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27.10.2026
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Schicksalswahl in Israel: Zehntausende fliegen nur zum Wählen heim!

Schicksalswahl in Israel: Zehntausende fliegen nur zum Wählen heim!
Symbolbild: KI-generiert

Israel wählt heute, am Dienstag, 27. Oktober, eine neue Knesset, und kaum jemand traut sich eine Prognose zu. Amtsinhaber Benjamin Netanjahu und sein Herausforderer Gadi Eisenkot liegen in den Umfragen praktisch gleichauf. Weil Israel seinen Bürgern im Ausland keine Briefwahl erlaubt, kehren nach Schätzungen bis zu 80.000 Auslandsisraelis zur Stimmabgabe in ihre Heimat zurück.

Wählen nur mit Bordkarte

Nach israelischem Recht darf aus dem Ausland nur wählen, wer im diplomatischen Dienst des Landes arbeitet. Alle anderen müssen persönlich in ihrem Wahllokal erscheinen. Wer mitentscheiden will, kauft sich also ein Flugticket.

Im Vergleich zu rund 7,3 Millionen Wahlberechtigten klingen 80.000 Rückkehrer nach wenig. Die Politikwissenschaftlerin Yael Shomer von der Universität Tel Aviv sieht das anders. Bei einem derart knappen Rennen könnten diese Stimmen am Ende den Ausschlag geben, sagte sie. Weil es diesmal um nichts weniger als die Zukunft des Landes gehe, rechne sie mit einer sehr hohen Wahlbeteiligung.

Die Demoskopen erwarten bis zu 87 Prozent. Im Jahr 2022 lag die Beteiligung laut dem Zentralen Wahlkomitee nur knapp über 70 Prozent. In den Botschaften und Konsulaten haben bereits 90 Prozent ihre Stimme abgegeben, sonst sind es dort eher 70 Prozent.

Der Alte gegen den General

Der 77-jährige Netanjahu vom Likud hat das Land in drei Amtszeiten zusammen mehr als 18 Jahre lang regiert. Sein Gegner ist der frühere Generalstabschef Gadi Eisenkot, der die Zentrumspartei Jaschar anführt. Nach Medienberichten kommen beide Lager in den Umfragen auf jeweils etwa 50 bis 52 Sitze. Für eine Regierungsmehrheit sind 61 der 120 Mandate nötig.

Einige Experten halten es deshalb für möglich, dass Israel zum ersten Mal direkt nach einer Wahl eine Minderheitsregierung bekommt. Für ein Land im Krieg wäre das ein riskantes Experiment.

Die Bruchlinien einer Nation

Sicherheit war für israelische Wähler schon immer das wichtigste Thema. Mit dem Krieg gegen den Iran ist der Streit darüber noch heftiger geworden. Dazu kommt die Wehrpflicht: Dass ein Teil der ultraorthodoxen Männer vom Militärdienst befreit ist, empfinden viele als ungerecht. Eisenkot möchte die Wehrpflicht nach eigenen Angaben ausweiten. Netanjahu hält dagegen an seiner umstrittenen Justizreform fest, mit der die Regierungskoalition mehr Einfluss auf die Gerichte erhalten würde.

Charterflüge gegen die Justizreform?

Bei der Heimreise hilft die Initiative „Fly & Vote“. Sie gehört zur America-Israel Democracy Coalition, einer US-Gruppe, die 2023 gegründet wurde, um die Justizreform des Likud zu verhindern. Parteien und Organisationen dürfen Wählern keine Reisekosten bezahlen. Die Initiative hat deshalb mit privaten Spenden einen Charterflug aus Portugal organisiert und Ticketkontingente ab New York gekauft. Ihre Plätze müssen die Passagiere selbst bezahlen.

Mitgründerin Ora Peled-Nakash sagte, Israelis im Ausland hätten weiterhin ein Interesse an der Zukunft ihres Landes. Ihre Gruppe beziehe aber keine politische Position und mache niemandem Vorgaben, wen er wählen solle. Bei der Herkunft der Organisation dürften Skeptiker trotzdem genauer hinsehen.

Auch das normale Flugangebot ist gut. Neben El Al fliegen inzwischen Arkia und Israir aus den USA nach Israel. United und Delta haben ihre Verbindungen nach der kriegsbedingten Pause wieder aufgenommen. Die Lufthansa fliegt ab Europa nach Israel, British Airways will diese Woche wieder starten. Bei El Al gab es am Sonntag noch einzelne Plätze ab New York für 1.300 bis 2.500 Dollar.

Ein Land am Scheideweg

Von 2019 bis 2022 mussten die Israelis fünfmal wählen, eine Regierungskrise folgte auf die andere. Die heutige Wahl entscheidet, wie es politisch, militärisch und wirtschaftlich auf Jahre weitergeht. Sie zeigt aber auch, wie gespalten das Land ist.

Für die Weltpolitik geht es um viel. Ein Land im Krieg mit dem Iran ohne stabile Mehrheit würde die ohnehin unruhige Lage im Nahen Osten noch unberechenbarer machen. Und Bürger, die um die halbe Welt fliegen, nur um ein Kreuz zu machen, zeigen eindrucksvoll, wie viel ihnen ihr Wahlrecht wert ist.

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