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Stille Helden, leere Büros: Pflege frisst Deutschlands Arbeitskraft!

Stille Helden, leere Büros: Pflege frisst Deutschlands Arbeitskraft!
Symbolbild: KI-generiert

Dem deutschen Arbeitsmarkt geht Kraft verloren, und kaum jemand redet darüber. Eine neue Analyse von Bertelsmann-Stiftung und Prognos AG kommt zu dem Ergebnis, dass die Pflege von Angehörigen schon heute so viel Arbeitszeit kostet wie 184.000 Vollzeitstellen. Bis 2045 könnten es mindestens 229.000 werden. Das ist ein Viertel mehr, und es trifft ein Land, dem ohnehin die Fachkräfte fehlen.

Deutschlands größter Pflegedienst ist die Familie

Laut Pflegestatistik gab es 2023 rund 5,7 Millionen Pflegebedürftige. Davon wurden 4,9 Millionen zu Hause versorgt, 3,1 Millionen ausschließlich von Angehörigen. Bei weiteren 1,1 Millionen half zusätzlich ein ambulanter Dienst. Mehr als die Hälfte aller Pflegebedürftigen war älter als 80 Jahre.

Nach Daten des Sozio-oekonomischen Panels leisteten 2023 sieben Millionen Menschen informelle Pflege. 4,6 Millionen von ihnen waren im Erwerbsalter. Bis 2045 soll ihre Zahl auf 6,4 Millionen steigen. Der Anteil an der Bevölkerung im Erwerbsalter würde damit von 8,7 auf 13,3 Prozent klettern. Am Ende pflegt also fast jeder Siebte.

Ab zehn Stunden pro Woche wird es kritisch

Die Folgen für den Arbeitsmarkt gehen der Studie zufolge fast vollständig auf Menschen zurück, die mehr als zehn Stunden pro Woche pflegen. Frauen stellen 63 Prozent der pflegenden Angehörigen. Im Schnitt pflegen sie 15,7 Stunden pro Woche, Männer 9,4 Stunden.

Frauen reduzieren ihre Arbeitszeit meist Schritt für Schritt. Männer arbeiten dagegen lange unverändert weiter und hören bei Dauerbelastung eher ganz auf. Die Studie beschreibt das so:

„Bei geringerer Belastung setzen sie ihre meist vollzeitnahe Beschäftigung unverändert fort, bei hoher Belastung folgen Männer eher dem Prinzip ,Alles oder nichts‘.“

Für 2045 rechnet die Analyse mit rund 580.000 Frauen, die wegen der Pflege weniger oder gar nicht mehr arbeiten. Das entspräche 173.000 Vollzeitstellen. Viele kehren auch nach dem Ende der Pflege nicht zu ihrer alten Arbeitszeit zurück. Eric Thode, Arbeitsmarktexperte der Bertelsmann-Stiftung, warnt, die Alterung werde dem Arbeitsmarkt Arbeitskräfte entziehen, „gerade dann, wenn jede Arbeitskraft dringend gebraucht wird“.

Berlin dreht an der Beitragsschraube

Und die Politik? Ende September hat das Bundeskabinett das Pflegeneuordnungsgesetz beschlossen. Ein früherer Entwurf hatte noch vorgesehen, die Rentenbeiträge für pflegende Angehörige auf 70 Prozent zu kürzen. Danach hagelte es Kritik, auch aus der Union. CSU-Mann Klaus Holetschek sprach laut Medienberichten von einem „Schlag ins Gesicht“.

Nach dem Kabinettsbeschluss sollen die Rentenbeiträge nun weiter voll übernommen werden. Bundesgesundheitsminister Carsten Linnemann (CDU) nennt pflegende Angehörige die „stillen Helden unserer Gesellschaft“. Bezahlen müssen trotzdem die Beitragszahler:

  • Der Zuschlag für Kinderlose steigt ab 2027 auf 0,9 Prozent.
  • Die Beitragsbemessungsgrenze steigt um 300 Euro im Monat.
  • Ab 2028 kostet die Mitversicherung von Ehepartnern einen Zuschlag von 0,52 Prozent, mit Ausnahmen etwa für pflegende Angehörige.

Das Familienpflegegeld aus dem Koalitionsvertrag gibt es bisher nur auf dem Papier. Grundlegende Reformen soll erst eine Kommission erarbeiten. Die Familien tragen die Last also weiter allein.

Was jetzt passieren müsste

Die Bertelsmann-Stiftung fordert einen leichteren Zugang zu Tages- und Kurzzeitpflege und mehr Prävention, damit Pflegebedarf später entsteht. Auch die Arbeitgeber sieht sie in der Pflicht: mit Homeoffice, flexiblen Arbeitszeiten und Hilfe beim Wiedereinstieg. Arbeitsmarktexpertin Michaela Hermann sagt dazu:

„Wer Angehörige pflegt, leistet einen enormen gesellschaftlichen Beitrag. Wer dafür die Erwerbstätigkeit einschränkt, riskiert jedoch Einbußen beim Einkommen und bei der Alterssicherung.“

Weniger Arbeitszeit bedeutet weniger Einkommen und später weniger Rente, während die Beiträge steigen. Wer früh selbst vorsorgt, ist besser geschützt, wenn die Pflege plötzlich zum Alltag wird. Physisches Gold und Silber können dabei als Beimischung in einem breit gestreuten Vermögen eine sinnvolle Rolle spielen. Sie hängen nicht von Zusagen des Staates ab.

Hinweis: Dieser Beitrag ist keine Anlage-, Steuer- oder Rechtsberatung. Er gibt die Meinung unserer Redaktion und die uns vorliegenden Informationen wieder. Jeder Leser sollte sich selbst informieren und ist für seine Anlageentscheidungen selbst verantwortlich.

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