
Separatisten aus Alberta betteln bei Trump um 500 Milliarden Dollar für Kanadas Zerschlagung
Was sich derzeit zwischen Washington und einer kleinen Gruppe kanadischer Abspaltungsbefürworter abspielt, liest sich wie ein geopolitischer Krimi mit fragwürdigen Protagonisten. Vertreter der US-Regierung haben seit April vergangenen Jahres mindestens dreimal mit Führungspersonen des sogenannten Alberta Prosperity Project gesprochen – einer rechten Gruppierung, die nichts Geringeres anstrebt als die Loslösung der ölreichen westkanadischen Provinz vom Rest des Landes.
Dreiste Forderungen an die Trump-Administration
Die Separatisten scheuen offenbar keine noch so absurde Forderung. Bei einem geplanten Treffen im kommenden Monat mit Vertretern des amerikanischen Außen- und Finanzministeriums wollen sie um einen Kredit in Höhe von sage und schreibe 500 Milliarden US-Dollar bitten. Dieses astronomische Sümmchen soll eine mögliche Unabhängigkeit Albertas finanziell absichern – wohlgemerkt nur für den Fall, dass ein entsprechendes Referendum positiv ausgehen würde.
Jeff Rath, Rechtsberater des Alberta Prosperity Project, brüstete sich gegenüber der Financial Times mit einer angeblich „viel stärkeren Beziehung" zur Trump-Regierung als Kanadas Premierminister Mark Carney sie habe. Eine Behauptung, die angesichts der diplomatischen Realitäten mehr als gewagt erscheint.
Washington distanziert sich – zumindest offiziell
Interessanterweise weiß die rechte Hand offenbar nicht, was die linke tut. Ein Vertrauter des amerikanischen Finanzministers Scott Bessent betonte, dass weder Bessent noch andere hochrangige Beamte von dem Kreditvorschlag wüssten und sich nicht damit befassen würden. Das US-Außenministerium bestätigte zwar die Treffen, relativierte jedoch deren Bedeutung erheblich. Man treffe sich regelmäßig mit zivilgesellschaftlichen Gruppen, es seien keine Zusagen gemacht worden.
Dennoch hatte ausgerechnet Finanzminister Bessent vergangene Woche Alberta als „natürlichen Partner der USA" bezeichnet. Gegenüber dem rechtskonservativen Podcaster Jack Posobiec ließ er verlauten:
„Die Albertaner sind sehr unabhängige Menschen. Es gibt Gerüchte, dass sie ein Referendum abhalten könnten, ob sie in Kanada bleiben wollen oder nicht."
Scharfe Reaktionen aus Ottawa und den Provinzen
Die Reaktionen in Kanada fielen erwartungsgemäß scharf aus. Der Premierminister von British Columbia, David Eby, fand deutliche Worte und bezeichnete das Vorgehen der Separatisten schlicht als „Landesverrat". Seine Begründung ist nachvollziehbar: In ein fremdes Land zu gehen und um Hilfe bei der Zerschlagung des eigenen Landes zu bitten – dafür gebe es ein altmodisches Wort, und das sei Verrat.
Ontarios Premierminister Doug Ford forderte Albertas Regierungschefin Danielle Smith auf, sich klar zu positionieren. Smith selbst lehnt eine Unabhängigkeit zwar offiziell ab und betont ihre Unterstützung für ein „starkes und souveränes Alberta innerhalb eines geeinten Kanadas". Kritiker werfen ihr jedoch vor, im vergangenen Jahr die Hürden für ein Unabhängigkeitsreferendum gesenkt zu haben – ein Vorwurf, der nicht von ungefähr kommt.
Manitobas Premierminister Wab Kinew reagierte mit beißendem Humor: Er wolle ebenfalls ein Referendum abhalten – mit der Frage, ob Manitoba Teil Kanadas bleiben wolle. Die Antwortmöglichkeiten: „Ja" und „Auf jeden Fall ja".
Auch Quebec liebäugelt wieder mit der Unabhängigkeit
Alberta ist nicht die einzige Provinz, in der separatistische Tendenzen wieder aufflackern. Der Chef der Parti Québécois, Paul St-Pierre Plamondon, hat für den Fall eines Wahlsiegs im Herbst ein drittes Referendum über die Unabhängigkeit Quebecs angekündigt. Umfragen zufolge würden jedoch etwa zwei Drittel der Menschen in der Provinz gegen eine Abspaltung stimmen – ein deutliches Signal, dass die Mehrheit der Kanadier trotz aller Spannungen zusammenhalten möchte.
Der kanadische Inlandsgeheimdienst CSIS bereitet sich nach eigenen Angaben auf mögliche ausländische Einmischung in beide potenzielle Referenden vor. Geheimdienstchef Dan Rogers warnte eindringlich vor Desinformationskampagnen und Manipulationsversuchen – eine Warnung, die angesichts der dokumentierten Gespräche zwischen US-Regierungsvertretern und kanadischen Separatisten durchaus berechtigt erscheint.
Trumps Destabilisierungsstrategie zeigt Wirkung
Die Gespräche verdeutlichen die massiven Spannungen zwischen Washington und Carneys Bundesregierung in Ottawa. Die diplomatischen Beziehungen zwischen den USA und Kanada gelten derzeit als besonders angespannt. Trumps wiederholte Äußerungen über Kanada als potenziellen 51. US-Bundesstaat und seine aggressiven Zolldrohungen haben Ottawa gegen Washington aufgebracht.
Zuletzt hielt Carney eine aufsehenerregende Rede beim Weltwirtschaftsforum, in der er kritisierte, dass „Großmächte" wie die USA wirtschaftliche Verflechtungen als „Waffen" einsetzen und Zölle als Druckmittel nutzen würden. Eine Kritik, die angesichts der aktuellen Entwicklungen mehr als berechtigt erscheint.
Carlo Dade von der konservativen Denkfabrik Canada West Foundation in Calgary bringt es auf den Punkt: Die US-Amerikaner seien „mehr als bereit, Kanadier gegeneinander auszuspielen". Eine Strategie, die man auch aus anderen geopolitischen Konflikten kennt – und die selten zu stabilen Verhältnissen führt.
Ein gefährliches Spiel mit dem Feuer
Nach Angaben von mit der US-Position vertrauten Personen ist es zwar unwahrscheinlich, dass die USA der separatistischen Bewegung in Kanada tatsächlich materielle Unterstützung leisten würden. Doch allein die Tatsache, dass solche Gespräche stattfinden, sendet ein verheerendes Signal. Es zeigt, dass die Trump-Administration bereit ist, selbst langjährige Verbündete zu destabilisieren, wenn es den eigenen Interessen dient.
Für Europa sollte dies eine Warnung sein: Wer glaubt, dass transatlantische Partnerschaften unter Trump auf solidem Fundament stehen, der irrt gewaltig. Die Devise „America First" kennt offenbar keine Grenzen – nicht einmal gegenüber dem engsten Nachbarn und Verbündeten.

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