
Pipeline-Poker um die Ukraine: Wird Deutschland zum Faustpfand?

Trumps Sondergesandter Steve Witkoff ist am Mittwoch in St. Petersburg mit Kremlchef Wladimir Putin zusammengekommen, um über ein Ende des Ukraine-Kriegs zu sprechen. Im Gepäck hat er Medienberichten zufolge Vorschläge für Sicherheitsgarantien nach dem Vorbild von Artikel 5 des Nato-Vertrags. Eine aktuelle Analyse geht allerdings weiter: Den eigentlichen Hebel könnte am Ende die Energie liefern. Bezahlen müsste das womöglich Deutschland.
Von Oslo nach St. Petersburg
Die Pendeldiplomatie hat Tempo aufgenommen. Am Dienstag traf Witkoff in Oslo auf Wolodymyr Selenskyj, dazu kamen Norwegens Regierungschef Jonas Gahr Støre, Finnlands Präsident Alexander Stubb sowie Vertreter von EU und Nato. Ein US-Beamter sprach laut Berichten von „bedeutenden Fortschritten“. Auf dem Tisch lagen demnach Sicherheitsgarantien, ein Wirtschaftsplan für die Nachkriegszeit und eine neue europäische Sicherheitsordnung.
Selenskyj zufolge wolle Witkoff Putin Garantien im Stil von Artikel 5 vorlegen. Gleichzeitig erhöht Trump den Druck auf Kiew: Die Ukraine müsse den Krieg beenden wollen, sagte er vor Journalisten. Moskau setzte ein Zeichen und ließ nach Angaben der Staatsagentur TASS den inhaftierten 74-jährigen US-Bürger Stephen Hubbard frei. Putin habe zudem Interesse daran gezeigt, die wirtschaftliche Zusammenarbeit mit den USA wiederzubeleben.
Der Plan hinter dem Plan
Was das bedeuten könnte, skizziert ein in Moskau lebender amerikanischer Politikanalyst in einem vieldiskutierten Szenario. Washington könnte Putin den Frieden demnach mit Energie versüßen. Die USA würden sich Anteile an Pipelines sichern, quasi als „politische Absicherung“. Russland liefere dafür wieder Gas und Öl in die EU, und Brüssel gebe im Gegenzug eingefrorene russische Gelder frei.
Die globale Energiekrise, die der Analyse zufolge durch den Krieg am Persischen Golf ausgelöst wurde, könnte dabei als Vorwand dienen. Die USA würden ihre Exporte nach Europa drosseln, um die Preise im eigenen Land zu senken. Europa bliebe dann kaum etwas anderes übrig, als wieder russische Energie zu kaufen. Ganz aus der Luft gegriffen wirkt das nicht. Trump hat erst kürzlich einen Deal zum Kauf russischen Diesels geschlossen und neue Sanktionen ausgesetzt, was im US-Kongress parteiübergreifend für Unmut sorgte.
Berlin am russischen Gashahn?
Am brisantesten ist das Szenario für Deutschland. Der Analyse zufolge könnte die neue Abhängigkeit Moskaus Sorgen über die rasante deutsche Aufrüstung dämpfen. Ex-Präsident Dmitri Medwedew hatte diese laut dem Bericht sogar mit der Vorgeschichte des Unternehmens Barbarossa verglichen. Die Logik dahinter: Wer der deutschen Industrie jederzeit das Gas abdrehen kann, muss die Bundeswehr nicht fürchten.
Man muss sich das auf der Zunge zergehen lassen. Erst hat Berlin über Jahre seine Energieversorgung in Moskaus Hände gelegt. Dann hat es Atomkraftwerke abgeschaltet und auf teures Flüssiggas umgestellt. Jetzt droht die Rückkehr in die alte Abhängigkeit, und zwar zu Bedingungen, die andere festlegen. Eine eigenständige deutsche Energiestrategie? Davon ist im Berliner Regierungsviertel bisher wenig zu sehen.
Europäische Truppen ohne US-Schutz
Als Gegenleistung, so das Szenario, könnte Putin sogar europäische Nato-Soldaten in der Ukraine dulden. Voraussetzung sei, dass sie keinen Schutz nach Artikel 5 genießen. Genau das hatte Pentagon-Chef Pete Hegseth bereits im Februar 2025 ausgeschlossen. Das Risiko trügen dann allein die Europäer, auch deutsche Soldaten.
Fazit: Unsicherheit als Dauerzustand
Ob es je so kommt, weiß niemand. Klar ist aber: Über Europas Zukunft wird gerade in Washington und Moskau verhandelt, nicht in Berlin oder Brüssel. Für Bürger und Sparer heißt das, dass Energiepreise, Inflation und geopolitische Schocks noch lange ein ständiger Begleiter bleiben. Wer sein Vermögen gegen solche Risiken absichern will, setzt sinnvollerweise auf eine breite Streuung. Physisches Gold und Silber können darin eine bewährte Beimischung sein, denn sie sind von keiner Pipeline und keinem Gipfeltreffen abhängig.
Hinweis: Dieser Beitrag stellt keine Anlageberatung dar. Jeder Leser sollte selbst recherchieren und trägt für seine Anlageentscheidungen die alleinige Verantwortung.
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