
Rolltreppe rückwärts: Berliner Hauptbahnhof versinkt im Chaos – ein Sinnbild für den Zustand der Nation
Man könnte es für eine Satire halten, wäre es nicht bittere Realität: Am Berliner Hauptbahnhof, dem gläsernen Prestigebau der Deutschen Bahn, fahren die Rolltreppen neuerdings rückwärts. Oder gar nicht mehr. 42 von 54 Rolltreppen stehen seit Donnerstag still – und das in einem Bahnhof mit vier Ebenen, der täglich von Zehntausenden Reisenden durchquert wird. Was klingt wie eine Metapher für den Zustand Deutschlands, ist schlicht der neueste Akt im Trauerspiel der maroden Infrastruktur.
Eine Rolltreppe, die den Rückwärtsgang einlegt
Der Auslöser des Debakels mutet geradezu grotesk an. Bereits am vergangenen Sonntag um 8 Uhr morgens sei eine Rolltreppe plötzlich in die entgegengesetzte Richtung gefahren, wie die Bundespolizei mitteilte. Eine Frau habe sich dabei leicht am Knie verletzt. Eine weitere Treppe blieb einfach stehen. Die Ursache? Unbekannt. Experten tappen im Dunkeln. Und weil man den Grund für die Fehlfunktion nicht ermitteln konnte, werden nun fast sämtliche Rolltreppen „einer Sicherheitsüberprüfung unterzogen", so Katja Hüske, Vorstand Personenbahnhöfe bei der DB InfraGo.
Die Konsequenz für die Fahrgäste ist so vorhersehbar wie ärgerlich: Wer mit schwerem Koffer, Kinderwagen oder eingeschränkter Mobilität unterwegs ist, darf sich entweder die zahlreichen Stufen hinaufschleppen oder in endlosen Schlangen vor den wenigen Aufzügen anstehen. Betroffen ist übrigens nicht nur der Hauptbahnhof, sondern auch der große Umsteigebahnhof Berlin-Südkreuz.
Tage, Wochen – niemand weiß es
Wie lange dieser Zustand andauern wird, vermag offenbar niemand zu sagen. Bis Freitagabend solle zunächst ein „Lagebild" erstellt werden, um dann einen konkreten Zeitplan festzulegen. Dass der Ausfall möglicherweise sogar Wochen dauern könnte, wollte die Deutsche Bahn gegenüber dem Tagesspiegel nicht ausschließen. Wochen. Man lasse sich das auf der Zunge zergehen: Ein Staatsunternehmen, das Milliarden an Steuergeldern verschlingt, ist nicht in der Lage, seine Rolltreppen am wichtigsten Bahnhof der Hauptstadt funktionsfähig zu halten – und kann nicht einmal einen Zeitrahmen für die Reparatur nennen.
Beide defekten Rolltreppen gehören zum selben Typ des Herstellers Kone. Die Bundespolizei habe den Fall an die Bahn zurückgegeben, da niemand Strafanzeige erstattet habe. Mitarbeiter des Herstellers seien nun vor Ort, um der Fehlfunktion auf den Grund zu gehen. Als Sofortmaßnahme hat die Bahn Personal abgestellt, das Reisenden den Weg zu den Fahrstühlen weisen und notfalls beim Gepäcktragen helfen soll. Ein schwacher Trost.
Berlin – Hauptstadt des Verfalls
Dieses Rolltreppenchaos reiht sich nahtlos ein in eine Serie von Peinlichkeiten, die Berlin zur Lachnummer der Republik machen. Erst vor wenigen Wochen glichen die Bürgersteige der Hauptstadt wochenlang Eisbahnen, weil Hausbesitzer aufgrund absurder Vorschriften nicht mit Tausalz streuen durften. Davor war es der BER, dessen Baugeschichte zum internationalen Synonym für deutsches Versagen wurde. Und nun also Rolltreppen, die rückwärts fahren.
Es ist ein Bild, das symbolischer kaum sein könnte. Während andere Nationen in Hochgeschwindigkeitszüge und moderne Infrastruktur investieren, diskutiert Deutschland darüber, ob seine Rolltreppen sicher genug sind, um überhaupt eingeschaltet zu werden. Die Deutsche Bahn, einst Stolz der Nation, ist längst zum Inbegriff von Verspätungen, Ausfällen und Missmanagement verkommen. Und die Politik? Sie schaut zu, debattiert über Gendersternchen und Klimaneutralität bis 2045, während die grundlegendste Infrastruktur buchstäblich den Rückwärtsgang einlegt.
Man fragt sich unweigerlich: Wenn dieses Land nicht einmal seine Rolltreppen am Laufen halten kann – wie soll es dann die wirklich großen Herausforderungen bewältigen? Die 500 Milliarden Euro schwere Schuldenorgie, die die neue Bundesregierung unter Friedrich Merz als „Sondervermögen für Infrastruktur" verkauft, wirkt angesichts solcher Zustände wie ein schlechter Witz. Denn es mangelt offensichtlich nicht nur am Geld, sondern an Kompetenz, Effizienz und dem politischen Willen, die Dinge tatsächlich in Ordnung zu bringen.
Die rückwärts fahrende Rolltreppe am Berliner Hauptbahnhof ist mehr als eine technische Panne. Sie ist ein Sinnbild für ein Land, das den Anschluss verliert – und dessen politische Klasse offenbar nicht einmal bemerkt, in welche Richtung die Reise geht.

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