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29.06.2026
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Schmierentheater am Golf: Wenn Trump und Teheran Verhandlungen spielen

Schmierentheater am Golf: Wenn Trump und Teheran Verhandlungen spielen

Es ist ein diplomatisches Verwirrspiel, das selbst hartgesottene Beobachter ratlos zurücklässt. Während die Welt gebannt auf die Straße von Hormus blickt, jenen schmalen Wasserweg, durch den ein erheblicher Teil des globalen Öls fließt, scheinen die Vereinigten Staaten und der Iran ein Spiel zu spielen, dessen Regeln niemand so recht kennt. Und die zentrale Frage, die im Raum steht, lautet: Wird hier eigentlich ehrlich verhandelt – oder führen sich beide Seiten gegenseitig an der Nase herum?

Ein Treffen, das es gibt – oder doch nicht?

Schon der Auftakt offenbart die ganze Absurdität der Lage. US-Präsident Donald Trump verkündete am Montag über seinen Onlinedienst Truth Social vollmundig den Beginn neuer Verhandlungen mit dem Iran. In Doha solle das Treffen stattfinden, der Iran habe ausdrücklich darum gebeten. Eine schöne Erzählung – nur dumm, dass Irans Vizeaußenminister Kasem Gharibabadi kurz zuvor im Staatsfernsehen das genaue Gegenteil behauptet hatte: In dieser Woche sei überhaupt kein Treffen der Arbeitsgruppen vorgesehen.

Wer hat nun recht? Diese Diskrepanz ist kein Detail am Rande, sondern symptomatisch für ein Konfliktgeschehen, in dem Wahrheit zur Verhandlungsmasse geworden ist. Wenn schon über die schlichte Frage, ob man sich überhaupt trifft, keine Einigkeit herrscht, wie soll dann über die Aufhebung jahrzehntealter Sanktionen Klarheit geschaffen werden?

Krieg, Waffenruhe, Krieg – das ewige Auf und Ab

Die Kulisse dieses Dramas ist alles andere als friedlich. Nach dreieinhalb Monaten Krieg hatten beide Seiten am 17. Juni ein Rahmenabkommen unterzeichnet, das die „unverzügliche“ Einstellung aller Kämpfe vorsah. Doch das Papier war kaum trocken, da flammten die Gefechte schon wieder auf. In den Nächten zum Freitag und Samstag bombardierte das US-Militär erneut Ziele im Iran, woraufhin Teheran mit Angriffen auf Bahrain und Kuwait konterte. Auslöser sei, so das US-Regionalkommando Centcom, ein iranischer Drohnenangriff auf einen Öltanker in der Straße von Hormus gewesen.

Anschließend hieß es von einem US-Regierungsvertreter, man habe sich erneut auf einen Stopp der Kämpfe verständigt. Beide Seiten würden sich „vorerst zurückhalten“. Vorerst – ein Wort, das in dieser Region das Papier nicht wert ist, auf dem es steht.

Sie haben unsere Wirtschaft ruiniert, und viele junge Menschen sind arbeitslos geworden. Unsere Jugend hat keine Hoffnung für die Zukunft.

Die Straße von Hormus – Nadelöhr der Weltwirtschaft

Dass dieser Konflikt weit über die unmittelbar Beteiligten hinaus Bedeutung hat, zeigt der Blick auf die Schifffahrt. Reedereien meiden derzeit die Straße von Hormus, wo immer sie können. Bloomberg-Daten zufolge passierten am vergangenen Sonntag lediglich zwölf Schiffe die Wasserstraße in beide Richtungen – weniger als die Hälfte des Vortageswertes. Jeder Reeder, der seine Tanker durch dieses Nadelöhr schickt, spielt russisches Roulette mit der Versicherungspolice. Und jede Verzögerung treibt die Preise – ein Mechanismus, der am Ende ganz selbstverständlich beim deutschen Verbraucher an der Zapfsäule und auf der Heizkostenrechnung ankommt.

Die Sanktionsfrage: Heiße Luft oder echtes Angebot?

Im Zentrum der Absichtserklärung steht ein bemerkenswerter Passus: Die USA wollen ihre Sanktionen gegen den Iran aufheben. Die von Trump und dem iranischen Präsidenten Massud Peseschkian unterzeichnete 14-Punkte-Vereinbarung sieht dies nach einem festen Zeitplan vor. Für die Dauer der Verhandlungen, so heißt es, werde das US-Finanzministerium 60 Tage lang Ausnahmeregelungen erlassen. Seit der Revolution von 1979 zählt der Iran zu den am stärksten sanktionierten Ländern der Welt – die schiere Geschwindigkeit dieses angeblichen Sinneswandels habe, so Bloomberg, die internationale Finanzwelt regelrecht verblüfft.

