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Kettner Edelmetalle
24.07.2025
17:09 Uhr

Syriens neue Schattenregierung: Wie ein australischer Ex-Terrorist die Wirtschaft umbaut

WĂ€hrend die Welt gebannt auf Syriens politischen Neuanfang blickt, vollzieht sich hinter verschlossenen TĂŒren eine wirtschaftliche Revolution, die mehr Fragen als Antworten aufwirft. Ein geheimes Komitee, angefĂŒhrt von zwielichtigen Gestalten mit Kampfnamen und terroristischer Vergangenheit, hat binnen weniger Monate Vermögenswerte im Wert von ĂŒber 1,6 Milliarden Dollar unter seine Kontrolle gebracht. An der Spitze dieser Schattenregierung: der Bruder des neuen PrĂ€sidenten und ein australischer Ex-BĂ€cker mit Verbindungen zu Al-Qaida.

Die neuen Herren der syrischen Wirtschaft

Es ist eine Geschichte, die selbst fĂŒr nahöstliche VerhĂ€ltnisse bizarr anmutet: Abraham Succarieh, ein Cricket-liebender GeschĂ€ftsmann aus Brisbane, der sich online als "Shawarma-Liebhaber" bezeichnet, leitet nun das geheime Wirtschaftskomitee, das Syriens ökonomische Zukunft bestimmt. Unter seinem Kampfnamen Abu Mariam al-Australi empfĂ€ngt er nachts GeschĂ€ftsleute in denselben GebĂ€uden, in denen einst Assads Schergen ihre Erpressungen durchfĂŒhrten – nur dass er dabei eine Pistole am GĂŒrtel trĂ€gt und mit australischem Akzent spricht.

Noch brisanter: Succarieh steht auf Australiens Terrorliste. Sein Bruder Ahmed sprengte sich 2013 als erster bekannter australischer SelbstmordattentĂ€ter in Syrien in die Luft, ein weiterer Bruder wurde wegen Terrorfinanzierung verurteilt. Dass ausgerechnet dieser Mann nun ĂŒber Syriens wirtschaftliche Neuordnung entscheidet, wirft ein bezeichnendes Licht auf die neue FĂŒhrung.

Familienbande und Vetternwirtschaft

Die eigentliche Macht liegt jedoch bei Hazem al-Sharaa, dem Ă€lteren Bruder des neuen PrĂ€sidenten Ahmed al-Sharaa. Der ehemalige PepsiCo-Manager aus dem irakischen Erbil zieht im Hintergrund die FĂ€den, ohne je offiziell ernannt worden zu sein. Bei seinem ersten Auslandsbesuch in Saudi-Arabien wurde er noch vor allen Ministern dem Kronprinzen Mohammed bin Salman vorgestellt – ein deutliches Signal, wer in Syrien wirklich das Sagen hat.

Diese Konstellation erinnert fatal an die Strukturen unter Assad, wo ebenfalls Familienmitglieder und GĂŒnstlinge die Wirtschaft kontrollierten. Statt der erhofften Transparenz und Rechtsstaatlichkeit etabliert sich eine neue Form der Schattenwirtschaft, die sich jeder demokratischen Kontrolle entzieht.

Deals im Hinterzimmer statt Gerechtigkeit

Besonders verstörend ist die Vorgehensweise des Komitees: Statt korrupte Assad-GĂŒnstlinge vor Gericht zu stellen, wie es viele Syrer fordern, werden nĂ€chtliche Deals ausgehandelt. GeschĂ€ftsleute, die sich unter Assad bereicherten – darunter auch solche, die wegen Drogenschmuggels und Waffenhandels sanktioniert sind – können sich mit Geldzahlungen und der Abgabe von Unternehmensanteilen freikaufen.

"Wir wĂŒrden in ihrem Gericht spielen", rechtfertigt ein Komiteemitglied diese fragwĂŒrdige Praxis. Man fĂŒrchte, von den geschĂ€ftstĂŒchtigen Unternehmern vor Gericht ausmanövriert zu werden.

So durfte etwa der Airline-Mogul Issam Shammout, dessen Fluggesellschaft Cham Wings unter US-Sanktionen steht wegen angeblicher Söldnertransporte und Drogenschmuggels, nach Zahlung von 50 Millionen Dollar und Abgabe von 45 Prozent seiner Firma straffrei bleiben. Mohammed Hamsho, dem vorgeworfen wird, aus den TrĂŒmmern zerbombter StĂ€dte Profit geschlagen zu haben, lebt nach einem Ă€hnlichen Deal wieder unbehelligt in seinem Damaszener Penthouse – bewacht von Regierungstruppen.

