
Sachsen-Anhalt: Schulze-Wahl wird zum Lackmustest fĂŒr die angeschlagene Deutschland-Koalition

Es ist ein politisches Manöver, das seinesgleichen sucht â und das ganz Deutschland heute mit angehaltenem Atem verfolgt. In Magdeburg soll Wirtschaftsminister Sven Schulze zum neuen MinisterprĂ€sidenten von Sachsen-Anhalt gewĂ€hlt werden, nachdem Reiner Haseloff nach 15 Jahren im Amt um Mitternacht seinen RĂŒcktritt vollzogen hat. Was auf dem Papier wie eine Routineangelegenheit aussieht, entpuppt sich bei genauerem Hinsehen als hochriskantes Vabanquespiel der etablierten Parteien.
Ein taktischer RĂŒckzug mit Fragezeichen
Die Rechnung der CDU-Strategen ist simpel: Mit dem sogenannten Amtsbonus soll Schulze bei der Landtagswahl am 6. September gegen den charismatischen AfD-Spitzenkandidaten Ulrich Siegmund antreten. Doch diese Rechnung könnte ohne den Wirt gemacht worden sein. Denn ausgerechnet Schulze selbst hatte noch im August vergangenen Jahres erklĂ€rt, er wolle nicht noch in dieser Legislaturperiode ins Amt kommen. Er nannte ein solches Vorgehen damals ein "politisches Spielchen", das die WĂ€hler nicht goutieren wĂŒrden.
Nun also genau dieses Spielchen â und die NervositĂ€t in den Reihen der Deutschland-Koalition aus CDU, SPD und FDP ist mit HĂ€nden zu greifen. Zwar verfĂŒgt das BĂŒndnis ĂŒber 56 Sitze, wĂ€hrend fĂŒr eine Mehrheit lediglich 49 Stimmen erforderlich wĂ€ren. Doch die Erinnerung an Haseloffs gescheiterten ersten Wahlgang vor viereinhalb Jahren, als er mit nur 48 Stimmen durchfiel, sitzt tief.
Die AfD auf dem Vormarsch
Was die etablierten Parteien besonders beunruhigen dĂŒrfte: Die jĂŒngste Insa-Umfrage sieht die AfD bei satten 40 Prozent. CDU und SPD kommen zusammengerechnet gerade einmal auf 32 Prozent. GrĂŒne und FDP wĂŒrden den Einzug in den Landtag verfehlen. Sachsen-Anhalt könnte damit zum ersten Bundesland werden, das von der AfD regiert wird â ein Szenario, das in Berlin fĂŒr schlaflose NĂ€chte sorgen dĂŒrfte.
Ulrich Siegmund zeigt sich derweil gelassen und verzichtet darauf, gegen Schulze anzutreten. Seine BegrĂŒndung ist so einfach wie selbstbewusst: "FĂŒr uns kommt vor der Wahl eines neuen MinisterprĂ€sidenten die Neuwahl des Landtages." Eine Aussage, die von bemerkenswerter strategischer Klugheit zeugt.
Die Koalitionspartner geben sich zuversichtlich â nach auĂen
CDU-Fraktionsvorsitzender Guido Heuer versichert, die Wahl werde im ersten Wahlgang funktionieren. SPD-Fraktionsvize Falko Grube mahnt, dies sei "einfach nicht die Zeit fĂŒr Spielchen". Doch hinter den Kulissen brodelt es. Einige CDU-Abgeordnete liebĂ€ugeln schon lĂ€nger mit einer Zusammenarbeit mit der AfD. Und ob wirklich alle SPD- und FDP-Parlamentarier das Manöver mittragen, steht in den Sternen.
"Wenn ich fĂŒr ein Amt antrete, will auch ich durch die BĂŒrgerinnen und BĂŒrger gewĂ€hlt werden und nicht irgendwo vorher oder hinterher reingeschoben werden."
Diese Worte Schulzes vom August dĂŒrften ihm heute auf die FĂŒĂe fallen. Ein Scheitern im ersten Wahlgang wĂ€re nicht nur eine Blamage, sondern eine Steilvorlage fĂŒr die AfD. Dass Schulze letztlich gewĂ€hlt wird, daran zweifelt niemand ernsthaft. Doch der erste Wahlgang ist fĂŒr das Image entscheidend â und könnte zum Gradmesser dafĂŒr werden, wie zerrĂŒttet die etablierten Parteien in Sachsen-Anhalt tatsĂ€chlich sind.
Ein Bundesland im Umbruch
Die Entwicklung in Sachsen-Anhalt spiegelt wider, was sich in weiten Teilen Ostdeutschlands abzeichnet: Die Menschen haben genug von einer Politik, die ihre Sorgen und Nöte ignoriert. Sie wollen VerĂ€nderung â und sie sind bereit, dafĂŒr auch unkonventionelle Wege zu gehen. Ob die etablierten Parteien das endlich begreifen, wird sich nicht nur heute in Magdeburg zeigen, sondern spĂ€testens am 6. September an den Wahlurnen.
- Kettner Edelmetalle News
- Finanzen
- Wirtschaft
- Politik





















