
Schwedens Atom-Comeback: 1,2 Gigawatt – und Deutschland schaut zu!

Stockholm, 3. September 2026: Der schwedische Nukleardienstleister Studsvik AB hat gemeinsam mit GE Vernova Hitachi Nuclear Energy und dem südkoreanischen Baukonzern Samsung C&T eine Vereinbarung über vier kleine Reaktoren mit zusammen rund 1,2 Gigawatt unterzeichnet. Gebaut werden soll der Typ BWRX-300. Der erste Block soll Mitte der 2030er Jahre Strom liefern.
Zwei Standorte, ein Ziel: mehr Grundlast
Wo genau die Anlagen entstehen, ist offen. Zur Wahl stehen laut den beteiligten Unternehmen Studsviks bereits nuklear lizenzierter Standort in Nyköping und das Areal Målma in Valdemarsvik. Mit an Bord sind zudem die Finanzsparte von GE Vernova sowie der koreanische Investor DS Investment Partners.
Wichtig für die Einordnung: Es handelt sich um eine für einen festgelegten Zeitraum exklusive Entwicklungsvereinbarung – keine endgültige Investitionsentscheidung und keine Baugenehmigung. Vorgesehen ist eine gemeinsame Projektgesellschaft für Entwicklung, Finanzierung, Bau und Betrieb.
Der Trostpreis nach der Niederlage gegen Rolls-Royce
Für GE Vernova hat die Nachricht einen bitteren Beigeschmack. Erst im Juni 2026 hatte der US-Konzern das Rennen um Schwedens erstes neues Kernkraftwerk seit über 40 Jahren verloren: Die Projektgesellschaft Videberg Kraft rund um den Staatskonzern Vattenfall entschied sich Berichten zufolge für Rolls-Royce SMR und drei Reaktoren auf der Halbinsel Värö beim Kraftwerk Ringhals.
Statt der dort möglichen fünf Blöcke bleiben GE Vernova nun vier – ein Reaktor weniger. Überraschend kommt der Zuschlag dennoch nicht: Studsviks Tochter Kärnfull Next, erst in diesem Jahr übernommen, arbeitet Unternehmensangaben zufolge bereits seit 2022 mit den Amerikanern am BWRX-300, mit Samsung C&T besteht seit Dezember 2024 eine Kooperation.
Studsvik-Chef Karl Thedéen erklärte, es gehe darum, Schwedens Energieambitionen in einem Zeitrahmen zu verwirklichen, der für Kommunen und Industrie zähle.
Warum Stockholm klotzt – und Berlin bremste
Schweden meint es ernst. Die bürgerliche Regierung will die Kernkraft massiv ausbauen, weil der Stromverbrauch bis 2045 Prognosen zufolge auf das Doppelte steigen dürfte. Ein 2025 in Kraft getretenes Fördergesetz stellt günstige Staatskredite und Preisabsicherungen bereit – nach Angaben aus dem Budgetentwurf ein Kreditrahmen von rund 220 Milliarden schwedischen Kronen über zwölf Jahre. Bislang liefern sechs Reaktoren etwa 30 Prozent des schwedischen Stroms.
Und Deutschland? Hier wurden die letzten drei Meiler im April 2023 abgeschaltet – mitten in einer Energiekrise. Während Stockholm neue Grundlast plant, diskutiert Berlin über Netzentgelte, Strompreisbremsen und Milliardensubventionen. Aus Sicht unserer Redaktion ein Lehrstück darüber, wie unterschiedlich zwei europäische Industrienationen mit derselben physikalischen Realität umgehen können.
Ein Nebendarsteller mit langer Geschichte
Studsvik selbst ist außerhalb Schwedens kaum bekannt. Das Unternehmen ist seit über 75 Jahren in der Nuklearbranche tätig, liefert unter anderem Software zur Brennstoffmodellierung für US-Kernkraftwerke – und kommt dennoch nur auf eine Marktkapitalisierung von unter 200 Millionen Dollar bei zuletzt weniger als 100 Millionen Dollar Umsatz. Die Aktie legte von Mitte 2025 bis Anfang 2026 fast 200 Prozent zu, gab dann mit dem gesamten Nuklear- und KI-Trade wieder nach.
Die Lektion für Anleger bleibt dieselbe wie eh und je: Energiepolitik ist launisch, Zuschläge können kippen, Kurse ohnehin. Wer Vermögen langfristig absichern will, kommt an physischen Edelmetallen als solider Beimischung eines breit gestreuten Portfolios kaum vorbei.
Hinweis: Dieser Beitrag ist keine Anlageberatung und keine Kauf- oder Verkaufsempfehlung. Er gibt die Einschätzung unserer Redaktion auf Basis der uns vorliegenden Informationen wieder. Jeder Anleger ist für seine Entscheidungen selbst verantwortlich und sollte eigenständig recherchieren.
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