
Putin und Xi schmieden die neue Weltordnung – während Berlin sich selbst ins Abseits manövriert
Während sich die deutsche Politik in moralischen Selbstgesprächen verliert und der Wirtschaftsstandort unter ideologisch motivierten Energiepreisen ächzt, vollzieht sich auf der globalen Bühne eine Machtverschiebung von historischem Ausmaß. Wladimir Putins 25. Reise nach China – nur wenige Tage nach Donald Trumps Staatsbesuch in Peking – ist weit mehr als diplomatische Folklore. Sie ist die Inszenierung einer neuen geopolitischen Statik, in der Berlin und Brüssel zu Statisten degradiert wurden.
Eine Allianz mit gewaltigem Fundament
Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Das bilaterale Handelsvolumen zwischen Russland und China erreichte 2025 nach Angaben des chinesischen Handelsministeriums rund 228 Milliarden US-Dollar – das dritte Jahr in Folge jenseits der 200-Milliarden-Marke. China ist seit 16 Jahren ununterbrochen Russlands größter Handelspartner. Und Putin betonte vor seiner Abreise stolz, die Abrechnungen erfolgten „fast vollständig in Rubel und Yuan". Damit ist die Entdollarisierung längst keine theoretische Drohkulisse mehr, sondern gelebte Praxis.
Im Energiesektor wird die Verflechtung geradezu symbiotisch: 108 Millionen Tonnen russisches Öl importierte China 2024. Durch die Pipeline „Power of Siberia" flossen 31 Milliarden Kubikmeter Gas, für 2025 werden bis zu 39 Milliarden Kubikmeter erwartet. Hinzu kamen 8,3 Millionen Tonnen LNG. Verhandelt wird über „Power of Siberia 2" mit geplanten 50 Milliarden Kubikmetern Jahreskapazität – ein Projekt, das Putin nach eigener Aussage „in greifbare Nähe" gerückt sieht.
China kalkuliert, Russland liefert
Natürlich ist diese Partnerschaft asymmetrisch. Russland steht für lediglich vier Prozent des chinesischen Außenhandels – weniger als Vietnam. Pekings Zurückhaltung beim Preis von „Power of Siberia 2" verrät, wer hier am längeren Hebel sitzt. Doch genau das macht die Konstruktion für Xi Jinping so attraktiv: Ein politisch stabiles, aber wirtschaftlich abhängiges Russland ist das ideale Gegengewicht zu Washington.
„Es ist unrealistisch zu erwarten, dass Xi Druck auf Putin ausübt, den Ukraine-Krieg zu beenden. Peking wird Moskau weiter diplomatischen Schutz in der UNO, wirtschaftliche Hilfe und Dual-Use-Technologie für die Streitkräfte liefern."
So formuliert es der britische Regionalexperte Ian Storey gegenüber Reuters. Eine Niederlage Russlands würde Putin schwächen – und damit ein für Xi nützliches Bollwerk gegen die USA destabilisieren.
BRICS, SCO und die neue Finanzarchitektur
Seit 2013 haben Putin und Xi mehr als 40 Mal getagt – mit dem expliziten Ziel, BRICS und die Shanghai Cooperation Organization (SCO) zu stärken. Die Entdollarisierung ist dabei kein zufälliges Nebenprodukt, sondern strategisches Kernprogramm. Chinesische Raffinerien rechnen russisches Öl „weitgehend in Yuan" ab. Der Yuan etabliert sich als Reservewährung des sanktionierten Russlands – und schickt sich an, zur Verrechnungswährung des gesamten Globalen Südens aufzusteigen.
Flankiert wird das Ganze militärisch: Just am Tag von Putins Anreise lief der chinesische Flugzeugträger „Liaoning" zu Übungen mit scharfem Schuss in den Westpazifik aus. Die Botschaft an Washington könnte kaum deutlicher sein.
Deutschland: Vom Abkoppler zum Abgekoppelten
Und hier kommt jene Frage ins Spiel, die in Berliner Ministerien offenbar niemand mehr stellen mag: Sind die selbsternannten „Abkoppler" – Europa und insbesondere Deutschland – nicht längst selbst die Abgekoppelten? Die Eurostat-Zahlen sind bitter. Russlands Anteil an den Extra-EU-Importen brach von 9,5 Prozent (Februar 2022) auf 1,9 Prozent (Dezember 2023) ein. Der russische Gasanteil sank von 40 bis 45 Prozent (2021) auf 17 bis 19 Prozent (2024).
Doch der Preis dieser ideologisch befeuerten Selbstkasteiung ist horrend – und China kassiert die Dividende. Während deutsche Industriestrompreise weltweit zu den höchsten gehören, bezieht die Volksrepublik russisches Öl und Gas mit satten Preisabschlägen. Pekings Wettbewerbsvorteil bei Stahl, Chemie, Aluminium und E-Auto-Batterien wird durch billige russische Rohstoffe zementiert. Deutschland exportiert seine Konjunktur, China importiert sie. Eine bessere Zusammenfassung der Berliner Energiepolitik der letzten Jahre lässt sich kaum formulieren.
