
Schlacht um die Commerzbank: Wenn italienische Begierde auf deutschen Widerstand trifft

Es ist ein Übernahmekampf, der die Schlagzeilen beherrscht und der zeigt, wie verwundbar deutsche Traditionsinstitute geworden sind. Die italienische Unicredit greift mit aller Macht nach der Commerzbank – Deutschlands zweitgrößter Privatbank, einem 156 Jahre alten Frankfurter Institut. Doch nun wehren sich die Beschäftigten mit härtesten Bandagen: Der Betriebsrat plant eine Strafanzeige.
Der Betriebsrat zieht in den Krieg
Wie Betriebsratschef Sascha Uebel öffentlich bestätigte, finde eine außerordentliche Sitzung des Gesamtbetriebsrats statt. Dabei solle beschlossen werden, dass der Vorsitzende Strafanzeige wegen des Verdachts der Marktmanipulation und Irreführung nach den Paragrafen 119 und 120 des Wertpapierhandelsgesetzes gegen unbekannt stelle. Die Belegschaft, so Uebel, sei nach den Vorkommnissen der vergangenen Wochen derart erzürnt, dass dieser Schritt nur folgerichtig erscheine.
Uebel ließ keinen Zweifel an seiner Kampfbereitschaft. Er werde sich mit allen Mitteln gegen eine Übernahme durch die Italiener stemmen. Die geplante Anzeige sei lediglich die nächste Eskalationsstufe – und keineswegs die letzte. Klare Worte, die man sich von deutschen Verantwortungsträgern öfter wünschen würde, wenn es um den Schutz heimischer Substanz geht.
Ein Angebot, das wirtschaftlich nicht überzeugt
Unicredit hatte Anfang Mai ein Übernahmeangebot vorgelegt: 0,485 eigene Papiere je Commerzbank-Aktie. Bei aktueller Bewertung liege diese Offerte rund 1,50 Euro unter dem Commerzbank-Kurs von 35,78 Euro. Mit anderen Worten: Das Angebot ist schlichtweg unattraktiv. Und dennoch hätten Anteilseigner bereits 11,22 Prozent aller Commerzbank-Aktien angedient, sodass der Anteil der Italiener auf knapp 38 Prozent klettern würde.
„Ich habe wie viele Beschäftigte in der Commerzbank den Verdacht, dass der Kapitalmarkt damit bewusst in die Irre geführt werden soll“, so Uebel.
Genau hier liegt der Kern des Verdachts: Wenn ein wirtschaftlich unattraktives Angebot derart bereitwillig angenommen werde, sei dies nicht rational erklärbar. Es solle der Eindruck erweckt werden, Unicredit habe die Übernahme bereits in der Tasche. Dem sei aber nicht so.
Die Commerzbank fordert Transparenz – und stößt auf Mauern
Auch das Management der Commerzbank hatte den Italienern mangelnde Transparenz und eine irreführende Darstellung ihrer Position vorgeworfen. Nach Angaben des Instituts stammten die angedienten Aktien fast ausschließlich von mit Unicredit verbundenen Banken und Parteien, die zuvor keine wesentlichen Anteile gehalten hätten. Genannt wird in diesem Zusammenhang unter anderem die japanische Investmentbank Nomura. Einen einzigen institutionellen Investor, der seine Papiere tatsächlich verkauft habe, habe man bislang nicht identifizieren können.
Die Bank hat die Finanzaufsicht Bafin bereits eingeschaltet. Doch die Behörde sieht – sieht man von einer Rüge wegen reißerischer Werbeanzeigen ab – bislang offenbar keinen Anlass zum Eingreifen. Ein bemerkenswert zurückhaltendes Verhalten einer Aufsicht, die eigentlich für saubere Verhältnisse am Finanzplatz sorgen sollte.
Derivate, Hebel und ein durchschaubares Spiel
Besonders pikant: Unicredit hält neben dem Aktienanteil noch im großen Stil Finanzinstrumente. 3,22 Prozent ließen sich in Commerzbank-Papiere umwandeln, hinzu kämen Derivate in Höhe von 13,19 Prozent, die sich das Mailänder Geldhaus in bar auszahlen lassen könne. Auf Betreiben der Bafin offenbarte das Institut zudem weitere Derivategeschäfte, die nicht mitteilungspflichtig seien. Ein undurchsichtiges Geflecht, das viele Fragen aufwirft.
Der Staat als Bollwerk – ausnahmsweise
Unicredit-Chef Andrea Orcel rechnet nach eigenen Angaben nicht damit, mit dem aktuellen Angebot die Kontrolle zu erlangen. Doch er hat die 30-Prozent-Schwelle clever umschifft und sich Flexibilität für weitere Zukäufe verschafft. Für eine Mehrheit auf der Hauptversammlung 2027 bräuchte er rund 40 Prozent, für tiefgreifende Strukturmaßnahmen sogar 75 Prozent.
Hier kommt ein seltenes Phänomen ins Spiel: Der deutsche Staat hält als zweitgrößter Aktionär 13 Prozent – und lehnt einen Verkauf strikt ab. Vorstandschefin Bettina Orlopp warnte, ein Durchmarsch der Italiener werde ohne den Verkauf der Staatsanteile und anderer Investoren ein „leidvoller Weg“. Dass der Staat hier ausnahmsweise schützend die Hand über ein deutsches Traditionsunternehmen hält, ist begrüßenswert. Man fragt sich nur, warum diese Standhaftigkeit bei vielen anderen Schlüsselindustrien, die ins Ausland abwandern, schmerzlich fehlt.
Was bleibt
Der Fall Commerzbank ist ein Lehrstück darüber, wie wenig Schutz deutsche Substanzwerte auf den internationalen Finanzmärkten genießen. Vermögen, das über Generationen aufgebaut wurde, kann durch undurchsichtige Derivatekonstruktionen und geschicktes Manövrieren ins Wanken geraten. Wer sein Vermögen wirklich unabhängig von Übernahmeschlachten, Bilanztricks und der Willkür fremder Konzerne wissen will, kommt um die Frage nach echten Sachwerten nicht herum. Physisches Gold und Silber unterliegen keinem Aufsichtsrat, keinem Bieterverfahren und keiner feindlichen Übernahme – sie sind als krisenfeste Beimischung eines breit gestreuten Portfolios seit Jahrtausenden ein bewährter Anker zur Vermögenssicherung.
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