
Preisdeckel im Supermarkt: Marschiert Deutschland in die Staatswirtschaft?

Wenn das Brot zu teuer wird, soll künftig der Staat den Preis festlegen. Diesen Vorschlag macht die Ökonomin Isabella Weber. Sie fordert Höchstpreise für Grundnahrungsmittel, Subventionen für Supermarktketten und große staatliche Vorräte. Fast zur gleichen Zeit stand in Berlin Nvidia-Chef Jensen Huang neben dem Kanzler auf der Bühne. Zwischen diesen beiden Welten liegen Lichtjahre.
Ein Bild mit Symbolkraft
Beim ersten „Invest in Germany“-Gipfel Mitte Oktober teilte Friedrich Merz das Podium mit dem Chef des wertvollsten Unternehmens der Welt. Wirtschafts- und Forschungsministerium unterzeichneten Medienberichten zufolge eine Absichtserklärung mit Nvidia. Gemeinsam wolle man KI-Modelle für die Industrie entwickeln, also künstliche Intelligenz, die etwa in Robotern steckt. Huang warb ausdrücklich für den Standort: „Geben Sie Deutschland eine Chance.“
Ein schöner Satz, doch er klingt eher nach Bitte als nach Kompliment. Kritische Beobachter sehen in dem Auftritt eine unbequeme Wahrheit: Auf der einen Seite steht der amerikanische Unternehmer, der dem Neuen mit Lust begegnet. Auf der anderen Seite steht ein Land, das auf jede Innovation zuerst mit Förderprogrammen, Aufsicht und Regulierung antwortet.
Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache
Wie groß der Rückstand ist, zeigt eine Studie von Allianz Research. Danach sanken die Gesamtinvestitionen in Deutschland zwischen 2019 und 2025 um 6,4 Prozent. Im übrigen Euroraum stiegen sie im selben Zeitraum um 6,7 Prozent, in den USA sogar um 20,2 Prozent. Als Gründe nennt die Studie hohe Energiekosten, eine drückende Steuer- und Abgabenlast und ausufernde Bürokratie.
IW-Chef Michael Hüther warnte laut Berichten vor zu hohen Erwartungen an den Gipfel. Unternehmen entschieden sich nicht wegen einer Werbeveranstaltung für einen Standort, sondern danach, ob sie dort Geld verdienen könnten. Hier liegt der Kern des Problems.
Der Deutschland-Warenkorb nach Weber
Ausgerechnet in dieser Lage gewinnen Rezepte an Zulauf, die noch mehr Staat versprechen. Weber, die an der University of Massachusetts Amherst lehrt, sagte dem „Spiegel“, es könne natürlich nicht darum gehen, die Preise von 97 Kaugummiarten festzulegen. Wohl aber die Preise für einen Warenkorb von Grundnahrungsmitteln. Als Vorbild nennt sie Ludwig Erhards „Jedermann-Programm“: Supermärkte sollten Hauptnahrungsmittel zu stabilisierten Preisen anbieten und dafür Subventionen und Steuervorteile erhalten. Weber wird mit den Worten zitiert:
„Sie dürfen nur keine Übergewinne erwirtschaften.“
Weber versteht das Konzept als „antifaschistische Wirtschaftspolitik“. Wirtschaftliche Unsicherheit treibe Wähler zur AfD, deshalb müsse sich der Staat konsequent um Grundbedürfnisse wie Wohnen, Nahverkehr und Lebensmittel kümmern. Schon früher hatte sie sich für Gaspreisobergrenzen und eine Übergewinnsteuer eingesetzt.
Warum Preisdeckel fast immer scheitern
Die Wirtschaftsgeschichte sieht das weniger freundlich. Schon der römische Kaiser Diokletian legte im Jahr 301 per Höchstpreisedikt die Preise für Hunderte Waren fest. Die Folge: Händler zogen ihre Waren vom Markt zurück, Schwarzmärkte blühten auf. Das Edikt gilt bis heute als Lehrstück für den Fehlschlag staatlicher Preispolitik.
Der Mechanismus ist immer derselbe. Ein Preisdeckel beseitigt keine Knappheit. Er schaltet nur das Warnsignal ab, das Produzenten und Investoren zeigt, wo sich mehr Angebot lohnt. Das Angebot schrumpft, Regale bleiben leer. Dann muss der Staat mit Subventionen nachhelfen, und die Interventionsspirale dreht sich weiter. Bezahlen müssen das am Ende die Bürger, nämlich über ihre Steuern.
Was Sparer daraus lernen
Wer Inflation mit Preisvorschriften bekämpfen will, bekämpft das Fieberthermometer statt das Fieber. Die eigentlichen Preistreiber bleiben dabei unangetastet: teure Energie, wachsende Staatsschulden und eine immer lockerere Geldpolitik. Für Sparer heißt das: Auf staatliche Preisgarantien sollte man sich nicht verlassen. Physisches Gold und Silber haben über Jahrhunderte gezeigt, dass sie Kaufkraft erhalten können, auch wenn Regierungen kamen und gingen. Als Beimischung in einem breit gestreuten Vermögen sind sie deshalb eine überlegenswerte Absicherung.
Hinweis: Dieser Beitrag stellt keine Anlageberatung dar und ist keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Anlageprodukten. Jeder Anleger muss sich selbst informieren und trägt für seine Anlageentscheidungen allein die Verantwortung.
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