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11.02.2026
20:37 Uhr

Rohstoff-Wettlauf in Zentralasien: Deutschland hinkt China und der Türkei meilenweit hinterher

Rohstoff-Wettlauf in Zentralasien: Deutschland hinkt China und der Türkei meilenweit hinterher

Während die Bundesrepublik noch Arbeitsgruppen einrichtet und Absichtserklärungen formuliert, haben andere Mächte längst Fakten geschaffen. Bundesaußenminister Johann Wadephul empfing am Mittwoch die Außenminister aus Kasachstan, Usbekistan, Kirgistan, Tadschikistan und Turkmenistan im Auswärtigen Amt – ein Treffen, das vor allem eines offenbart: Deutschlands strategische Verspätung in einer der rohstoffreichsten Regionen der Welt.

Eine Region mit enormem Potenzial – und Deutschland schaut zu

Die fünf zentralasiatischen Staaten, zusammen elfmal so groß wie Deutschland und mit rund 80 Millionen Einwohnern, verfügen über gewaltige Vorkommen an Öl, Gas, Kupfer, Gold, Wolfram, Kalium und – besonders begehrt – Seltenen Erden sowie Lithium. Allein Kasachstan könne 19 der 34 von der EU als kritisch eingestuften Rohstoffe liefern. Man muss sich das auf der Zunge zergehen lassen: Während deutsche Politiker jahrelang über Energiewende und Klimaneutralität philosophierten, sicherten sich China, Russland und die Türkei systematisch den Zugang zu genau jenen Ressourcen, ohne die keine einzige Batterie, kein einziges Windrad und kein einziges Elektroauto gebaut werden kann.

China bezieht bereits einen erheblichen Teil kritischer Mineralien aus der Region und baut seine Präsenz über die Neue Seidenstraße unaufhaltsam aus. Russlands Staatskonzern Rosatom kontrolliert große Anteile an Uran-Minen, amerikanische Konzerne erschließen kaspische Ölfelder. Und die Türkei? Die hat ihre wirtschaftlichen und kulturellen Verbindungen zu den turksprachigen Ländern – Kasachstan, Usbekistan, Kirgistan und Turkmenistan – massiv vertieft. Ankara setzt dabei auf Angebote statt auf belehrende Zeigefinger. Ein Konzept, das Berlin offenkundig fremd ist.

Viel Symbolik, wenig Substanz

Das Treffen im sogenannten Z5+1-Format, wenige Tage vor der Münchner Sicherheitskonferenz anberaumt, sei laut Experten vor allem eine Sondierungsrunde. Neue Wirtschaftsabkommen erwarte man nicht. Stattdessen würden Projekte besprochen und – man ahnt es bereits – weitere Arbeitsgruppen eingerichtet. Deutsche Unternehmen investierten laut dem Ost-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft mit deutlich weniger Kapital und geringerer Risikobereitschaft als die internationale Konkurrenz. Kann man es ihnen verdenken? In einem Land, in dem Bürokratie, Regulierungswut und ideologisch motivierte Wirtschaftspolitik jede unternehmerische Initiative im Keim ersticken, fehlt schlicht der Mut zum großen Wurf.

Immerhin: In Kasachstan und Usbekistan bestünden bereits fast 80 gemeinsame Projekte mit einem Investitionsvolumen von rund vier Milliarden Euro. Deutschland sei der wichtigste Handelspartner Zentralasiens innerhalb der EU, wobei rund 80 Prozent des bilateralen Handels auf Kasachstan entfielen. Parallel zum politischen Treffen fand ein Wirtschaftsforum mit etwa 30 Vertretern deutscher Unternehmen statt – Gespräche über Rohstoffe, Energie, Logistik und Landwirtschaft. Ob daraus mehr wird als Protokollnotizen, bleibt abzuwarten.

Das Sanktions-Dilemma: Mit erhobenem Zeigefinger Freunde gewinnen?

Ein besonders heikles Thema überschattete die Berliner Gespräche. Westliche Staaten werfen einigen zentralasiatischen Ländern vor, EU-Waren zu kaufen und an Russland weiterzuverkaufen – eine Umgehung der westlichen Sanktionen. Seit Beginn der russischen Invasion 2022 sei das deutsche Handelsvolumen mit Ländern wie Kirgistan erheblich gestiegen, was als Indiz für solche Umgehungsgeschäfte gewertet werde.

Das geplante 20. EU-Sanktionspaket könne erstmals Maßnahmen gegen Unternehmen aus diesen Staaten enthalten. Ein Sprecher des Auswärtigen Amtes bestätigte, dass „Maßnahmen gegen russische Sanktionsumgehung" auf der Agenda stünden. Ob Deutschland solche Sanktionen unterstütze, wollte das Ministerium nicht sagen. Man fragt sich unwillkürlich: Wie will Berlin einerseits um Rohstoffpartnerschaften werben und andererseits mit Strafmaßnahmen drohen? Diese diplomatische Quadratur des Kreises dürfte selbst den geschicktesten Außenpolitiker vor erhebliche Herausforderungen stellen. China und die Türkei jedenfalls setzen auf Investitionen und Kooperation – nicht auf Drohgebärden.

