
Rekordhunger nach Strom: Während China die Netze hochfährt, diskutiert Deutschland über Abschaltungen

Es sind Zahlen, die in Berlin eigentlich schlaflose Nächte verursachen müssten: In weiten Teilen Chinas ist die Stromnachfrage in dieser Woche auf ein historisches Hoch geschnellt. Eine brütende Hitzewelle treibt die Netzlast in den nördlichen, nordöstlichen und östlichen Landesteilen auf Rekordwerte, wie der staatliche Netzbetreiber State Grid Corporation of China mitteilte. Das Bemerkenswerte daran ist nicht der Rekord selbst – sondern das, was nicht passierte: kein Blackout, keine Notabschaltung, keine Appelle an die Bevölkerung, doch bitte die Klimaanlage auszulassen.
Ein Netz, das liefert – statt zu betteln
Der Netzbetreiber habe rechtzeitig zusätzliche Grundlastkapazitäten dorthin gelenkt, wo sie für die Kühlung von Millionen Wohnungen und Büros gebraucht wurden. Grundlast – ein Wort, das in der deutschen Energiedebatte inzwischen fast wie eine Provokation klingt. Und laut der staatlichen Wetterbehörde dürfte es vorerst heiß bleiben, mancherorts seien historische Höchstwerte in Reichweite. Das chinesische Netz wird also weiter unter Volllast fahren.
Was hier sichtbar wird, ist keine Wundertechnologie, sondern schlichte industriepolitische Nüchternheit. Peking baut aus – und zwar alles gleichzeitig.
574 Milliarden Dollar für Leitungen, während hierzulande über Windräder gestritten wird
Bereits im Januar habe die State Grid Corporation angekündigt, in den fünf Jahren bis 2030 rund 574 Milliarden US-Dollar – umgerechnet vier Billionen Yuan – in Anlageinvestitionen zu stecken. Das seien 40 Prozent mehr als in der vorangegangenen Fünfjahresperiode. Zur Einordnung: Es handelt sich um das größte Versorgungsunternehmen der Welt, das 88 Prozent der Landesfläche abdeckt und über 1,1 Milliarden Menschen versorgt.
Wer die Netze nicht baut, braucht über die Energiewende gar nicht erst zu reden.
Das Geld fließe in Ausbau und Modernisierung von Übertragung und Verteilung – notwendig geworden durch den rasanten Zubau erneuerbarer Kapazitäten und eine schlicht weiter steigende Stromnachfrage. Steigende Nachfrage: In China ist das ein Zeichen wirtschaftlicher Vitalität. In Deutschland sinkt der Stromverbrauch – und man verkauft es der Öffentlichkeit als Klimaerfolg, obwohl es in Wahrheit die Quittung für abwandernde Industrie ist.
Wind, Sonne – und Kohle. Ohne Ideologie
China ist der weltweit größte Errichter von Wind- und Solaranlagen. Gleichzeitig aber hat das Land seine Kohleverstromung ausgebaut, um eine stabile, flexibel regelbare Versorgung sicherzustellen. Beides. Nebeneinander. Ohne moralisches Zerwürfnis, ohne parlamentarische Grabenkämpfe, ohne den Versuch, physikalische Realitäten durch Willenserklärungen zu ersetzen.
Parallel dazu treibt Peking den Speicherausbau voran: Die Batteriespeicherkapazität solle sich bis 2027 auf 180 Gigawatt mehr als verdoppeln, ein Plan, der Investitionen von rund 35,1 Milliarden Dollar mobilisieren soll.
Der deutsche Kontrast
Man muss China nicht mögen, um den Vergleich schmerzhaft zu finden. Hierzulande wurden funktionierende Kernkraftwerke abgeschaltet, während gleichzeitig Netzentgelte, Umlagen und Steuern den Industriestrompreis in Sphären getrieben haben, in denen energieintensive Betriebe schlicht nicht mehr konkurrenzfähig sind. Die neue Große Koalition unter Friedrich Merz verspricht Entlastung – finanziert allerdings über ein 500-Milliarden-Sondervermögen, also über Schulden, die kommende Generationen abzahlen dürfen. Gleichzeitig wurde die Klimaneutralität bis 2045 im Grundgesetz zementiert. Flexibilität sieht anders aus.
Die bittere Pointe: Während in Ostasien Rekordlasten geräuschlos abgefedert werden, redet man in Deutschland über Lastmanagement, dimmbare Wärmepumpen und die Frage, wie man Verbraucher im Notfall vom Netz nimmt. Das eine Land baut Kapazität, das andere verwaltet Knappheit.
Was das für Anleger bedeutet
Energiepolitik ist Wirtschaftspolitik – und Wirtschaftspolitik ist am Ende Währungspolitik. Wer seine industrielle Basis verliert, verliert Steuereinnahmen, Wettbewerbsfähigkeit und irgendwann die Bonität. Der Weg aus dieser Zwickmühle führt in der Regel über die Notenpresse, mit den bekannten Folgen für die Kaufkraft des Ersparten. Genau deshalb hat sich physisches Gold und Silber über Jahrhunderte hinweg als Anker in Zeiten politischer Fehlsteuerung bewährt: Es lässt sich nicht per Beschluss abschalten und nicht per Sondervermögen entwerten. Als solide Beimischung in einem breit gestreuten Vermögen bleibt es eine der wenigen Konstanten in einer Wirtschaftspolitik, die längst zum Experimentierfeld geworden ist.
Hinweis: Dieser Beitrag stellt keine Anlageberatung dar. Die dargestellten Einschätzungen geben die Meinung unserer Redaktion auf Basis der uns vorliegenden Informationen wieder. Jeder Anleger ist verpflichtet, eigenständig zu recherchieren und trägt die Verantwortung für seine Anlageentscheidungen selbst. Eine Haftung für Vermögensschäden ist ausgeschlossen.

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