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Kettner Edelmetalle
13.02.2026
06:41 Uhr

Silber-Wahnsinn: Wenn Omas Tafelbesteck zum Spekulationsobjekt wird

Was sich derzeit auf dem globalen Silbermarkt abspielt, hat das Zeug zur historischen Anekdote. Nach einer explosiven Rallye im Januar, die den Silber-Futures-Preis kurzzeitig über die Marke von 120 US-Dollar je Unze katapultierte, hat sich der Kurs zwar auf rund 82 Dollar eingependelt – doch die Nachwirkungen dieser Preisexplosion sind alles andere als abgeklungen. Im Gegenteil: Eine regelrechte Flut von Altsilber überschwemmt die Raffinerien, und selbst die größten Schmelzbetriebe der Welt kommen kaum noch hinterher.

Großmutters Kronleuchter auf dem Weg zur Schmelze

Die Szenen, die sich derzeit in Münz- und Schmuckgeschäften von New York bis Boca Raton abspielen, erinnern an einen modernen Goldrausch – nur eben in Silber. „Jedermanns Großmutter verkauft ihren Kronleuchter, Gabeln und Messer – alles, was aus Sterlingsilber ist", beschreibt Gene Furman, Inhaber mehrerer Pfandleihen und Goldankauf-Geschäfte im New Yorker Großraum, die Lage. Die Menschen kämen „in Scharen", bestätigt auch Gary Tancer, Besitzer einer Münz- und Schmuckgalerie in Boca Raton. Der durchschnittliche Scheck, den er ausstelle, liege zwischen 8.000 und 10.000 Dollar.

Was hier geschieht, ist im Grunde ein kultureller Ausverkauf. Familienerbstücke, Silberbesteck aus besseren Zeiten, Kerzenleuchter und Sammlerstücke – Dinge, die Generationen überdauert haben – werden nun zu Marktpreisen verscherbelt. Die Google-Suchanfragen nach „sell my silver" sind parallel zum Silberpreis förmlich explodiert. Ein Zeichen dafür, dass nicht professionelle Händler, sondern ganz gewöhnliche Bürger den Markt fluten.

Raffinerien am Limit – Wartezeiten von Monaten

Die Konsequenzen dieser Schwemme sind gravierend. Heraeus Precious Metals, einer der weltweit größten Edelmetallveredler mit Sitz in Deutschland, kämpft mittlerweile mit erheblichen Rückständen. Dominik Sperzel, Handelsleiter des Unternehmens, bringt es auf den Punkt: Wer heute eine Silberbestellung aufgebe, müsse nicht mehr mit Wochen, sondern mit Monaten Wartezeit rechnen. Eine bemerkenswerte Aussage, die das Ausmaß der aktuellen Situation verdeutlicht.

Noch drastischer formuliert es der Analyst Milton Berg, der die aktuelle Lage mit dem spekulativen Höhepunkt von 2011 vergleicht – und dabei feststellt, dass die Schrottsilber-Zuflüsse diesmal sogar noch höher ausfallen als damals. Die größte Schmelze in New York sei regelrecht überwältigt. Berg leitet daraus eine kurzfristig bärische Einschätzung für den Silberpreis ab.

Was bedeutet das für den langfristigen Anleger?

Doch Vorsicht vor voreiligen Schlüssen. Dass Privatpersonen in Massen ihre Silberbestände auflösen, ist zunächst einmal ein Zeichen für den enormen finanziellen Druck, unter dem viele Haushalte stehen – gerade in Zeiten galoppierender Inflation und einer Wirtschaftspolitik, die in vielen westlichen Ländern mehr Fragen aufwirft als Antworten liefert. In Deutschland etwa belastet das 500-Milliarden-Euro-Sondervermögen die Staatsfinanzen auf Generationen hinaus, während die Kaufkraft der Bürger weiter erodiert.

Wer seine physischen Edelmetalle jetzt in Panik verkauft, könnte sich in einigen Jahren bitter ärgern. Die industrielle Nachfrage nach Silber – von der Solarindustrie über die Elektronik bis hin zur Medizintechnik – wächst unaufhaltsam. Gleichzeitig sind die Minenkapazitäten begrenzt. Der kurzfristige Angebotsschub durch Schrottsilber mag den Preis vorübergehend drücken, doch die fundamentalen Treiber bleiben intakt.

Es ist eine Ironie der Geschichte: Ausgerechnet jene Generation, die noch den Wert solider Sachwerte kannte, trennt sich nun von ihren letzten greifbaren Vermögenswerten – während Papiergeld und digitale Versprechen weiter an Substanz verlieren. Physische Edelmetalle bleiben ein unverzichtbarer Baustein jeder soliden Vermögenssicherung. Wer jetzt verkauft, tauscht Substanz gegen Scheine.

Hinweis: Dieser Artikel stellt keine Anlageberatung dar. Die dargestellten Informationen und Einschätzungen entsprechen ausschließlich der Meinung unserer Redaktion. Jeder Anleger ist selbst dafür verantwortlich, eigene Recherchen durchzuführen und seine Anlageentscheidungen auf Basis seiner individuellen Situation zu treffen. Eine Haftung für etwaige finanzielle Verluste, die aus der Umsetzung der hier dargestellten Überlegungen resultieren, wird ausdrücklich ausgeschlossen.

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