Doch hier liegt der Haken. Am 22. Juni veröffentlichte das Office of Foreign Assets Control die sogenannte „General License X“, die den Verkauf iranischen Rohöls bis zum 21. August genehmigt. Klingt nach einem Durchbruch – ist aber keiner. Denn diese Lizenz hebt die Sanktionen gerade nicht auf. Sie ist befristet, eng begrenzt und zwingt Unternehmen weiterhin zu umfassenden Sorgfaltsprüfungen. Wer hier nicht penibel die Herkunft der Fracht, die Vertragspartner und die Zahlungswege durchleuchtet, riskiert empfindliche Strafen.

Banken zögern – aus gutem Grund

Hinzu kommt: Selbst dort, wo Geschäfte rechtlich erlaubt wären, drücken sich die Banken. Reputationsbedenken und die Befristung der Lizenz lassen die Finanzinstitute zurückschrecken. Versicherer und Reedereien zeigen sich ähnlich vorsichtig. Und während Washington von Lockerung spricht, kündigt ein britischer Offizieller in der Financial Times an, London werde seine Iran-Sanktionen in den kommenden Wochen besonders streng kontrollieren. Auch die EU hält an ihren eigenen Beschränkungen fest. Ein Flickenteppich aus widersprüchlichen Regeln, in dem sich kein vernünftiger Kaufmann verlieren möchte.

Teherans innere Zerrissenheit

Aufschlussreich ist der Blick hinter die Kulissen des Mullah-Regimes. Präsident Peseschkian will offenkundig einen Deal, getrieben von der desaströsen Wirtschaftslage seines Landes. 40 bis 50 Tage lang habe man kein einziges Barrel Öl exportieren können, klagte er. Hardliner indes wittern Verrat und werfen ihm gar einen faktischen „Putsch“ gegen den Obersten Führer Mojtaba Khamenei vor. Pikantes Detail am Rande: Peseschkian räumte ein, die Regierung habe Öleinnahmen, die eigentlich in den Staatshaushalt hätten fließen sollen, an die Revolutionsgarden umgeleitet, um Militärtechnik zu beschaffen. So viel zur Glaubwürdigkeit eines Regimes, das humanitäre Zwecke vorschiebt.

Was bleibt? Ungewissheit – und ein Lehrstück über Vertrauen

Am Ende steht die ernüchternde Erkenntnis, dass weder die Verhandlungen noch die Waffenruhe noch die Sanktionsfrage auf festem Boden stehen. Ob Trumps Angebot ein ehrlicher Vorstoß oder eine raffinierte Finte ist – niemand kann es mit Sicherheit sagen. Für die Weltwirtschaft, für die Energiepreise und damit für jeden einzelnen Bürger bleibt diese Hängepartie eine permanente Quelle der Unsicherheit.

Und genau hier offenbart sich eine zeitlose Wahrheit: In einer Welt, in der Großmächte mit Wahrheit jonglieren, in der Abkommen das Papier nicht wert sind, auf dem sie stehen, und in der ein einziger Drohnenangriff die Ölmärkte erbeben lässt, gibt es nur wenige verlässliche Konstanten. Physische Edelmetalle wie Gold und Silber gehören zu jenen Werten, die sich seit Jahrtausenden in geopolitischen Krisen bewährt haben – unabhängig davon, ob in Doha verhandelt wird oder nicht, und unabhängig davon, ob Sanktionen fallen oder bestehen bleiben. Als Beimischung zu einem breit gestreuten Portfolio bieten sie jene Stabilität, die das politische Theater am Persischen Golf so schmerzlich vermissen lässt.

Hinweis: Dieser Artikel gibt ausschließlich die Meinung unserer Redaktion sowie die uns vorliegenden Informationen wieder und stellt keine Anlageberatung dar. Wir betreiben keine Anlage-, Steuer- oder Rechtsberatung. Jeder Anleger ist verpflichtet, sich eigenständig umfassend zu informieren und trägt die Verantwortung für seine Anlageentscheidungen selbst. Bei Bedarf sollte ein unabhängiger Fach-, Steuer- oder Rechtsberater hinzugezogen werden.

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