
Seltene Erden: CME plant ersten Terminkontrakt der Geschichte – und bricht Chinas Preisdiktat
Es ist eine Nachricht, die das geopolitische Kräfteverhältnis auf den Rohstoffmärkten grundlegend verschieben könnte: Die CME Group, der weltweit größte Derivatemarktplatz, arbeitet offenbar an der Einführung des allerersten Futures-Kontrakts für Seltene Erden. Was auf den ersten Blick wie eine technische Finanzmarktneuheit klingt, ist in Wahrheit nichts weniger als ein strategischer Befreiungsschlag des Westens gegen die erdrückende Dominanz Chinas.
Pekings Würgegriff auf kritische Rohstoffe
Man muss sich die Dimension vor Augen führen: China kontrolliert rund 90 Prozent der weltweiten Verarbeitung Seltener Erden. Diese 17 Elemente sind unverzichtbar für Elektrofahrzeuge, Windturbinen, Kampfjets, Drohnen und praktisch jedes moderne Elektronikgerät. Wer diese Rohstoffe kontrolliert, hält einen mächtigen Hebel in der Hand – und Peking hat diesen Hebel in der Vergangenheit bereits mehrfach genutzt, um geopolitischen Druck auszuüben. Dass der Westen sich in eine derart fatale Abhängigkeit hat manövrieren lassen, ist ein Versäumnis historischen Ausmaßes.
Derzeit werden die Preise für die beiden wichtigsten Seltenen Erden – Neodym und Praseodym (NdPr) – ausschließlich in China festgelegt. Zwei chinesische Börsen, die Ganzhou Rare Metal Exchange und die Baotou Rare Earth Products Exchange, dominieren den Spothandel. Die Guangzhou Futures Exchange hat ihrerseits bereits angekündigt, künftig eigene Terminkontrakte anbieten zu wollen. Der Westen? Steht bislang mit leeren Händen da.
Der fehlende Baustein für westliche Unabhängigkeit
Genau hier setzt die Initiative der CME Group an. Wie mehrere mit der Angelegenheit vertraute Quellen berichten, arbeite das Unternehmen an einem kombinierten Futures-Kontrakt für Neodym und Praseodymium – jene beiden Elemente, die für die Herstellung von Permanentmagneten unverzichtbar sind. Diese Magnete stecken in Elektromotoren, Windkraftanlagen und militärischer Ausrüstung. Ein Insider bezeichnete den geplanten Kontrakt als das „entscheidende fehlende Puzzlestück" für die gesamte Branche.
Auch der Rivale Intercontinental Exchange (ICE) sondiere demnach Möglichkeiten für Seltene-Erden-Futures, sei in seinen Planungen jedoch deutlich weniger weit fortgeschritten als die CME. Beide Unternehmen wollten sich zu den Berichten nicht äußern.
Warum Banken ohne Futures nicht finanzieren
Das Problem ist so simpel wie gravierend: Ohne funktionierende Terminmärkte können westliche Bergbauunternehmen und Verarbeitungsbetriebe ihre Preisrisiken nicht absichern. Banken scheuen sich daher, Projekte außerhalb Chinas zu finanzieren, weil sie künftige Einnahmen schlicht nicht prognostizieren können. Die Preisvolatilität ist enorm – allein in diesem Jahr sind die NdPr-Preise um rund 40 Prozent gestiegen, nachdem sie in den 15 Monaten bis Mai 2023 um sage und schreibe 50 Prozent eingebrochen waren. Welcher Kreditgeber würde unter solchen Bedingungen Milliarden in neue Minen investieren?
Ein funktionierender Futures-Markt würde dieses Dilemma lösen. Produzenten könnten sich gegen Preisverfall absichern, industrielle Abnehmer wie Automobilhersteller könnten ihre Magnetkosten kalkulierbar machen, und Regierungen hätten ein transparentes Preisinstrument zur Verfügung.
