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Kettner Edelmetalle
16.02.2026
14:58 Uhr

Profitables Werk wird dichtgemacht: Jungheinrich opfert 160 Arbeitsplätze in Lüneburg auf dem Altar der Globalisierung

Es ist eine Geschichte, die symptomatisch für den schleichenden Niedergang des Industriestandorts Deutschland steht: Der Hamburger Gabelstaplerhersteller Jungheinrich schließt sein Produktionswerk in Lüneburg – obwohl es profitabel arbeitet. 160 Beschäftigte verlieren ihre Arbeitsplätze. Über 80 Streiktage, ein monatelanger Arbeitskampf, die Verzweiflung einer ganzen Belegschaft – alles umsonst. Die Maschinen werden abgestellt, die Hallen geräumt, die Menschen auf die Straße gesetzt.

Ein profitables Werk stirbt – für die „Strategie 2030+"

Was klingt wie der bittere Schlussakt eines maroden Unternehmens, ist in Wahrheit das genaue Gegenteil. Hier wird kein Sanierungsfall abgewickelt. Hier wird ein funktionierendes, gewinnbringendes Werk geschlossen, weil es in die strategische Neuausrichtung eines Konzerns nicht mehr hineinpasst. Jungheinrich strebt bis 2030 einen Umsatz von zehn Milliarden Euro und eine EBIT-Rendite von zehn Prozent an. Klingt ambitioniert. Klingt nach Wachstum. Doch dieses Wachstum soll offenbar nicht in Deutschland stattfinden, sondern in Nordamerika und der Region Asien-Pazifik.

Man muss sich das auf der Zunge zergehen lassen: Ein deutsches Traditionsunternehmen, das hierzulande über 8.200 Menschen beschäftigt, baut in der Heimat ab, um anderswo aufzubauen. Die Produktion in Lüneburg – seit 1989 ein Standort für hochspezialisierte Sonder- und Kleinserien, damals für rund zwölf Millionen D-Mark errichtet – soll bis Ende März 2027 vollständig eingestellt werden. Lediglich 125 Stellen in Konstruktion und Verwaltung bleiben erhalten. Ein schwacher Trost für eine Region, die jeden Arbeitsplatz dringend braucht.

500 Stellen in Deutschland gestrichen – die Deindustrialisierung schreitet voran

Lüneburg ist dabei nur die Spitze des Eisbergs. Insgesamt sollen weltweit rund 1.000 Stellen wegfallen, davon etwa die Hälfte in Deutschland. Neben Lüneburg trifft es vor allem den Standort Norderstedt, wo ebenfalls Arbeitsplätze im dreistelligen Bereich gestrichen werden sollen. Auch die Zentrale in Hamburg und die Vertriebsorganisation bleiben nicht verschont. Die andere Hälfte der Stellen wird im Ausland abgebaut – doch das ändert nichts an der bitteren Erkenntnis: Deutschland verliert erneut industrielle Substanz.

Und wer trägt die Verantwortung? Natürlich kann man dem Management vorwerfen, kurzfristige Renditeoptimierung über langfristige Standorttreue zu stellen. Doch wäre es nicht auch an der Zeit, die Rahmenbedingungen zu hinterfragen, die solche Entscheidungen erst begünstigen? Die Energiekosten in Deutschland gehören zu den höchsten weltweit. Die Bürokratie erstickt jede unternehmerische Initiative. Die Steuerlast ist erdrückend. Und während andere Länder mit offenen Armen um Investoren werben, diskutiert man hierzulande lieber über Gendersprache und Klimaneutralität bis 2045.

80 Tage Streik – und am Ende steht man mit leeren Händen da

Besonders tragisch ist das Schicksal der Belegschaft. Seit dem 20. November hatten sich die Produktionsbeschäftigten in einen unbefristeten Streik begeben, nachdem eine Urabstimmung eine klare Mehrheit dafür ergeben hatte. Über 80 Tage lang stand die Fertigung immer wieder still. Die Arbeiter kämpften um ihre Existenz, um ihre Zukunft, um die Zukunft ihrer Familien. Am Ende einigten sich Unternehmen und IG Metall auf einen Interessenausgleich, einen Sozialplan und einen Sozialtarifvertrag mit einem Volumen im zweistelligen Millionen-Euro-Bereich. Abfindungen, eine Transfergesellschaft – das übliche Instrumentarium, wenn ein Standort stirbt.

Lennard Aldag, Erster Bevollmächtigter der IG Metall Celle-Lüneburg, brachte es auf den Punkt: Bei Jungheinrich in Lüneburg spreche man nicht über einen Sanierungsfall, sondern über die Aufgabe einer profitablen Produktion. Die Entscheidung sei nicht durch akute wirtschaftliche Zwänge getrieben gewesen. Deutlicher kann man es kaum formulieren.

Jungheinrich im Abwärtstrend – und Deutschland gleich mit

Dabei stehen die Zeichen auch für den Konzern selbst nicht gerade auf Sonnenschein. Im Geschäftsjahr 2024 erzielte Jungheinrich einen Umsatz von rund 5,4 Milliarden Euro – ein Rückgang von 2,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr. In Deutschland schrumpfte der Umsatz sogar um 3,1 Prozent auf knapp 1,2 Milliarden Euro. Der Konzernüberschuss sank um 3,3 Prozent auf 289 Millionen Euro. Kein Desaster, gewiss. Aber ein Trend, der nachdenklich stimmen sollte.

Was wir hier beobachten, ist kein Einzelfall. Es ist ein Muster, das sich durch die gesamte deutsche Industrielandschaft zieht. Unternehmen verlagern Produktion ins Ausland, weil die Standortbedingungen in Deutschland immer unattraktiver werden. Die neue Große Koalition unter Friedrich Merz hat zwar ein 500-Milliarden-Euro-Sondervermögen für Infrastruktur angekündigt – doch ob dieses Geld jemals dort ankommt, wo es gebraucht wird, darf bezweifelt werden. Stattdessen werden Generationen mit Schulden belastet, die sie nie gewollt haben.

Am Montag, dem 16. Februar, nahmen die Beschäftigten in Lüneburg ihre Arbeit wieder auf. Sie werden nun noch bis Ende März 2027 produzieren – Hubwagen für besonders enge Lager, für besonders schwere Lasten. Danach ist Schluss. Ein Stück deutsche Industriegeschichte wird zu Grabe getragen. Nicht weil es sich nicht mehr gelohnt hätte. Sondern weil Deutschland es sich offenbar nicht mehr leisten kann – oder will –, ein attraktiver Standort für produzierende Unternehmen zu sein.

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