Drei bittere Befunde zur deutschen Lage
Erstens: Deutschland hat sich von russischer Energie entkoppelt – und sich dabei in eine noch tiefere Abhängigkeit von China manövriert. Bei Solarzellen, Batterien und kritischen Mineralien dominiert die Volksrepublik. Die Bundesregierung prüft zwar inzwischen Handelsbeziehungen mit Peking unter Sicherheitsaspekten, doch sie reagiert immer dann zu spät, wenn andere längst Fakten geschaffen haben. Eigene Industriepolitik? Fehlanzeige.
Zweitens: Die Entdollarisierung über BRICS trifft Europa indirekt härter als die USA. Es ist nicht primär der Dollar, sondern der Euro, der in Schwellenländern Marktanteile verliert. Rubel-Yuan-Verrechnungen drängen Drittstaaten zu strategischen Entscheidungen. Eine Exportnation wie Deutschland ist davon strukturell betroffen – während die Bundesregierung sich mit Heizungsgesetzen, Genderdebatten und Klimaneutralität im Grundgesetz beschäftigt.
Drittens: Die diplomatische Marginalisierung Deutschlands ist Realität. Trump verhandelt in Peking über „strategische Stabilität", Putin sichert sich seine Energiemärkte. Berlin und Brüssel sind weder am Tisch beim Trump-Xi-Gipfel noch beim Putin-Xi-Treffen. Sie sind weder Vermittler im Ukrainekrieg noch im Iran-Konflikt. Diese Rollen beanspruchen längst andere.
Wer nicht am Tisch sitzt, steht auf der Speisekarte
Die Achse Moskau-Peking ist keine Zweckehe, sondern eine arbeitsteilige Konstruktion: Russland liefert Rohstoffe, militärische Bindungskraft und UN-Vetomacht. China liefert Markt, Yuan-Liquidität, Technologie und diplomatische Bühne. BRICS und SCO bilden die institutionellen Klammern, die Entdollarisierung das ökonomische Vehikel.
Für Deutschland bedeutet das: Die seit 2022 mit moralischem Hochmut betriebene Sanktionsstrategie hat zwar Russland von Europa entkoppelt – aber sie hat Europa keineswegs zum Gestalter der neuen Weltordnung gemacht. Im Gegenteil. Der Übergang vom Abkoppler zum Abgekoppelten vollzieht sich nicht durch einen lauten Knall, sondern durch eine Summe peinlicher Abwesenheiten: bei Trumps Besuch, bei Putins Besuch, bei den Pipeline-Verhandlungen, bei der Yuan-Internationalisierung. Eine ganze geopolitische Epoche zieht an Berlin vorbei, während dort Debatten über Lastenräder und Lieferkettensorgfaltspflichten geführt werden.
Was bedeutet das für den deutschen Sparer?
Die Konsequenzen dieser geopolitischen Tektonik reichen direkt bis zum heimischen Geldbeutel. Wenn der Euro in Schwellenländern an Bedeutung verliert, wenn Deutschland seine Wettbewerbsfähigkeit durch hausgemachte Energiepreise opfert und wenn die Bundesregierung mit einem 500-Milliarden-Sondervermögen Schulden auf kommende Generationen abwälzt, dann erodiert die Kaufkraft des deutschen Bürgers gleich von mehreren Seiten. Inflationäre Tendenzen, schuldenfinanzierte Staatsausgaben und ein an Bedeutung verlierender Währungsraum sind die toxische Mischung, vor der besonnene Beobachter seit Jahren warnen.
In einem solchen Umfeld bewährt sich seit Jahrtausenden eines: physische Edelmetalle. Gold und Silber sind nicht von politischen Fehlentscheidungen abhängig, kennen keine Sanktionen, keine Währungsreformen, keine Notenbank-Tricksereien. Während Yuan, Rubel, Euro und Dollar im geopolitischen Schachspiel ihre Rollen wechseln, bleibt Gold das, was es immer war: eine zeitlose Wertaufbewahrung. Eine solide Beimischung physischer Edelmetalle in ein breit gestreutes Vermögen erscheint angesichts der hier skizzierten Verwerfungen nicht als Spekulation, sondern als nüchterner Akt vermögenstechnischer Vernunft.
Haftungsausschluss: Die in diesem Artikel geäußerten Einschätzungen geben die Meinung der Redaktion wieder und stellen ausdrücklich keine Anlageberatung, Steuerberatung oder Rechtsberatung dar. Jeder Anleger ist verpflichtet, eigenständig zu recherchieren und gegebenenfalls qualifizierte Berater zu konsultieren. Die Verantwortung für sämtliche Anlageentscheidungen liegt allein beim Leser.

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