
Riester-Nachfolger mit Haken: Fressen Gebühren Ihre Rente auf?
Am 1. Januar 2027 startet das Altersvorsorgedepot, der Nachfolger der Riester-Rente. Die Bundesregierung verspricht niedrige Kosten und hohe Renditen. Der Sozialverband Deutschland (SoVD) hält dagegen: Trotz gesetzlichem Kostendeckel drohe Millionen Sparern eine staatlich geförderte Gebührenfalle.
Ein Prozent klingt harmlos, ist es aber nicht
Für das sogenannte Standarddepot hat der Gesetzgeber die Effektivkosten auf höchstens ein Prozent pro Jahr begrenzt. Im Regierungsentwurf lag dieser Deckel noch höher. Er wurde erst im parlamentarischen Verfahren gesenkt, bevor der Bundestag das Gesetz am 27. März 2026 verabschiedete und der Bundesrat am 8. Mai zustimmte.
Ein Prozent klingt nach Kleingeld. Über Jahrzehnte richtet es aber gewaltigen Schaden an. Wer 40 Jahre lang regelmäßig spart und dabei fünf statt sechs Prozent Jahresrendite erzielt, hat am Ende gut ein Fünftel weniger Kapital. Diese Lücke entsteht allein durch die Kosten, ohne einen einzigen Börsencrash.
Der Verdacht: Abkassieren statt Vorsorgen
SoVD-Chefin Michaela Engelmeier warnte gegenüber den Zeitungen der Funke-Mediengruppe, die Altersvorsorge dürfe keine Mogelpackung werden, an der vor allem die Anbieter verdienten, während die Versicherten das Risiko trügen. Schon vor dem Start entstehe der Eindruck, im Vordergrund stünden Marktanteile und Gewinne und nicht die Sparer.
Besonders heikel sei die Beratung, so Engelmeier. Gerade Menschen ohne bisherige Vorsorge bräuchten Hilfe. Koste diese Hilfe hohe Gebühren, verfehle die Reform ihr Ziel. Der Verband fordert deshalb maximale Transparenz und dauerhaft niedrige Kosten. Außerdem brauche es klare Regeln, damit günstige Lockangebote nicht später durch Preiserhöhungen aufgezehrt würden.
Riester: Ein Lehrstück in Sachen Staatsversprechen
Die Skepsis hat gute Gründe. Mehr als 20 Jahre lang galt Riester als Musterbeispiel für teure und undurchsichtige Vorsorge. Eine im März 2026 veröffentlichte Analyse der Verbraucherorganisation Finanzwende hat 18 Riester- und 78 Rürup-Tarife untersucht. Laut dieser Analyse erreichen zwei Drittel davon über die gesamte Laufzeit keine zwei Prozent Rendite. Das reicht nicht einmal aus, um die Inflation auszugleichen.
Noch drastischer: Riester-Kunden müssten den Berechnungen zufolge 99 Jahre alt werden, um ihr eingezahltes Geld inflationsbereinigt zurückzubekommen. Genau dieses System soll jetzt mit neuem Etikett wiederbelebt werden. Nur hat der Staat diesmal noch mehr Geld im Spiel, denn die Grundzulage steigt auf bis zu 540 Euro im Jahr.
Preisschlacht der Broker und warnende Versicherer
Die Branche wittert ein Milliardengeschäft. Nach Berichten über den Markt dürfen rund 14 Millionen Riester-Sparer ins neue System wechseln. Fondsanbieter jubeln. Versicherer, die ihre klassischen Produkte in Gefahr sehen, mahnen dagegen zur Vorsicht. Der Neobroker Scalable Capital hat dem veröffentlichten Preisblatt zufolge bereits ein gebührenfreies Depot angekündigt und liegt damit deutlich unter dem gesetzlichen Höchstwert.
Ein solches Angebot ist allerdings nur eine Momentaufnahme. Ob die Konditionen in 30 Jahren noch gelten, weiß niemand. Die Stiftung Warentest rät deshalb zur Ruhe. Die Förderung für 2027 gebe es auch dann noch rückwirkend, wenn man erst im Dezember 2027 abschließe.
Fazit: Eigenverantwortung schlägt Staatsprodukt
Das neue Depot ist besser als Riester. Ein Freibrief ist es trotzdem nicht. Das Geld ist bis mindestens 65 gebunden, die Regeln macht der Staat, und künftige Regierungen können sie ändern. Wer sein Alter absichern will, sollte nicht alles auf eine Karte setzen. Physisches Gold und Silber haben in Jahrhunderten zahlreiche Währungsreformen überstanden. Als Beimischung in einem breit gestreuten Vermögen gehören sie dem Sparer selbst und hängen weder an einem Anbieter noch an einem Gesetz.
Hinweis: Dieser Beitrag stellt keine Anlage-, Steuer- oder Rechtsberatung dar. Er gibt die Meinung unserer Redaktion und die uns vorliegenden Informationen wieder. Jeder Leser sollte selbst recherchieren und ist für seine Anlageentscheidungen allein verantwortlich.

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