
Patriot-Poker in Europa: Athen und Madrid sollen Raketen abgeben

Die Nato und mehrere EU-Staaten setzen Spanien und Griechenland offenbar unter Druck: Beide Länder sollen Abfangraketen für das Patriot-System an die Ukraine abgeben. Das berichtet der Finanzdienst Bloomberg unter Berufung auf Personen, die mit dem Vorgang vertraut sind. Am Dienstag und Mittwoch treffen sich in Dublin die EU-Verteidigungs- und Außenminister – das Thema dürfte dort auf den Tisch kommen.
Alte Raketen für einen heißen Krieg
Im Kern geht es dem Bericht zufolge um Raketen des Typs PAC-2. Spanien und Griechenland verfügen demnach über nennenswerte Bestände, deren Lagerzeit sich teils dem Ende nähert. Die Anfragen seien bereits im Sommer nach Madrid und Athen gegangen.
Athen mauert bislang. Die griechische Regierung verweise auf den eigenen Verteidigungsbedarf – Stichwort Spannungen mit der Türkei. Weder ein Sprecher der Regierung in Athen noch das spanische Verteidigungsministerium wollten sich gegenüber Bloomberg äußern.
Als Ausweg kursiert ein Konstrukt, das die politische Verantwortung elegant verteilt: Norwegen könnte die Raketen kaufen und anschließend an Kiew weiterreichen. Für Mittwoch sei in Dublin zudem ein Austausch mit Vertretern der Ukraine, Großbritanniens, Norwegens, Islands und der Schweiz geplant.
Warum sich alle zieren
Der Grund für die Zurückhaltung ist simpel: Patriot-Munition ist knapp, teuer und weltweit begehrt. Auch Deutschland fürchtet laut dem Bericht Nachteile für die eigene Verteidigungsfähigkeit. Die US-Bestände seien durch den Iran-Krieg geschrumpft.
Die Ukraine wiederum meldet angesichts massiver russischer Luftangriffe dringenden Bedarf. Kiew zufolge reichen die vorhandenen Abfangraketen nicht aus, um die Angriffswellen abzuwehren.
Parallel schrauben die USA an der Produktion. Das Pentagon teilte laut der Nachrichtenagentur Reuters am Montag mit, mit General Dynamics Ordnance and Tactical Systems sowie Lockheed Martin seien Vereinbarungen über sieben Jahre geschlossen worden. Betroffen seien unter anderem Komponenten für die Programme THAAD und Patriot PAC-3 MSE.
90 Milliarden – und der Streit ums Geld
Am kommenden Montag stimmen die EU-Staaten darüber ab, wofür Mittel aus dem 90-Milliarden-Euro-Kredit für die Ukraine verwendet werden. Dieses Darlehen hatte der Rat nach monatelanger ungarischer Blockade im Frühjahr 2026 finalisiert. Nun prüfen die EU-Länder laut Bloomberg, ob daraus auch weitere Patriot-Raketen finanziert werden dürfen.
Und schon knirscht es. Frankreich und Italien wollen bevorzugt das europäische System SAMP/T fördern, andere Mitgliedstaaten sehen darin Nachteile für die Ukraine. Übersetzt: Industriepolitik trifft Kriegslogistik.
Was das für Deutschland bedeutet
Für den deutschen Steuerzahler ist das mehr als eine Randnotiz. Die Bundesrepublik haftet als größter Nettozahler anteilig für EU-Kredite mit – während zugleich 500 Milliarden Euro Sondervermögen im Inland verplant sind. Beobachter fragen sich, wie lange Europa Verteidigung, Sozialstaat und Klimaziele gleichzeitig auf Pump finanzieren kann.
Aus Sicht unserer Redaktion zeigt der Patriot-Streit vor allem eines: Europas Arsenale sind dünner, als politische Sonntagsreden vermuten lassen. Wer über Bündnisse verhandelt, während Munitionslager ablaufen, verhandelt aus Schwäche. Krisen dieser Art gehen erfahrungsgemäß auch an Währungen und Kaufkraft nicht spurlos vorbei – physische Edelmetalle können in einem breit gestreuten Vermögen als stabilisierende Beimischung dienen.
Hinweis: Dieser Beitrag gibt die Einschätzung unserer Redaktion auf Basis der uns vorliegenden Informationen wieder. Er stellt keine Anlageberatung und keine Kauf- oder Verkaufsempfehlung dar. Jeder Anleger ist für seine Entscheidungen selbst verantwortlich und sollte eigenständig recherchieren.
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