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Todeszüge in Spanien: Wie viel Parteibuch steckt in Adif?

Todeszüge in Spanien: Wie viel Parteibuch steckt in Adif?
Symbolbild: KI-generiert

Über 100 Tote bei zwei Hochgeschwindigkeitsunglücken in nur zehn Monaten: Spaniens einst gefeiertes Bahnsystem erlebt 2026 ein Jahr des Schreckens. Im Zentrum der Kritik steht der staatliche Schienennetzbetreiber Adif, dessen Führung seit 2018 von Funktionären aus dem Umfeld der sozialistischen PSOE von Ministerpräsident Pedro Sánchez gestellt wird. Vier Wochen vor der Parlamentswahl am 29. November wächst der Druck auf Madrid gewaltig.

Von Adamuz bis Urda: Zwei Katastrophen, ein Muster?

Am 18. Januar prallten bei Adamuz in der Provinz Córdoba zwei Schnellzüge zusammen. 46 Menschen starben, Hunderte wurden verletzt. Es war das schwerste Bahnunglück des Landes seit der Tragödie von Santiago de Compostela im Jahr 2013.

Dann kam der 28. Oktober. Bei Urda nahe Toledo raste ein Hochgeschwindigkeitszug auf einen stehenden Zug. Mindestens 69 Menschen verloren ihr Leben. Sánchez selbst räumte Medienberichten zufolge ein, das Vertrauen in das Bahnsystem sei erschüttert. Eine bemerkenswerte Einsicht. Und eine späte.

Fehlerhafte Schweißnaht, falsche Freigabe

Laut den Berichten deutet in beiden Fällen vieles auf eine erhebliche Mitverantwortung von Adif hin. Adif verwaltet die gesamte Infrastruktur, den Zugbetrieb übernehmen die staatliche Renfe und private Anbieter. In Adamuz soll eine gebrochene Schweißverbindung den Crash ausgelöst haben. Die Naht sei mangelhaft ausgeführt worden, weil die Ausschreibung den eigenen Vorgaben des Netzbetreibers widersprochen habe. Ein Warnsystem habe zudem offenbar wegen falscher Konfiguration versagt.

Gerichtliche Gutachter stießen später auf eine Unebenheit an exakt der Bruchstelle. Medienberichten zufolge war sie Adif bereits im Oktober 2025 bekannt – eingestuft in die niedrigste Alarmstufe. Der Betreiber verteidigte sich: Der Wert habe innerhalb der europäischen Toleranzen gelegen.

In Urda wiederum fiel das veraltete Zugsicherungssystem aus. Nach dem Stopp aller Züge habe die Adif-Leitstelle den Verkehr ohne Tempolimit wieder freigegeben. Vorgesehen wären höchstens 40 km/h gewesen. Was folgte, war ein Auffahrunfall mit verheerenden Folgen.

Ein Chefsessel mit politischer Vorgeschichte

Adif-Präsident Luis Pedro Marco steht schon seit Januar unter Beschuss. Der frühere stellvertretende Verkehrsminister des Baskenlandes wurde von den baskischen Sozialisten ernannt und gilt spanischen Medien als enger Vertrauter mehrerer PSOE-Politiker. Er übernahm 2024, nachdem sein Vorgänger Ángel Contreras im Zuge einer Korruptionsaffäre gehen musste.

Gegen Ex-Präsidentin Isabel Pardo de Vera, von 2018 bis 2021 im Amt, wird ermittelt. Sie soll an illegalen Auftragsvergaben an Bauunternehmen beteiligt gewesen sein – es gilt die Unschuldsvermutung. Der frühere Minister José Luis Ábalos, ebenfalls aus Sánchez' Umfeld, wurde im Juni zu mehr als 24 Jahren Haft verurteilt.

Opposition schäumt, Minister mauert

Für PP-Chef Alberto Núñez Feijóo ist die Sache klar:

Die Unglücke könnten „weder als Einzelfall abgetan noch auf persönliches Versagen oder eine unvermeidbare Tragödie reduziert werden“.

Er spricht von systemischem Versagen. VOX-Chef Santiago Abascal wählte noch drastischere Worte, nannte die Unglücke „Verbrechen dieser mafiösen Regierung an ihrem Volk“, setzte den Wahlkampf fort und reichte Klage gegen die Adif-Verantwortlichen ein.

Und Verkehrsminister Óscar Puente? Er sieht offenbar keine Schuld bei sich. Er stelle sich der Wahrheit und habe nichts zu verbergen, erklärte er. Schon im Januar hatte er die Angehörigen der Opfer von Adamuz mit dem Satz „Ich habe die Schiene nicht geschweißt“ fassungslos zurückgelassen. Inzwischen sollen selbst anonyme Stimmen in der PSOE seinen Rücktritt fordern. Offiziell halten Partei und Sánchez an ihm fest.

Eine Lektion auch für Deutschland

Die Frage, die Spanien jetzt umtreibt, ist keine spanische allein: Was passiert, wenn Staatskonzerne zur Versorgungsstation für Parteifreunde werden? Auch hierzulande kennt man marode Gleise und politisch besetzte Bahnposten – das Unglück von Garmisch-Partenkirchen 2022 mit fünf Toten ist unvergessen. Ob Milliarden aus dem Sondervermögen daran etwas ändern, hängt am Ende weniger am Geld als an Kompetenz und echter Verantwortung.

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