
Schüsse auf Hamburger Linienbus: Kripo ermittelt wegen Tötungsversuchs

Ein ganz normaler Freitagabend im Hamburger Süden – bis die Scheiben splitterten. Gegen 20.55 Uhr fielen am Bahnhof Neugraben mindestens zwei Schüsse auf einen fahrenden Linienbus der Linie 251 in Richtung Finkenwerder. Verletzt wurde niemand. Der oder die Schützen entkamen unerkannt.
Zeugen hatten die schussähnlichen Geräusche gehört und die Polizei alarmiert. Als die Streifenwagen eintrafen, war der mutmaßliche Täter längst verschwunden. Eine Scheibe des Busses zersplitterte komplett, eine weitere wies ein Einschussloch auf.
Ein 16-jähriges Mädchen suchte Schutz im Bus
Nach Angaben der Polizei, über die mehrere Medien berichten, ging den Schüssen offenbar ein Streit voraus. Zeugenberichten zufolge soll eine 16-Jährige vor einer Gruppe von drei Jugendlichen in den Bus geflüchtet sein – um sich dort in Sicherheit zu bringen.
Was dann geschah, verdient Respekt: Fahrgäste und der Busfahrer sollen die Verfolger aus dem Fahrzeug gedrängt, die Türen geschlossen und losgefahren sein. Zivilcourage, wie man sie sich wünscht. Unmittelbar danach krachte es.
Berichten zufolge feuerte ein Unbekannter zweimal mit einer offenbar schwarzen Handfeuerwaffe auf den anfahrenden Bus. Der Fahrer steuerte das Fahrzeug weiter bis zum Bahnhof Neuwiedenthal, wo die Polizei anschließend Spuren sicherte.
Kripo ermittelt wegen versuchten Tötungsdelikts
Die Nahbereichsfahndung mit mehreren Streifenwagen blieb ohne Erfolg. Die Täter sind nach Angaben des Lagedienstes weiterhin flüchtig. Die Kriminalpolizei ermittelt inzwischen wegen eines versuchten Tötungsdelikts und sucht dringend Zeugen. Hintergründe und Motiv waren zunächst unklar. Für alle Beteiligten gilt selbstverständlich die Unschuldsvermutung.
Man muss sich das Szenario vor Augen führen: ein besetzter Linienbus, Berufspendler, Schüler, Senioren – und jemand schießt aus kurzer Distanz auf die Fensterfront. Dass niemand getroffen wurde, war schlicht Glück.
Kein Einzelfall in diesem Stadtteil
Neuwiedenthal und Neugraben tauchen nicht zum ersten Mal in solchen Meldungen auf. Bereits im September 2021 wurde Medienberichten zufolge an der Neuwiedenthaler Straße kurz nacheinander auf zwei vorbeifahrende Linienbusse gefeuert; auch damals gingen Scheiben zu Bruch, auch damals blieben die Täter unerkannt. Die Hochbahn AG setzte seinerzeit eine Belohnung von 1000 Euro aus.
Vier Jahre später – dasselbe Viertel, dasselbe Muster, dieselbe Ratlosigkeit. Was sagt es über den Zustand eines Landes, wenn Busfahrer Türen gegen Verfolger verriegeln müssen und Jugendliche offenbar mit Schusswaffen hantieren?
Innere Sicherheit: Die Geduld der Bürger schwindet
Aus Sicht unserer Redaktion ist dieser Vorfall mehr als eine Lokalmeldung. Die Polizeiliche Kriminalstatistik weist für Deutschland ein Rekordniveau bei der erfassten Kriminalität und einen deutlichen Anstieg bei Messerangriffen aus. Für viele Bürger ist der öffentliche Nahverkehr längst kein neutraler Raum mehr, sondern ein Ort, an dem man aufmerksam bleibt.
Kritiker der Sicherheits- und Migrationspolitik der vergangenen Jahre sehen darin die Folge politischer Versäumnisse: zu wenig Polizeipräsenz, zu lange Verfahren, zu selten spürbare Konsequenzen. Die Bundesregierung unter Kanzler Friedrich Merz hat ein härteres Vorgehen versprochen. Gemessen wird sie an Fällen wie diesem.
Wer Angaben zu dem Vorfall in Neugraben machen kann, sollte sich an die Polizei wenden. Zeugenhinweise sind in solchen Fällen oft der einzige Weg zur Aufklärung.
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