
Polens Gold-Hunger: Notenbank knackt 700 Tonnen – und kauft weiter!

Ziel erreicht, Kaufrausch geht weiter: Die Polnische Nationalbank (NBP) hat ihren Goldschatz auf 700 Tonnen ausgebaut. Das gab Notenbankchef Adam Glapiński am Donnerstag in Warschau bekannt. Ein Ende der Einkäufe sei damit aber keineswegs beschlossen, im Gegenteil.
Während in Berlin über Schuldenberge und Sondervermögen gestritten wird, macht unser östlicher Nachbar vor, wie Vorsorge aussieht: Er sammelt ruhig und konsequent physisches Gold.
Zugegriffen, als andere nervös wurden
Glapiński zufolge seien die polnischen Goldbestände derzeit rund 356 Milliarden Złoty wert, umgerechnet etwa 91,4 Milliarden US-Dollar. Laut Berechnungen, über die Medien berichten, hätte die NBP demnach allein im Oktober rund 27 Tonnen gekauft. Und das in einem Monat, in dem der Goldpreis am Spotmarkt um rund sieben Prozent nachgab.
Das ist die klassische Lehrbuch-Strategie: Kaufen, wenn andere zittern. Schon im März 2026 hatte die Warschauer Notenbank Berichten zufolge kräftig zugelangt, als der Goldpreis nach einem Höhenflug über 5.400 Dollar je Unze zeitweise auf rund 4.100 Dollar abstürzte.
Die Zielmarke von 700 Tonnen hatte die NBP erst im Januar 2026 beschlossen. Ende 2025 lagen in den Tresoren nach Angaben der Notenbank etwa 550 Tonnen. Allein im Jahr 2025 kaufte Polen mehr als 100 Tonnen und war damit der größte Netto-Käufer unter allen Zentralbanken.
„Die Welt verändert sich"
Auf der Pressekonferenz am Donnerstag, einen Tag nach der Entscheidung, die Leitzinsen nicht anzutasten, sprach Glapiński offen über die Hintergründe:
„We had set a target of 700 tons and we have achieved it, though the world is, of course, changing."
Man beobachte, was andere Staaten tun, und behalte mögliche Bedrohungen für Polen im Blick, so der Notenbankchef. Er sehe keinen Grund, mit dem Goldkauf aufzuhören. Seiner Ansicht nach sollten die Goldreserven im Gleichschritt mit den gesamten Währungsreserven wachsen.
Die Zahlen sind beeindruckend. Laut World Gold Council war die NBP zwischen 2024 und 2026 der größte Goldkäufer unter den Zentralbanken, die ihre Käufe offenlegen. Polen ist inzwischen die Nummer zehn unter den größten Goldhaltern der Welt. Ende September machte Gold bereits 31 Prozent der polnischen Reserven aus.
Ein Drittel soll nach Hause
Besonders aufschlussreich ist die Frage, wo das Gold eigentlich liegt. Langfristig wolle die NBP ihre Bestände dritteln: ein Teil bei der Federal Reserve in New York, ein Teil bei der Bank of England in London, ein Teil im eigenen Land.
Davon ist Polen derzeit noch entfernt. Weil die schnellen Zukäufe in London abgewickelt würden, lagere dort momentan der Großteil, räumte Glapiński ein. Nach der Renovierung eines Gebäudes in Warschau solle dort ein hochmoderner Großtresor entstehen, der deutlich mehr Gold aufnehmen kann.
Ein Blick nach Deutschland
Für deutsche Leser klingt das vertraut. Die Bundesbank sitzt mit rund 3.350 Tonnen auf dem zweitgrößten Goldschatz der Welt, ein erheblicher Teil davon lagert jedoch seit Jahrzehnten in New York. Die Debatte über eine Rückholung flammt immer wieder auf, gerade in Zeiten unberechenbarer US-Politik und neuer Zollkonflikte. Warschau zeigt, dass eine Notenbank diese Frage offensiv angehen kann.
Das Signal hinter den Tonnen
Wenn Notenbanken in diesem Tempo Gold kaufen, ist das eine klare Botschaft: Vertrauen in Papierwährungen und ausländische Staatsanleihen ist kein Naturgesetz. Kriege, Sanktionen, ausufernde Staatsschulden – die Liste der Risiken wird länger, nicht kürzer.
Was für Staaten gilt, gilt im Kleinen auch für Familien und Sparer. Physisches Gold und Silber sind keine Renditewunder für den schnellen Euro, aber als Beimischung in einem breit gestreuten Vermögen haben sie sich über Generationen als stabiler Anker bewährt. Polens Notenbank setzt offenbar genau darauf.
Hinweis: Dieser Beitrag dient ausschließlich der Information und stellt keine Anlageberatung dar. Jeder Anleger sollte eigenständig recherchieren und ist für seine Anlageentscheidungen selbst verantwortlich.
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