Die Zentralbank als Machtzentrale

Wie tief die neuen Strukturen bereits verwurzelt sind, zeigt sich in der Zentralbank. Dort hat sich Mustafa Qadid, bekannt unter seinem Kampfnamen Abu Abdelrahman, als "Schattengouverneur" etabliert. Der ehemalige BĂ€cker, der zum MilitĂ€rkommandeur aufstieg, kontrolliert vom zweiten Stock aus alle wichtigen Entscheidungen – zwei Etagen unter dem offiziellen Gouverneur, der ohne seine Zustimmung nichts entscheiden kann.

"Es ist wie frĂŒher, als der Palast alle Angelegenheiten entschied", klagt ein ehemaliger Mitarbeiter. Die Parallelen zum Assad-Regime sind unĂŒbersehbar: Wieder entscheidet eine kleine Clique im Geheimen ĂŒber das Schicksal von Millionen Syrern.

Westliche NaivitÀt und die Folgen

WĂ€hrend diese dubiosen Gestalten Syriens Wirtschaft unter sich aufteilen, hebt die Trump-Administration bereits die Sanktionen auf. Man wolle Syrien "eine Chance auf GrĂ¶ĂŸe" geben, heißt es aus Washington. Diese NaivitĂ€t ist erschreckend: Statt auf Transparenz und Rechtsstaatlichkeit zu pochen, legitimiert der Westen eine neue Form der Kleptokratie.

Vier hochrangige westliche Diplomaten Ă€ußerten bereits Bedenken, dass die Konzentration wirtschaftlicher Macht in den HĂ€nden obskurer Figuren auslĂ€ndische Investitionen abschrecken und Syriens GlaubwĂŒrdigkeit untergraben könnte. Doch ihre Warnungen verhallen ungehört.

Ein Staatsfonds ohne Staat

Besonders dreist mutet die GrĂŒndung eines "Staatsfonds" an, der direkt dem PrĂ€sidenten untersteht und von seinem Bruder kontrolliert wird. Steven Heydemann vom Smith College kritisiert dieses Konstrukt als "verfrĂŒht" und warnt vor der fehlenden Rechenschaftspflicht. TatsĂ€chlich erinnert das Modell eher an die Privatschatullen arabischer Potentaten als an einen modernen Staatsfonds.

Die Vermögenswerte, die in diesen Fonds fließen sollen, stammen aus den erzwungenen Deals mit Assad-GĂŒnstlingen – eine Umverteilung von einer korrupten Elite zur nĂ€chsten, wĂ€hrend das syrische Volk leer ausgeht.

Die bittere Wahrheit ĂŒber Syriens "Neuanfang"

Was sich in Syrien abspielt, ist keine demokratische Transformation, sondern ein Elitenwechsel unter islamistischen Vorzeichen. Die neuen Machthaber, viele mit terroristischer Vergangenheit, haben aus ihrer Zeit in der Rebellenhochburg Idlib gelernt – allerdings nicht die Lektionen von Transparenz und guter RegierungsfĂŒhrung, sondern wie man ein Schattensystem aufbaut, das sich jeder Kontrolle entzieht.

FĂŒr das syrische Volk, das nach Jahren des Krieges auf Gerechtigkeit und einen echten Neuanfang hoffte, ist dies ein bitterer Verrat. Statt die Verbrecher des alten Regimes zur Rechenschaft zu ziehen, werden sie zu GeschĂ€ftspartnern. Statt transparenter Strukturen entstehen neue Seilschaften. Und statt einer offenen Gesellschaft etabliert sich eine islamistische Scheindemokratie, in der bewaffnete "Scheichs" nachts ĂŒber das Schicksal von Unternehmern entscheiden.

Die internationale Gemeinschaft, allen voran die USA unter Trump, macht sich durch ihre voreilige Anerkennung und Aufhebung der Sanktionen mitschuldig an dieser Entwicklung. Wieder einmal zeigt sich: Der Westen hat aus seinen Fehlern im Nahen Osten nichts gelernt. Die Hoffnung, dass aus Islamisten ĂŒber Nacht Demokraten werden, ist eine gefĂ€hrliche Illusion – eine Illusion, fĂŒr die das syrische Volk einen hohen Preis zahlen wird.

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