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Treueschwur-AffÀre in Magdeburg: Muss CDU-Chef Schulze jetzt gehen?

Treueschwur-AffÀre in Magdeburg: Muss CDU-Chef Schulze jetzt gehen?
Symbolbild: KI-generiert

In Sachsen-Anhalt gibt es einen handfesten Skandal um das Wahlgeheimnis. Wie mehrere Medien berichten, sollten CDU-Landtagsabgeordnete per eidesstattlicher Versicherung erklĂ€ren, dass sie den AfD-Politiker Tobias Rausch nicht zum LandtagsprĂ€sidenten gewĂ€hlt haben. Jetzt verlangt der frĂŒhere CDU-Abgeordnete Alexander RĂ€uscher den RĂŒcktritt von Fraktionschef und Noch-MinisterprĂ€sident Sven Schulze.

Ein Papier, das es nicht hĂ€tte geben dĂŒrfen

Das Portal Nius hatte die Sache zuerst öffentlich gemacht. In einer Sitzung der CDU-Fraktion, laut Nius am 13. Oktober, habe ein vorbereitetes Dokument auf dem Tisch gelegen. Jeder Abgeordnete sollte damit versichern, weder fĂŒr Rausch noch fĂŒr dessen Parteikollegen Hans-Thomas Tillschneider als VizeprĂ€sidenten gestimmt und auch keine Absprachen mit der AfD getroffen zu haben.

Die Klausel am Ende hat es in sich. Sollte das Gegenteil bewiesen werden, hÀtten die Unterzeichner ihr Mandat niederlegen sollen. Mehrere CDU-Abgeordnete haben der Deutschen Presse-Agentur bestÀtigt, dass ihnen eine solche ErklÀrung vorgelegt wurde.

Schulze weist jede Urheberschaft zurĂŒck

Schulze bestreitet, dass er dahintersteckt. Der Welt sagte er, die Idee komme „weder von mir noch aus dem Fraktionsvorstand“. GegenĂŒber der dpa erklĂ€rte er, der Vorschlag sei aus der Fraktion heraus eingebracht, diskutiert und dann verworfen worden. Auch die Bild berichtet, die Idee stamme ursprĂŒnglich nicht von Schulze.

AuffĂ€llig bleibt aber eines: Dass es das Papier gab, bestreitet Schulze nicht. Er bestreitet nur, der Urheber zu sein. Und es lag immerhin in einer Fraktion auf dem Tisch, die er selbst fĂŒhrt.

„Wenn es zutrifft, dass eine eidesstattliche ErklĂ€rung den CDU-Abgeordneten zur Unterschrift vorgelegt wurde zum Abstimmungsverhalten bei der Wahl des LandtagsprĂ€sidenten, dann ist das ein Grund, dass der Fraktionsvorsitzende und amtierende MinisterprĂ€sident Sven Schulze zurĂŒcktreten muss.“

So Ă€ußerte sich RĂ€uscher gegenĂŒber der Welt. Seiner Ansicht nach zeugt das Vorgehen von einem absurden DemokratieverstĂ€ndnis. Es mache die eigenen Werte verĂ€chtlich und trete die Rechte der Abgeordneten mit FĂŒĂŸen. Die CDU brauche einen personellen Neuanfang an der Spitze, um wieder „den Kopf freibekommen“ zu können. Laut Bild fordert inzwischen auch das BSW Schulzes RĂŒcktritt.

Wie es zu der Wahl kam

Die Vorgeschichte ist schnell erzĂ€hlt. Nach der Landtagswahl am 6. September 2026 wurde Rausch Anfang Oktober zum LandtagsprĂ€sidenten gewĂ€hlt. Er ist der erste AfD-Politiker, der ein deutsches Landesparlament leitet. AfD und BSW hatten ihre UnterstĂŒtzung vorher angekĂŒndigt. Nach Medienberichten bekam Rausch aber mutmaßlich vier Stimmen aus anderen Fraktionen. Tillschneider kam auf 44 Ja-Stimmen, obwohl die AfD nur 39 Sitze hat.

Seitdem wird spekuliert, woher die zusĂ€tzlichen Stimmen kamen. Viele vermuten sie in der CDU, die Fraktion weist das bisher zurĂŒck. Belegen lĂ€sst es sich nicht, weil die Wahl geheim war. Genau dieses Wahlgeheimnis sollte die eidesstattliche Versicherung im Nachhinein aushebeln.

Das freie Mandat als Verhandlungsmasse?

Hier liegt der eigentliche Kern der AffĂ€re. Abgeordnete sind ihrem Gewissen verpflichtet und nicht dem Fraktionsvorstand. Das freie Mandat und die geheime Wahl sollen sie vor Druck aus der eigenen Partei schĂŒtzen. Ein Papier, das bei einer „falschen“ Stimme den Mandatsverzicht vorsieht, stellt dieses Prinzip auf den Kopf. Kritiker sehen darin eher Parteidisziplin um jeden Preis als gelebten Parlamentarismus.

Laut der FAZ bringt der abgelöste frĂŒhere Fraktionschef Guido Heuer sogar den Vorwurf der Nötigung ins Spiel. Ob das juristisch trĂ€gt, ist offen. Politisch ist der Schaden aber schon entstanden.

Die eigentliche BewÀhrungsprobe kommt noch

Mitte Dezember will sich AfD-Mann Ulrich Siegmund zum MinisterprĂ€sidenten wĂ€hlen lassen. Die CDU-Fraktion hat unter Schulze beschlossen, dann den Plenarsaal zu verlassen. Heuer hat schon angekĂŒndigt, sitzen zu bleiben, und an der Basis wĂ€chst der Unmut. Wer die eigenen Leute schon jetzt schriftlich auf Linie bringen will, so meinen Beobachter, zeige vor allem eines: wie wenig Vertrauen in der eigenen Fraktion noch ĂŒbrig ist.

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