
Rückzug in letzter Sekunde: Die Fifa kassiert ihren Milliarden-Ausverkauf ein

Es war der Deal, der aus dem Weltfußball endgültig ein Renditeobjekt gemacht hätte – und nun ist er, praktisch über Nacht, verschwunden. Der Weltverband Fifa hat seine Pläne, einen Teil der kommerziellen Rechte an der Weltmeisterschaft an Investoren zu veräußern, offiziell begraben. Verbandspräsident Gianni Infantino teilte in einer nachts veröffentlichten Erklärung mit, das Vorhaben werde nicht weiterverfolgt. Man habe alle Positionen gehört, und dabei sei erkennbar geworden, dass das Projekt Gräben aufgerissen habe, die – egal wie groß die Zustimmung gewesen sein möge – dem eigentlichen Ziel nicht mehr dienten. Klingt staatsmännisch. Übersetzt heißt es: Der Widerstand war zu groß.
Was genau da eigentlich verkauft werden sollte
Der Kern des Vorhabens war nüchtern betrachtet ein Griff in die Substanz. Über eine neu zu gründende Tochtergesellschaft namens Fifa Forward Enterprise, kurz FFE, hätten Teile der Vermarktungsrechte – darunter jene an der Weltmeisterschaft, dem wertvollsten Sportprodukt des Planeten – an externes Kapital wandern sollen. Der Gegenwert: eine Milliardensumme, sofort verfügbar. Berichten zufolge setzte die Fifa ihren Mitgliedsverbänden eine Zustimmungsfrist bis zum 19. September und stellte im Gegenzug eine Sonderzahlung in Aussicht. Man muss kein Zyniker sein, um darin ein bekanntes Muster zu erkennen: Wer schnell unterschreibt, bekommt Geld. Wer nachdenkt, verliert.
Genau dieses Muster sprengte am Ende das Vorhaben. Europäische Verbände drohten mit einem Boykott von WM-Turnieren, aus England kam die Forderung nach dem Rücktritt Infantinos. Wer den Fußball in erster Linie als Kulturgut versteht, als etwas, das Vereinen, Städten und Nationen gehört, dürfte den Aufstand für überfällig halten.
Ein Lehrstück über kurzfristiges Geld und langfristigen Schaden
Die Konstruktion ist bemerkenswert – nicht weil sie im Sport neu wäre, sondern weil sie längst überall zu beobachten ist. Man verkauft künftige Einnahmen, um heute liquide zu sein. Der Erlös fließt in Projekte, in Zuwendungen, in Wohltaten, die Zustimmung erzeugen. Die Rechnung zahlen jene, die später kommen. Wer sich fragt, warum uns dieses Prinzip so vertraut vorkommt, muss nur den Blick von Zürich nach Berlin richten: Sondervermögen in dreistelliger Milliardenhöhe, im Grundgesetz verankerte Zielmarken, dazu ein Kanzler, der vor der Wahl noch von Haushaltsdisziplin sprach. Auch dort wird Zukunft verpfändet, um Gegenwart zu finanzieren.
Wer heute Rechte verkauft, verkauft nicht Papier – er verkauft Einfluss. Und Einfluss kauft man nicht zurück.
Infantino kündigte an, die zerstrittenen Parteien in den kommenden Wochen im Geiste eines gemeinsamen Interesses am Sport wieder zusammenführen zu wollen, besonders zugunsten jener Länder, die Unterstützung am dringendsten benötigten. Man darf gespannt sein, wie lange die Idee tatsächlich in der Schublade bleibt. Erfahrungsgemäß kehren solche Konzepte zurück – leiser, kleiner geschnitten, mit freundlicherem Namen.
Die eigentliche Lektion für Sparer
Was der Fall lehrt, reicht weit über Rasen und Rechteverträge hinaus. Institutionen, Staaten und Verbände neigen dazu, ihr Vermögen zu verbriefen, zu beleihen, zu versilbern – und zwar in Papierform. Wer sein eigenes Vermögen schützen will, sollte daraus Schlüsse ziehen. Physische Edelmetalle wie Gold und Silber lassen sich nicht durch Beschlüsse einer Nachtsitzung verwässern, nicht durch Fristsetzungen erpressen und nicht durch Sonderzahlungen bestechen. Sie liegen im Tresor – schlicht, greifbar, unbestechlich. Als Beimischung in einem breit gestreuten Portfolio bleiben sie das nüchterne Gegengewicht zu einer Welt, die ihre Zukunft immer bereitwilliger verkauft.
Hinweis: Dieser Beitrag stellt keine Anlageberatung dar. Er spiegelt ausschließlich die Einschätzung unserer Redaktion auf Basis der uns vorliegenden Informationen wider. Jede Anlageentscheidung erfordert eigene, sorgfältige Recherche und gegebenenfalls die Hinzuziehung unabhängiger, fachlich qualifizierter Beratung. Für Vermögensdispositionen und deren Ergebnisse trägt jeder Anleger allein die Verantwortung. Eine Haftung für Vermögensschäden wird ausgeschlossen.
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