Zentralasien boomt – Europa stagniert

Die wirtschaftliche Dynamik der Region ist beeindruckend und steht in scharfem Kontrast zur europäischen Lethargie. Nach Angaben der Eurasischen Entwicklungsbank wuchs das Bruttoinlandsprodukt Zentralasiens 2025 um 6,6 Prozent – sechsmal so schnell wie die Eurozone mit mageren 1,1 Prozent. Usbekistan verzeichnete ein Plus von 7,4 Prozent, die Kirgisische Republik sogar von atemberaubenden 10,3 Prozent. Das usbekische BIP überstieg 2025 die Marke von 133 Milliarden Euro – nach rund 56 Milliarden nur neun Jahre zuvor.

Kasachstan, die größte Volkswirtschaft der Region, wuchs um 5,9 Prozent – das stärkste Plus seit mehr als einem Jahrzehnt. Natürlich mahnen Experten zur Vorsicht: In unterinvestierten Volkswirtschaften spiegelten solche Wachstumsraten oft eine Aufholphase wider, während in entwickelten Ländern bereits 1,5 bis 2 Prozent als robust gälten. Dennoch: Der Kontrast zu einem Deutschland, das sich mit Deindustrialisierung, Energiepreisexplosion und bürokratischem Stillstand herumschlägt, könnte kaum größer sein.

Volkswagen wagt den Schritt – doch reicht das?

Usbekistan investiert massiv in seine Automobilindustrie und will die Produktion bis 2030 auf rund eine Million Fahrzeuge pro Jahr mehr als verdoppeln. Volkswagen kündigte an, in Partnerschaft mit dem staatlichen Unternehmen UzAvtosanoat eine Fertigung aufzubauen. Für andere deutsche Zulieferer sehe der Ost-Ausschuss ebenfalls Potenzial – konkrete Zusagen blieben jedoch aus. Es ist bezeichnend: Während VW in Zentralasien expandiert, werden hierzulande Werke geschlossen und Arbeitsplätze abgebaut. Die Ironie könnte bitterer kaum sein.

Der „Mittlere Korridor" – Europas Hoffnung auf Unabhängigkeit?

Im Zentrum der Gespräche stand zudem der sogenannte „Mittlere Korridor" – eine Handelsroute durch den Südkaukasus, die Zentralasien mit Europa verbinden soll, ohne russisches oder chinesisches Territorium zu queren. Schlüsselstaat ist Aserbaidschan als Transitdrehscheibe. Für die EU gehe es dabei um weit mehr als Logistik: Die Route solle strategische Abhängigkeiten von Moskau und Pekings Seidenstraßenprojekt verringern.

Das Berliner Treffen ist eingebettet in den „Team Europe"-Ansatz der EU, basierend auf der 2007 verabschiedeten und 2019 aktualisierten Zentralasien-Strategie. Seit 2023 verbinde Deutschland und die fünf Staaten eine strategische Regionalpartnerschaft mit Schwerpunkten auf Wirtschaft, Energie und regionaler Resilienz. Die Präsenz des EU-Sonderbeauftragten Eduards Stiprais und der Empfang durch Bundespräsident Steinmeier sollten den europäischen Rahmen unterstreichen.

Aufwachen oder Abgehängtwerden

Die Charmeoffensive am Werderschen Markt verdeutlicht eines unmissverständlich: Deutschland hat die strategische Bedeutung Zentralasiens erkannt – nur eben Jahre zu spät. Während Peking Milliarden in Infrastruktur pumpt, Ankara kulturelle Brücken baut und Moskau über Energiekonzerne Einfluss sichert, produziert Berlin Strategiepapiere und richtet Arbeitsgruppen ein. Die Konkurrenz wartet nicht. Sie handelt.

Es wäre an der Zeit, dass die Bundesregierung unter Friedrich Merz nicht nur die richtigen Worte findet, sondern auch den politischen Willen aufbringt, deutsche Unternehmen bei ihrem Engagement in der Region tatkräftig zu unterstützen – mit weniger Bürokratie, mehr Risikobereitschaft und einer Außenwirtschaftspolitik, die nicht ständig zwischen Moralpredigten und Geschäftsinteressen hin- und hergerissen ist. Denn eines steht fest: Wer im globalen Rohstoff-Wettlauf nur zuschaut, wird am Ende mit leeren Händen dastehen. Und das kann sich ein Industriestandort wie Deutschland schlicht nicht leisten.

Hinweis: Dieser Artikel stellt keine Anlageberatung dar. Die dargestellten Informationen dienen ausschließlich der allgemeinen Information. Jede Anlageentscheidung sollte auf Basis eigener sorgfältiger Recherche und gegebenenfalls nach Konsultation eines qualifizierten Finanzberaters getroffen werden. Für etwaige Verluste, die aus der Nutzung der in diesem Artikel enthaltenen Informationen resultieren, übernehmen wir keinerlei Haftung.

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