
Renten-Poker in Berlin: Abschlagsfrei erst nach 47 Jahren?

In der schwarz-roten Koalition unter Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) tobt der Streit um die Zukunft der abschlagsfreien Frührente. Laut „Bild“ könnten künftig 46 oder sogar 47 statt bisher 45 Beitragsjahre nötig sein. Für langjährig Versicherte hieße das: bis zu zwei Jahre länger arbeiten, bevor sie ohne Abzüge in Rente gehen dürfen.
Drei Optionen, jede davon bitter
Nach dem Bericht liegen gleich mehrere Varianten auf dem Tisch. Jede davon läuft auf dasselbe hinaus: Wer sein Leben lang gearbeitet hat, soll künftig mehr leisten oder bekommt weniger.
- Die Hürde steigt von 45 auf 46 oder 47 Beitragsjahre.
- Die abschlagsfreie Rente gibt es nur noch für Menschen mit harter körperlicher Arbeit.
- Erziehungszeiten werden gekürzt. Bisher zählen sie von der Geburt des ersten Kindes bis zum zehnten Geburtstag des jüngsten Kindes.
Besonders der letzte Punkt hat es in sich. Ausgerechnet bei Eltern zu sparen, deren Kinder das Umlagesystem überhaupt erst am Leben halten, halten Kritiker für einen familienpolitischen Offenbarungseid.
Die „Rente mit 63“ ist längst ein Etikettenschwindel
Eingeführt hat die Regelung im Jahr 2014 die damalige Große Koalition unter Angela Merkel. Federführend war SPD-Arbeitsministerin Andrea Nahles. Mit 63 ohne Abschläge in Rente gehen konnten aber nur die ersten Jahrgänge. Seitdem steigt die Altersgrenze Schritt für Schritt: Wer 1964 oder später geboren ist, kommt auch nach 45 Beitragsjahren erst mit 65 ohne Abzüge in den Ruhestand.
Die Politik streitet also über ein Privileg, das der Name gar nicht mehr zutreffend beschreibt. Das sorgt für Verwirrung, und die Debatte gewinnt dadurch nicht an Ehrlichkeit.
Milliarden, Fachkräfte und ein Generationenkonflikt
Die Befürworter einer Abschaffung rechnen mit großen Summen. Eine Berechnung des DIW Berlin im Auftrag der Bertelsmann Stiftung kommt auf Einsparungen von kumuliert bis zu 9,5 Milliarden Euro pro Rentnerjahrgang. Zusätzlich stünden dem Arbeitsmarkt bis zu 125.000 Vollzeitkräfte mehr zur Verfügung. Auch die Stiftung hält aber eine Härtefallregelung für notwendig.
Rentenkommissionschefin Constanze Janda nannte die Streichung gegenüber dem „Tagesspiegel“ unverzichtbar:
„Sie ist wirklich zentral, weil diese Rentenart jedes Jahr Kosten in Milliardenhöhe mit sich bringt und das Geld dringend anderweitig gebraucht wird.“
Die Wirtschaftsweise Monika Schnitzer hält die Frührente laut Medienberichten für unsolidarisch gegenüber den Jüngeren. Nach Angaben der „Welt“ gehen jedes Jahr rund 250.000 bis 280.000 Menschen auf diesem Weg in den Ruhestand.
Koalition im Clinch, Länder auf den Barrikaden
Die CSU stellt klare Bedingungen. Landesgruppenchef Alexander Hoffmann sagte der „Bild“: „Wir haben in der Koalition eine klare Vereinbarung: Härtefälle ja, Regelfälle nein.“ Ohne eine Änderung könne es keine Rentenreform geben.
Die SPD hält dagegen. Vize-Parteichef Alexander Schweitzer sagte dem RND: „Wer lange arbeitet, muss mehr haben als der, der nicht so lange gearbeitet hat.“ Widerstand kommt auch aus den Ländern. Anfang August forderten die Ministerpräsidenten Sven Schulze, Mario Voigt und Michael Kretschmer in einem gemeinsamen Brief, die Streichung zu kippen. Auch Manuela Schwesig kritisierte die Pläne.
Wer nur auf den Staat baut, zahlt am Ende drauf
Aus Sicht unserer Redaktion zeigt der Streit ein Grundproblem: Die Regierung hat Geld für ein Sondervermögen von 500 Milliarden Euro. Bei der Rente dagegen soll ausgerechnet bei denen gespart werden, die am längsten eingezahlt haben. Die gesetzliche Rente wird so immer mehr zur Rechengröße mit ungewissem Ausgang.
Umso wichtiger ist die eigene Vorsorge. Physisches Gold und Silber können als Beimischung in einem breit gestreuten Vermögen helfen, sich unabhängiger von politischen Entscheidungen zu machen.
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