
Trumps Grönland-Obsession: Europa zwischen Erpressung und Ohnmacht

Was wie ein schlechter Scherz aus einem politischen Kabarett klingt, ist bittere Realität geworden: Der mächtigste Mann der westlichen Welt droht seinen engsten Verbündeten mit wirtschaftlicher Strangulation, um eine arktische Insel in seinen Besitz zu bringen. „Es wird erledigt werden!!!", poltert Donald Trump auf seiner Plattform Truth Social – drei Ausrufezeichen, als würde die Interpunktion seine Entschlossenheit unterstreichen.
Zölle als Waffe gegen die eigenen Partner
Die Fakten sind so absurd wie beunruhigend: Ab dem 1. Februar sollen Deutschland, Dänemark, Norwegen, Schweden, Frankreich, Großbritannien, die Niederlande und Finnland zehn Prozent zusätzliche Zölle zahlen. Ab Juni dann satte 25 Prozent. Der Grund? Dänemark weigert sich standhaft, sein autonomes Territorium Grönland an die Vereinigten Staaten zu verkaufen. Man reibt sich verwundert die Augen – befinden wir uns im 21. Jahrhundert oder in der Ära des Kolonialismus?
US-Finanzminister Scott Bessent lieferte in der NBC-Sendung „Meet the Press" eine Einschätzung, die an Arroganz kaum zu überbieten ist: „Die Europäer wirken schwach. Die USA wirken stark." Eine Aussage, die in ihrer Direktheit zumindest ehrlich ist – und Europa einen Spiegel vorhält, in den man nur ungern blickt.
Europas zaghafte Reaktion
Bundesfinanzminister Lars Klingbeil bemühte sich um starke Worte: „Wir lassen uns nicht erpressen." Gemeinsam mit seinem französischen Amtskollegen Roland Lescure kündigte er eine „geschlossene und deutliche Antwort Europas" an. Drei Gegenmaßnahmen stünden bereit: Die ausgehandelte Zollvereinbarung liege „auf Eis", die bis Februar ausgesetzten europäischen Vergeltungszölle könnten aktiviert werden, und der „europäische Instrumentenkasten" gegen wirtschaftliche Erpressung werde geprüft.
„Trump behandelt Europa inzwischen wie einen wirtschaftlichen Gegner und, noch schlimmer, wie einen Deppen."
Diese Einschätzung stammt ausgerechnet von Marie Agnes Strack-Zimmermann, der Vorsitzenden des EU-Verteidigungsausschusses. Die FDP-Politikerin fordert harte wirtschaftliche Gegenmaßnahmen und warnt davor, sich Illusionen über eine Verhaltensänderung Trumps zu machen.
Baerbocks Analyse trifft ins Schwarze – ausnahmsweise
Selbst Annalena Baerbock, mittlerweile Präsidentin der UN-Vollversammlung, findet für einmal die richtigen Worte. Trumps Zollpolitik sei „ein absoluter Schuss ins eigene wirtschaftliche Knie". Die USA seien „heftigst verschuldet" und hätten ein vitales Interesse am Welthandel. Die regelbasierte Ordnung der Vereinten Nationen stehe „offensiv unter Attacke".
Bemerkenswert ist auch die Reaktion aus Moskau: Kremlsprecher Dmitri Peskow meinte süffisant, Trump würde mit einer Grönland-Übernahme „in die Weltgeschichte eingehen". Eine Aussage von zynischer Ironie, bedenkt man, dass Russland selbst Territorium anderer souveräner Staaten beansprucht.
Ein Sondergipfel als Hoffnungsschimmer?
EU-Ratspräsident António Costa hat für Ende der Woche einen Sondergipfel einberufen. Vergeltungszölle auf US-Importe im Wert von rund 93 Milliarden Euro stehen im Raum. Österreichs Bundeskanzler Christian Stocker sicherte Dänemark und Grönland die „volle Solidarität" zu und mahnte, Entscheidungen dürften nicht „über die Köpfe der Menschen hinweg" getroffen werden.
Die Frage bleibt: Hat Europa den Mut, seine wirtschaftliche Stärke tatsächlich einzusetzen? Oder wird man sich wieder in endlosen Kompromissrunden verlieren, während Trump Fakten schafft? Die Geschichte wird zeigen, ob die europäische Einigkeit mehr ist als wohlfeile Sonntagsreden. In Zeiten wie diesen zeigt sich einmal mehr, warum physische Edelmetalle als krisensichere Anlage an Bedeutung gewinnen – wenn selbst transatlantische Bündnisse über Nacht zur Disposition stehen.












