich, das Land werde „unweigerlich einen hohen Preis zahlen – politisch wie wirtschaftlich", sollte es seinen Kurs nicht ändern. Staatliche chinesische Unternehmen seien bereits angewiesen worden, Verhandlungen über neue Projekte in Panama einzustellen. Reedereien würden aufgefordert, Fracht über andere Häfen umzuleiten.
Man muss sich das einmal auf der Zunge zergehen lassen: Eine Weltmacht droht einem souveränen Staat offen mit wirtschaftlicher Vergeltung, weil dieser ein Gerichtsurteil seiner eigenen Verfassungsrichter umsetzt. So sieht also die „friedliche Koexistenz" aus, die Peking stets beschwört.
Maersk zwischen den Fronten
APM Terminals, die Maersk-Tochter, die mit der vorübergehenden Übernahme der Hafenoperationen betraut wurde, betonte, man sei keine Partei des Rechtsstreits und habe lediglich angeboten einzuspringen, um „Risiken für wesentliche Dienstleistungen des regionalen und globalen Handels abzumildern". Dennoch verloren Maersk-Aktien am Donnerstag in Kopenhagen über drei Prozent. Der Markt honoriert es offenbar nicht, wenn man sich zwischen die Fronten zweier Supermächte begibt.
Wer hat die besseren Karten?
Analysten zufolge dürfte Washington in diesem Kräftemessen die stärkere Position innehaben. Die USA verfügten über erheblichen Einfluss durch ihren Vertrag mit Panama, der es ihnen ermögliche, jede Intervention mit Gründen der nationalen Sicherheit zu rechtfertigen, erklärte Reva Goujon von der Beratungsfirma Rhodium Group. Peking habe allerdings einen Teilerfolg erzielt, indem es Washingtons ursprüngliche Pläne, CK Hutchisons globale Hafenbeteiligungen direkt zu erwerben, durchkreuzt habe.
Für China gehe es dabei um weit mehr als zwei Häfen in Panama. Peking müsse den „Rückgewinnungsversuch der USA in Panama so schwierig wie möglich gestalten, um keinen Präzedenzfall zu schaffen", so Goujon. Denn auch der chinesische Tiefseehafen Chancay in Peru – eine strategische Infrastrukturinvestition Pekings in Lateinamerika – stehe bereits im Fadenkreuz Washingtons. Das US-Außenministerium warnte erst am Donnerstag, Peru könnte „machtlos" sein, den kritischen Hafen zu beaufsichtigen, der sich „unter der Jurisdiktion räuberischer chinesischer Eigentümer" befinde.
Ein juristischer Kampf ohne Aussicht auf Erfolg?
Für CK Hutchison dürfte der juristische Weg nach Einschätzung von Experten wenig erfolgversprechend sein. „Es gibt wenig, was CK Hutchison tun kann, selbst mit Unterstützung Pekings hinter den Kulissen", sagte Peter Alexander, Geschäftsführer bei Z-Ben Advisors. Ob etwaige Rechtsansprüche Bestand hätten, hänge letztlich davon ab, ob die Hafenkonzession als noch gültig oder als formal beendet betrachtet werde, erklärte Shahla Ali, Professorin für Schiedsrecht an der Universität Hongkong.
Der Panamakanal – jene Wasserstraße, die Atlantik und Pazifik verbindet und durch die jährlich rund 40 Prozent des gesamten US-Containerverkehrs fließen – bleibt damit ein Brennpunkt globaler Machtpolitik. CK Hutchisons Tochtergesellschaft Panama Ports Co. betreibt die Häfen seit 1997 und erhielt 2021 eine Vertragsverlängerung um 25 Jahre. Der Kanal selbst wurde Anfang des 20. Jahrhunderts von den USA gebaut, die ihn jahrzehntelang betrieben, bevor sie 1999 die vollständige Kontrolle an Panama übergaben.
Was dieser Konflikt für die Weltwirtschaft bedeutet
Dieser Stellvertreterkrieg am Panamakanal ist symptomatisch für eine Welt, in der wirtschaftliche Infrastruktur längst zur geopolitischen Waffe geworden ist. Die ohnehin angespannten Beziehungen zwischen Washington und Peking – belastet durch ein Jahr Zollkrieg, Chinas verschärfte Kontrolle über Seltene-Erden-Exporte, den Taiwan-Konflikt und US-Beschränkungen bei Technologieexporten – dürften durch diesen Streit weiter strapaziert werden.
Für Europa und insbesondere für Deutschland, dessen exportabhängige Wirtschaft auf funktionierende globale Handelsrouten angewiesen ist, sollte dieser Konflikt ein Weckruf sein. Wer sich in einer multipolaren Welt ausschließlich auf die Stabilität internationaler Handelskorridore verlässt, ohne eigene strategische Vorsorge zu treffen, handelt fahrlässig. In Zeiten, in denen Supermächte Häfen, Kanäle und Handelsrouten als Schachfiguren behandeln, gewinnen physische Werte – allen voran Gold und Silber – als krisenfeste Vermögenssicherung einmal mehr an Bedeutung. Denn während Lieferketten unterbrochen, Aktien erschüttert und Währungen manipuliert werden können, bleibt das Edelmetall im Tresor genau das, was es immer war: ein Anker der Stabilität.
Hinweis: Dieser Artikel stellt keine Anlageberatung dar. Jede Investitionsentscheidung sollte auf eigener, sorgfältiger Recherche basieren. Wir übernehmen keine Haftung für finanzielle Entscheidungen, die auf Grundlage dieses Beitrags getroffen werden.
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