
Tesla drückt aufs Gas: Pflicht-Sonderschichten für den Grünheide-Rekord!

In Teslas Gigafactory in Grünheide bei Berlin endet am Freitagabend, dem 25. September, die dritte und letzte Pflicht-Sonderschicht für diesen Monat. Der US-Elektroautobauer will ab Mitte Oktober 7500 Model Y pro Woche bauen. Derzeit schafft das Werk nach eigenen Angaben aber weniger als 6500 Fahrzeuge.
Drei Zusatzschichten und 35 Prozent Zuschlag
Die Zahlen stehen Medienberichten zufolge in einer internen Mail an die Belegschaft. Jede der drei Schichtgruppen musste genau einmal ran: in der Nacht auf Samstag, 18. September, in der Frühschicht am 19. September und jetzt noch einmal am 25. September. Mit dem Betriebsrat ist das abgestimmt.
Betroffen ist die gesamte Fahrzeugfertigung einschließlich der Supportbereiche. Die Antriebseinheiten sowie die Batterie- und Zellfertigung bleiben außen vor. Laut dem Bericht zahlt Tesla grundsätzlich 35 Prozent Zuschlag. Wer allerdings auf seinem Flexzeitkonto im Minus steht, geht leer aus.
Das Band läuft schneller, trotzdem fehlen Autos
Am Tempo liegt es nicht. In großen Teilen der Fertigung sollte die Taktzeit von etwa 80 über 60 auf rund 45 Sekunden sinken. Berichten zufolge ist das inzwischen weitgehend geschafft. Beschäftigte erzählen von umgebauten Abläufen und neu automatisierten Stationen. Nicht alles habe allerdings auf Anhieb funktioniert.
Die Rechnung ist knapp. Pro Schicht laufen derzeit etwa 450 Fahrzeuge vom Band. Selbst mit den Sonderschichten dürfte die stärkste Septemberwoche nur 7100 bis 7300 Autos bringen. Ob Tesla das Ziel im Oktober erreicht, ist deshalb offen.
Vom Sorgenkind zum Jobmotor
Der Sprung wirkt so groß, weil 2025 ein schwaches Jahr war. Das Werk baute damals 202.000 Fahrzeuge, 9000 weniger als im Jahr davor. Die Auslastung lag bei gerade einmal 54 Prozent. Der Umsatz fiel von 7,7 auf 7,1 Milliarden Euro. Trotzdem stieg der Jahresüberschuss auf 77,1 Millionen Euro.
Noch im Frühjahr klang es düster. Vor der Betriebsratswahl erklärte Elon Musk in einer Videobotschaft, man werde die Fabrik nicht schließen, realistisch gesehen aber auch nicht erweitern. Die IG Metall holte dann nur 13 der 37 Sitze. Seitdem investiert Tesla wieder. Ab 2027 soll für rund 250 Millionen US-Dollar eine Zellfertigung im Format 4680 entstehen, mit bis zu 18 Gigawattstunden Jahreskapazität.
Die Nachfrage zieht an
Laut Kraftfahrt-Bundesamt kam Tesla im August in Deutschland auf 3034 Neuzulassungen. Das sind 110,5 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Von Januar bis August waren es insgesamt 32.258. Im ganzen Land wurden im August 68.930 reine E-Autos neu zugelassen, ein Anteil von 32,4 Prozent. Grünheide beliefert mehr als 30 Märkte, darunter Taiwan und Kanada.
Brandenburgs Industrie hängt an einem Werk
Tesla ist der größte industrielle Arbeitgeber Brandenburgs. Rund 11.000 Menschen aus mehr als 100 Nationen arbeiten in Grünheide, zwischen 1000 und 2000 von ihnen pendeln täglich aus Polen. Im April kündigte der Konzern 1000 neue Stellen an, ab Oktober sollen weitere 1000 folgen. In der Zellfertigung kommen noch 1500 dazu, zusammen also 3500 neue Jobs. Seit 2020 hat Tesla nach eigenen Angaben mehr als fünf Milliarden Euro in den Standort investiert.
Das ist bemerkenswert, denn klassische deutsche Autobauer streichen gerade Stellen. Ein Konzern aus Texas stellt ein, während traditionelle Hersteller hierzulande sparen. Beobachter sehen darin auch ein Urteil über die Bedingungen für die Industrie in Deutschland.
Wie stark die Region von Entscheidungen in den USA abhängt, zeigen die Beschäftigtenzahlen. Vor zwei Jahren waren es noch 12.415, bei der Betriebsratswahl im März nur noch 10.703. Die Anwohner kennen auch die Schattenseiten: Staus auf der A10, Streit ums Wasser im Trinkwasserschutzgebiet und Rodungen.
Weit weg vom großen Versprechen
Dauerhaft 7500 Autos pro Woche ergeben bei 50 Produktionswochen etwa 375.000 Model Y im Jahr. Ausgelegt war das Werk bei der Eröffnung im März 2022 aber auf 500.000 Fahrzeuge jährlich. Langfristig war sogar von einer Million die Rede. Dieser Ausbau liegt vorerst auf Eis.
Ob Tesla die Marke von 7500 Autos schafft, zeigt sich ab Mitte Oktober. Für Brandenburg geht es dabei um viel.
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