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23.08.2026
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„Süßes Gift“: Top-Ökonom zerlegt Berlins Wirtschaftspolitik

„Süßes Gift“: Top-Ökonom zerlegt Berlins Wirtschaftspolitik
Symbolbild: KI-generiert

Deutschland wächst 2026 voraussichtlich um magere 0,8 Prozent – und selbst dieser Krümel stammt überwiegend aus der Staatskasse. Der Kieler Ökonom Prof. Dr. Stefan Kooths hat in einem Interview mit der Berliner Zeitung am 23. August 2026 abgerechnet: mit Subventionen, Industriepolitik und einem Staat, der sich übernommen habe.

Der Aufschwung, der keiner ist

Kooths, Forschungsdirektor am Kiel Institut für Weltwirtschaft und Vorsitzender der Hayek-Gesellschaft, sieht keinen Grund zum Aufatmen. Man müsse Konjunktur und Wachstum sauber trennen, sagte er. Derzeit schiebe im Wesentlichen nur der Staat mit expansiver Finanzpolitik an.

Exporte? Schwach. Unternehmensinvestitionen? Schwach. Der fiskalische Impuls überdecke die strukturelle Schwäche – so seine Diagnose. Die Prognose des Instituts von 0,8 Prozent für dieses Jahr deckt sich mit den Zahlen anderer Häuser; das ifo-Institut liegt laut Medienberichten auf demselben Niveau.

Die entscheidende Kennziffer sei ohnehin eine andere: das Produktionspotenzial. Dessen Zuwachsrate liege nur noch bei 0,2 Prozent im Jahr. Zwischen 2000 und 2019 waren es im Schnitt 1,3 Prozent.

Wenn nichts mehr wächst, beginnt der Verteilungskampf

Bleibe es dabei, steuere Deutschland auf eine dauerhafte Stagnation zu, warnt der Ökonom. Und dann werde nicht mehr über die Verteilung zusätzlichen Wohlstands gestritten, sondern darüber, wer künftig mehr abgeben müsse.

Die Ansprüche an Sozialstaat, Verteidigung, Infrastruktur und Klimaschutz wachsen weiter – die wirtschaftliche Basis kaum noch. Über diese Knappheit könne man sich nicht dauerhaft mit neuen Schulden hinwegtäuschen, so Kooths. Ein bemerkenswerter Satz in einem Land, das ein 500-Milliarden-Sondervermögen aufgelegt und die Klimaneutralität 2045 ins Grundgesetz geschrieben hat.

Sein Einwand gegen die Sondervermögen-Logik ist schlicht und schwer zu widerlegen:

Schulden schaffen keine zusätzlichen Ingenieure, Bauarbeiter, Maschinen oder Rohstoffe.

Das „süße Gift“ der Förderpolitik

Am schärfsten fällt die Kritik an der Industriepolitik aus. Subventionen konservierten bestehende Strukturen, luden zum Lobbyismus ein und verschöben unternehmerische Entscheidungen in die Nähe von Behörden. Unternehmen richteten ihre Projekte zunehmend danach aus, was förderfähig sei – statt danach, was Kunden brauchen.

Der Staat kenne die Gewinner von morgen nicht, könne sie also heute auch nicht fördern. In Deutschland sei zudem das Scheitern zu teuer; die grundlegenden Innovationen entstünden deshalb anderswo.

Auch die Energiepolitik bekommt ihr Fett weg: Technologiegebote, Verbote, Einzelhilfen und nationale Sonderwege machten den Klimaschutz unnötig teuer. Unternehmen wanderten ab, Arbeitsplätze fielen weg – auch wegen zu hoher Energiekosten.

Sechs Punkte gegen den Stillstand

Kooths' Sofortprogramm für zwölf Monate umfasst unter anderem:

  • Begrenzung der Sozialabgaben durch Strukturreformen statt höherer Bundeszuschüsse
  • radikale Vereinfachung von Planungs- und Berichtspflichten
  • technologieoffene Klimapolitik über Preissignale statt Mikromanagement
  • Subventionsabbau und eine Steuerstruktur, die Arbeit und Unternehmertum entlastet
  • ein flexiblerer Arbeitsmarkt

Eine Rentenreform hält er für überfällig – Aufschub verteuere die Anpassung nur und verschiebe die Last einseitig auf die Jüngeren. Das sei Arithmetik, keine Ideologie.

Für viele Bürger dürfte die Botschaft unbequem, aber ehrlich sein: Nicht neue Programme fehlen, sondern der Mut, alte Bremsklötze zu entfernen. Wer sein Vermögen in einer stagnierenden, schuldenfinanzierten Wirtschaft absichern will, denkt erfahrungsgemäß auch über physische Edelmetalle als Beimischung nach.

Hinweis: Dieser Beitrag dient der Information und stellt keine Anlageberatung dar. Er gibt die Einschätzung unserer Redaktion auf Basis der uns vorliegenden Informationen wieder. Jeder Anleger muss eigenständig recherchieren und trägt die Verantwortung für seine Entscheidungen selbst.

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