
Pulverfass Naher Osten: Wenn Raketen fliegen, kennt der Ă–lpreis nur eine Richtung

Es ist das altbekannte Spiel, das sich an den Rohstoffmärkten immer wieder wiederholt: Sobald im Nahen Osten die Waffen sprechen, klettert der Ölpreis nach oben, als hätte er Flügel bekommen. Und genau dieses Schauspiel erleben wir derzeit erneut. Am Montag schossen die Notierungen um mehr als zwei Prozent in die Höhe, nachdem sich der Iran und die Vereinigten Staaten erneut Schläge versetzt hätten und Israel seine Truppen tiefer in den Libanon vordringen ließ – mitten im Konflikt mit der von Teheran finanzierten Hisbollah.
Die nackten Zahlen lĂĽgen nicht
Die US-Rohölkontrakte verteuerten sich um 2,29 Dollar oder 2,62 Prozent auf 89,65 Dollar je Barrel. Die Brent-Futures legten um 2,05 Dollar oder 2,25 Prozent auf 93,17 Dollar zu. Was sich hier in nüchternen Prozentzahlen abspielt, hat handfeste Konsequenzen für jeden deutschen Bürger – an der Zapfsäule, bei der Heizkostenabrechnung und letztlich beim ohnehin schwindenden Wohlstand.
Pikant ist das Timing: Erst am Freitag hatten die USA in Washington Friedensgespräche zwischen Israel und dem Libanon ausgerichtet. Die Hoffnung auf eine baldige Verlängerung des Waffenstillstands zwischen Washington und Teheran hatte Brent und WTI zuvor noch nach unten gedrückt. Doch kaum sind die diplomatischen Phrasen verklungen, sprechen wieder die Geschütze.
Schlag und Gegenschlag – ein gefährliches Ritual
Die Vereinigten Staaten erklärten am Sonntag, sie hätten "Selbstverteidigungsschläge" gegen iranische Radar- und Drohnensteuerungsanlagen auf Goruk und der Insel Qeshm durchgeführt – als Antwort auf angeblich "aggressive" Handlungen Teherans. Der Iran wiederum ließ verlauten, seine Luftwaffe der Revolutionsgarden habe einen Luftwaffenstützpunkt ins Visier genommen, der angeblich für einen US-Angriff auf einen Telekommunikationsturm genutzt worden sei.
Selbst wenn eine Einigung erzielt wird, wird sie keine Flut an Nachschub liefern.
So zitiert man den IG-Analysten Tony Sycamore, der zugleich vor einer brisanten Entwicklung warnt: In der Straße von Hormus, jener Lebensader der globalen Öl- und Gasversorgung, sollen erneut Seeminen gelegt worden sein. Durch dieses Nadelöhr fließt rund ein Fünftel der weltweiten Öl- und Gasströme. Seit Beginn des Konflikts mit den US- und israelischen Angriffen im Februar hat der Iran diese Wasserstraße faktisch dichtgemacht.
Trump zwischen Deal und Dauerkonflikt
US-Präsident Donald Trump kündigte am Freitag an, bald über ein vorgeschlagenes Abkommen zur Verlängerung des im April vereinbarten Waffenstillstands mit dem Iran zu entscheiden. Ziel sei es, den Unterhändlern mehr Zeit zu verschaffen, um eine dauerhafte Lösung für den Streit um das iranische Atomprogramm zu finden. Israel wäre für jeden derartigen Deal der Schlüssel – und Teheran beharrt darauf, dass die Hisbollah einbezogen werden müsse.
China schwächelt – und der Markt schaut weg
Während die Welt gebannt auf den Nahen Osten blickt, offenbarten enttäuschende Wirtschaftsdaten aus China ein anderes Problem. Die Fabrikaktivität im Reich der Mitte stagniert, die Exporte schrumpfen, der Kostendruck steigt. Goldman Sachs warnte am Sonntagabend, die schwache Ölnachfrage in China und Europa stelle ein erhebliches Abwärtsrisiko für die Brent-Prognose von 90 Dollar im vierten Quartal dar. Doch Versorgungsstörungen im Nahen Osten könnten die Preise dennoch nach oben treiben.
Was uns das lehrt
Die Lektion ist so simpel wie unbequem: Wer sein Vermögen ausschließlich an Papierwerte und schwankungsanfällige Rohstoffmärkte bindet, sitzt auf einem Pulverfass. Jeder Schuss im Nahen Osten, jede schwächelnde Konjunkturzahl aus Fernost lässt die Märkte zittern. In einer Welt, in der geopolitische Spannungen zur Tagesordnung gehören, beweisen physische Edelmetalle wie Gold und Silber einmal mehr ihre Rolle als krisenfester Anker. Während Ölpreise im Stundentakt Achterbahn fahren, bewahren Sachwerte ihre Substanz – unabhängig davon, welcher Feldherr gerade welche Insel beschießt.
Hinweis: Dieser Beitrag stellt keine Anlageberatung dar. Die hier wiedergegebenen Informationen entsprechen dem Kenntnisstand und der Meinung unserer Redaktion zum Zeitpunkt der Veröffentlichung. Märkte für Rohstoffe und Kapitalanlagen unterliegen erheblichen Schwankungen. Jeder Anleger ist verpflichtet, eigenständig zu recherchieren und seine Anlageentscheidungen in eigener Verantwortung zu treffen. Für etwaige Verluste übernehmen wir keine Haftung.
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