
Reisewarnung aus Minsk: Lukaschenko stellt Westeuropa an den Pranger!

Das belarussische AuĂenministerium hat am Sonntag eine Reisewarnung fĂŒr sechs europĂ€ische LĂ€nder herausgegeben. Wer aus Belarus kommt, solle nicht notwendige Reisen nach Frankreich, Belgien, Italien, Spanien, Portugal und Albanien verschieben oder ganz absagen. Ausgerechnet Minsk spielt sich damit als HĂŒter von Recht und Ordnung auf. FĂŒr Europa ist das eine Ohrfeige mit Ansage.
Was Minsk seinen BĂŒrgern rĂ€t
Veröffentlicht wurde die Warnung auf der Plattform X. Das Ministerium spricht darin von einer âdeutlichen Verschlechterung der innenpolitischen Lageâ in den betroffenen Staaten. Als GrĂŒnde nennt es Massenproteste und die Beteiligung radikaler Gruppen, dazu Berichte ĂŒber angeblich unverhĂ€ltnismĂ€Ăige Polizeigewalt und willkĂŒrliche Festnahmen.
Sollte sich die Lage weiter zuspitzen, sollen Belarussen die LĂ€nder mit regulĂ€ren FlĂŒgen, ZĂŒgen oder Bussen verlassen. AuĂerdem warnt Minsk, die konsularische Hilfe könne eingeschrĂ€nkt sein. Die Notfallnummern der Botschaften solle man deshalb vorsorglich speichern.
Retourkutsche mit KalkĂŒl
Beobachter sehen in dem Schritt vor allem eine Retourkutsche. Das deutsche AuswĂ€rtige Amt rĂ€t seit Langem von Reisen nach Belarus ab und verweist dabei unter anderem auf die Gefahr willkĂŒrlicher Festnahmen. Erst wenige Tage vor der Warnung hatte Minsk dem Westen Medienberichten zufolge Doppelmoral im Umgang mit Protesten vorgeworfen.
Bitter ist die Ironie trotzdem. Nach der umstrittenen PrĂ€sidentenwahl 2020 lieĂ das Regime von Alexander Lukaschenko Massenproteste gewaltsam niederschlagen, Tausende wurden festgenommen. Die EU wirft Minsk auĂerdem vor, Migranten gezielt an die Grenzen zu Polen und dem Baltikum geschleust zu haben. Mahnende Worte ĂŒber Polizeigewalt klingen aus diesem Mund wie Hohn.
Frankreich am Rande des Kontrollverlusts
Ganz aus der Luft gegriffen ist die Warnung allerdings nicht, und genau das macht sie so unangenehm. Am Wochenende des 17. und 18. Oktober erlebte Frankreich Medienberichten zufolge die schwersten Unruhen seit Jahren. Randalierer plĂŒnderten GeschĂ€fte, steckten Autos und GebĂ€ude in Brand und lieferten sich StraĂenschlachten mit der Polizei. In Limoges brannte das 143 Jahre alte Rathaus weitgehend aus.
Die Bilanz ist verheerend. Nach Angaben von Justizminister GĂ©rald Darmanin kamen landesweit 2331 Menschen in Polizeigewahrsam. Laut Innenministerium wurden 997 Polizisten und andere EinsatzkrĂ€fte verletzt. Die Industrie- und Handelskammer schĂ€tzt den Schaden auf Hunderte Millionen Euro. Innenminister Laurent Nuñez rĂ€umte ein, die SicherheitskrĂ€fte hĂ€tten in einigen GroĂstĂ€dten zeitweise die Kontrolle verloren. Sein RĂŒcktrittsangebot lehnte PrĂ€sident Macron ab.
Ausgangssperren und Soldaten auf den StraĂen
Premier SĂ©bastien Lecornu verhĂ€ngte daraufhin lokale Ausgangssperren, unter anderem in Teilen von Paris, Marseille, Lyon, Bordeaux, Nizza und Lille. Zur VerstĂ€rkung schickte er auch Soldaten der Anti-Terror-Einheit âSentinelleâ auf die StraĂen. Italien verlegte Berichten zufolge 500 zusĂ€tzliche Soldaten nach Mailand.
Trotzdem kam es am Samstag in Paris erneut zu ZusammenstöĂen. Die Polizei setzte TrĂ€nengas und Wasserwerfer ein. Einem Bericht zufolge waren daran mehrheitlich junge Leute mit Migrationshintergrund beteiligt. Begonnen hatte die Protestwelle im September mit dem Lehrermangel an Schulen in Arbeitervierteln. Inzwischen geht es auch um hohe Lebenshaltungskosten und Sparkurse. Macron selbst macht vor allem ultralinke Agitatoren fĂŒr die Gewalt verantwortlich.
Ein Weckruf, auch fĂŒr Berlin
Dass ausgerechnet Lukaschenko den Finger in die Wunde legt, ist fĂŒr Europa eine Blamage. Die Wunde selbst gibt es aber. Ausgangssperren, PlĂŒnderungen und Soldaten in den InnenstĂ€dten waren in Westeuropa lange undenkbar. In vielen LĂ€ndern fehlt offenbar eine klare Antwort auf zerfallende soziale Brennpunkte und ausufernde Staatshaushalte.
Deutschland steht nicht auf der Liste aus Minsk. Ein Grund zur Entwarnung ist das nicht. Wer die Kriminalstatistik der vergangenen Jahre kennt, sollte die Bilder aus Paris als Warnung verstehen: Innere Sicherheit ist kein SelbstlĂ€ufer. Der Staat muss sie jeden Tag neu durchsetzen, bevor andere sich ĂŒber ihn lustig machen.
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