Washington rüstet auf – aber reicht das?
Die USA haben das Problem erkannt und handeln bereits. Erst kürzlich stellte Washington einen 12 Milliarden Dollar schweren strategischen Vorrat an kritischen Mineralien vor und schuf einen präferenziellen Handelsblock mit Verbündeten. Im bislang prominentesten Deal der Branche sicherte sich die US-Regierung einen 15-prozentigen Anteil an MP Materials – inklusive einer Preisuntergrenze, die auf dem NdPr-Preis basiert.
Doch während die Amerikaner unter Präsident Trump mit charakteristischer Entschlossenheit voranschreiten, darf man sich fragen, wo eigentlich Europa in diesem strategischen Wettlauf steht. Die Europäische Union, die sich so gerne als Vorreiterin der Energiewende inszeniert, hat es bislang versäumt, eine auch nur annähernd vergleichbare Strategie zur Sicherung kritischer Rohstoffe vorzulegen. Stattdessen verliert man sich in Brüssel in bürokratischen Regulierungsorgien, während China und die USA Fakten schaffen.
Deutschland im Abseits
Für Deutschland, dessen Automobilindustrie existenziell von Seltenen Erden abhängt, ist die Lage besonders prekär. Die neue Große Koalition unter Friedrich Merz hat zwar vollmundig ein 500 Milliarden Euro schweres Sondervermögen für Infrastruktur angekündigt – doch von einer kohärenten Rohstoffstrategie ist wenig zu hören. Dabei müsste jedem klar sein: Ohne gesicherten Zugang zu Neodym und Praseodymium wird die viel beschworene Elektromobilität zur Chimäre. Man kann nicht gleichzeitig die Klimaneutralität bis 2045 im Grundgesetz verankern und die Rohstoffbasis dafür dem guten Willen Pekings überlassen.
Die CME hat mit der erfolgreichen Einführung von Lithium- und Kobalt-Futures bereits bewiesen, dass sie kritische Mineralien an den Terminmarkt bringen kann. Im vierten Quartal meldete das Unternehmen ein durchschnittliches Tagesvolumen von rekordverdächtigen 27,4 Millionen Kontrakten – ein Anstieg von 7,5 Prozent. Die Infrastruktur steht also bereit.
Ein Weckruf für Anleger
Ob und wann der NdPr-Futures-Kontrakt tatsächlich an den Start geht, ist noch offen. Eine der größten Herausforderungen bleibt das geringe Handelsvolumen bei Seltenen Erden – der Markt ist im Vergleich zu anderen Metallmärkten winzig. Doch allein die Tatsache, dass die weltweit größte Derivatebörse diesen Schritt ernsthaft verfolgt, sendet ein unmissverständliches Signal: Die Ära der bedingungslosen Abhängigkeit von China bei kritischen Rohstoffen neigt sich dem Ende zu.
Für vorausschauende Anleger unterstreicht diese Entwicklung einmal mehr die fundamentale Bedeutung physischer Rohstoffe und Edelmetalle als Vermögenssicherung. In einer Welt, in der geopolitische Spannungen zunehmen und Lieferketten fragiler werden denn je, bieten physische Edelmetalle wie Gold und Silber einen bewährten Anker der Stabilität. Sie sind keinem Emittentenrisiko ausgesetzt, nicht von politischen Launen abhängig und haben über Jahrtausende ihren Wert bewiesen – ganz im Gegensatz zu manch papiernem Versprechen aus Berlin oder Brüssel.
Hinweis: Dieser Artikel stellt keine Anlageberatung dar. Jede Investitionsentscheidung sollte auf eigener, gründlicher Recherche basieren. Wir empfehlen, vor jeder Anlageentscheidung einen qualifizierten Finanzberater zu konsultieren. Für etwaige Verluste, die aus der Umsetzung der in diesem Artikel genannten Informationen resultieren, übernehmen wir keinerlei Haftung.

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