
Schwarz-Rot-Gold am Revers – und plötzlich droht man ihm mit dem Tod!

Ein kleiner Anstecker in den Nationalfarben soll in Köln gereicht haben, um eine Kneipe in Aufruhr zu versetzen. In der Nacht nach einem Stammtisch der konservativen Organisation „Gemeinsam Deutschland Gestalten“ (GDG) am Freitag, dem 23. Oktober, wurde der 24-jährige Bünyamin Yilmaz nach eigener Schilderung als „Nazi“ beschimpft. Danach sei eine Morddrohung gefallen, später ein körperlicher Angriff. Inzwischen ermittelt der Staatsschutz.
Ein Pin, eine Frage, eine Eskalation
Medienberichten zufolge wollten die GDG-Mitglieder den Abend in einem Lokal ausklingen lassen. Gegen 3 Uhr morgens habe ein etwa 25-jähriger Mann Yilmaz auf den Deutschland-Stecker angesprochen. Den trage er aus patriotischer Verbundenheit regelmäßig bei politischen Veranstaltungen, heißt es.
Die Frage des Unbekannten lautete demnach: „Bist du ein Nazi?“ Yilmaz habe klar verneint. Der Mann habe aber nachgelegt: „Aber warum trägst du das, wenn du kein Nazi bist?“ Als Yilmaz auf den Stammtisch verwies, sei die Situation endgültig gekippt.
Laut der Schilderung des Betroffenen brüllte der Mann „Du Nazi!“ durch das Lokal. In Richtung der übrigen GDG-Mitglieder soll er dann gerufen haben:
„Am liebsten würde ich euch töten.“
Türsteher greift ein, Polizei stellt zwei Männer
Die Gruppe alarmierte die Polizei. Noch bevor die Beamten eintrafen, habe der Türsteher den Mann aus dem Lokal gebracht. Beruhigt habe ihn das nicht. Zusammen mit einer weiteren Person soll er draußen auf ein anderes GDG-Mitglied losgegangen sein. Erst als weitere Mitglieder und der Türsteher dazwischengingen, sei Schlimmeres verhindert worden. Die Polizei habe die beiden Männer schließlich gestellt.
Die Behörden halten sich mit Verweis auf die laufenden Ermittlungen bedeckt. Man sei per Notruf über eine Körperverletzung informiert worden und habe vor Ort mehrere „offenbar alkoholisierte Beteiligte“ angetroffen. Ermittelt werde wegen einfacher vorsätzlicher Körperverletzung und Beleidigung. Die Ermittler gingen zudem von einer politisch motivierten Tat aus. Ob auch die mutmaßliche Morddrohung strafrechtlich verfolgt wird, geht aus den Angaben nicht hervor. Für die Beschuldigten gilt die Unschuldsvermutung.
Kein Einzelfall: Der Schatten von Mannheim
Wer das als Wirtshausrangelei unter Betrunkenen abtut, macht es sich zu leicht. Erst Ende August soll die GDG in Mannheim Ziel eines deutlich brutaleren Angriffs geworden sein. Laut Polizei lauerten dort am 29. August rund 40 Personen aus dem Umfeld des linksextremistischen Spektrums etwa 25 GDG-Angehörigen in der Nähe der Eichbaum-Brauerei auf. Dabei seien Schlagstöcke und Pfefferspray eingesetzt worden.
Ein Mitglied erlitt den Angaben zufolge eine Platzwunde am Kopf und einen gebrochenen Arm. Die Kriminalpolizei fahndet inzwischen öffentlich mit Fotos nach teils vermummten Tatverdächtigen. Die GDG selbst ist politisch umstritten. Einige Medien rücken sie in die Nähe eines Umfelds, das auch Rechtsextreme anziehe. Gewalt rechtfertigt das aber in keinem Fall.
Wenn die eigene Flagge zum Verdachtsmoment wird
Die Ironie ist bitter. Schwarz-Rot-Gold steht seit dem Hambacher Fest von 1832 und der Revolution von 1848 für Freiheit, Einheit und Demokratie. Die Nationalsozialisten schafften genau diese Farben ab und ersetzten sie durch Schwarz-Weiß-Rot und die Hakenkreuzfahne. Wer heute in den Farben des Grundgesetzes ein Nazi-Symbol sieht, hat Geschichte offenbar nur vom Hörensagen.
Aus Sicht unserer Redaktion zeigt der Fall ein tieferliegendes Problem. Dänen, Niederländer oder Franzosen zeigen ihre Fahne ganz selbstverständlich. In Deutschland dagegen gilt schon ein Pin am Sakko manchem als Provokation. Jahrelang wurde ein Klima gepflegt, in dem „Nazi“ zur Allzweckwaffe gegen Andersdenkende verkommen ist. Der Kampf gegen Rechts wurde politisch gefördert und üppig finanziert, und dabei ging offenbar etwas verloren: die Fähigkeit, zwischen Extremismus und gewöhnlicher Heimatliebe zu unterscheiden.
Der Rechtsstaat muss nun zeigen, dass er politisch motivierte Gewalt in jede Richtung gleich ernst nimmt. Denn wer für einen Anstecker in den Nationalfarben Drohungen fürchten muss, lebt nicht in einem freien Land, sondern in einem eingeschüchterten.
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