
Pekings Charmeoffensive in Davos: China predigt Dialog und meint Dominanz

Während sich die globale Elite im verschneiten Davos zum Weltwirtschaftsforum versammelt, nutzt China die Bühne für eine bemerkenswerte diplomatische Inszenierung. Vize-Ministerpräsident He Lifeng, ein enger Vertrauter von Staatspräsident Xi Jinping, appellierte an die versammelten Wirtschaftsführer und Politiker, von Konfrontation abzulassen und stattdessen auf multilateralen Austausch zu setzen. Klingt vernünftig, nicht wahr? Doch wer zwischen den Zeilen liest, erkennt das wahre Kalkül hinter dieser scheinbar friedfertigen Rhetorik.
Die Kunst der diplomatischen Verschleierung
He Lifeng wählte seine Worte mit der Präzision eines Chirurgen. Ohne konkrete Staaten beim Namen zu nennen, kritisierte er jene Länder, die mit „einseitigen Praktiken und Handelsabkommen" gegen die Regeln der Welthandelsorganisation verstoßen würden. Jeder im Saal wusste natürlich, wen er meinte: die Vereinigten Staaten unter Präsident Donald Trump, der mit seinen massiven Zollerhöhungen – 20 Prozent auf EU-Importe, 34 Prozent auf chinesische Waren – den globalen Handel durcheinanderwirbelt.
Die Volksrepublik verstehe sich als „Handelspartner aller Nationen und nicht als Rivale", betonte der Vize-Ministerpräsident. Eine bemerkenswerte Aussage aus dem Munde eines Vertreters jenes Landes, das systematisch Technologie stiehlt, ausländische Unternehmen zur Preisgabe ihrer Geschäftsgeheimnisse zwingt und seine Nachbarn im Südchinesischen Meer mit militärischer Präsenz einschüchtert.
Timing ist alles in der Geopolitik
Der Zeitpunkt dieses Auftritts ist keineswegs zufällig gewählt. Peking sucht inmitten geopolitischer Spannungen und wirtschaftlicher Unsicherheiten die Nähe zu Europas Wirtschaftseliten. Die chinesische Führung hat erkannt, dass die transatlantischen Beziehungen unter der Trump-Administration erheblich belastet sind. Europa, eingeklemmt zwischen amerikanischem Protektionismus und chinesischen Expansionsgelüsten, erscheint als idealer Partner für Pekings Charmeoffensive.
Doch sollte man sich von den samtweichen Worten nicht täuschen lassen. China betreibt seit Jahren einen aggressiven Staatskapitalismus, der westliche Unternehmen systematisch benachteiligt. Die vielgepriesene Seidenstraßen-Initiative ist weniger ein Entwicklungsprogramm als vielmehr ein Instrument zur Ausweitung chinesischen Einflusses in Asien, Afrika und Südamerika. Länder, die sich auf chinesische Kredite einlassen, finden sich nicht selten in einer Schuldenfalle wieder.
Die Doppelmoral des Reichs der Mitte
Besonders pikant wirkt Hes Appell für Dialog und gegen Blockbildung, wenn man bedenkt, wie China selbst mit seinen unmittelbaren Nachbarn umgeht. Taiwan lebt unter der ständigen Drohung einer militärischen Invasion. Die Philippinen, Vietnam und andere Anrainerstaaten des Südchinesischen Meeres sehen sich mit chinesischen Gebietsansprüchen konfrontiert, die jeglicher völkerrechtlichen Grundlage entbehren. Von Dialog und friedlichem Ausgleich kann hier keine Rede sein.
Die 300 Millionen Wanderarbeiter in China, die unter oft menschenunwürdigen Bedingungen schuften, um die Exportmaschine am Laufen zu halten, dürften von den hehren Worten ihres Vize-Ministerpräsidenten wenig mitbekommen haben. Sie sind das Fundament jener „billigsten Arbeitskräfte", die China seinen Wettbewerbsvorteil verschaffen.
Europa muss wachsam bleiben
Für Deutschland und Europa gilt es, einen kühlen Kopf zu bewahren. Die neue Bundesregierung unter Friedrich Merz steht vor der Herausforderung, eine Balance zwischen wirtschaftlichen Interessen und strategischer Unabhängigkeit zu finden. Weder blinde Gefolgschaft gegenüber Washington noch naive Annäherung an Peking können die Antwort sein. Was es braucht, ist eine selbstbewusste europäische Außen- und Wirtschaftspolitik, die eigene Interessen vertritt, ohne sich von schönen Worten einlullen zu lassen.
Chinas Auftritt in Davos war ein Meisterstück diplomatischer Rhetorik. Doch hinter der Fassade der Dialogbereitschaft verbirgt sich der ungebrochene Wille zur globalen Dominanz. Wer das nicht erkennt, hat die Lektion der letzten Jahrzehnte nicht verstanden.
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