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Kettner Edelmetalle
17.02.2026
19:12 Uhr

Trumps Schachzug gegen Europa: Wie ein Käse-Deal die EU vorführt

Während Brüssel sich in endlosen internen Debatten verliert, hat Donald Trump zugeschlagen – und zwar dort, wo es Europa besonders wehtut: beim Schutz seiner kulinarischen Kronjuwelen. Ein bilaterales Handelsabkommen zwischen den USA und Argentinien unter Präsident Javier Milei droht, die mühsam ausgehandelten Schutzrechte für europäische Traditionsprodukte im Rahmen des EU-Mercosur-Abkommens zur Makulatur zu machen. Gorgonzola aus Wisconsin statt aus der Lombardei? Was wie eine Satire klingt, könnte bittere Realität werden.

Europas Zögerlichkeit wird zum Bumerang

Die Faktenlage ist so simpel wie beschämend für die Europäische Union: Wer zuerst ratifiziert, gewinnt. Und während die EU seit über einer Generation – man lese und staune – an ihrem Handelsabkommen mit dem südamerikanischen Mercosur-Block herumfeilt, hat Trump in wenigen Wochen Fakten geschaffen. Sein Abkommen mit Milei würde es amerikanischen Nachahmerprodukten erlauben, unter den Namen europäischer Delikatessen frei nach Argentinien exportiert zu werden. Fontina, Roquefort, griechischer Feta – all diese geschützten Herkunftsbezeichnungen, die für europäische Produzenten bares Geld bedeuten, stünden plötzlich zur Disposition.

Der italienische Europaabgeordnete Stefano Bonaccini brachte es auf den Punkt: Wenn Europa ein geopolitischer Riese sein wolle, müsse es in der Lage sein, Entscheidungen zu treffen, ohne Zeit zu verschwenden. Eine Mahnung, die angesichts der chronischen Entscheidungsschwäche der EU fast schon zynisch wirkt.

Mehr als 300 Produkte auf dem Spiel

Im EU-Mercosur-Abkommen wären über 300 europäische Lebensmittel- und Getränkeprodukte in Argentinien, Brasilien, Paraguay und Uruguay vor Nachahmungen geschützt. Parmigiano Reggiano, Mortadella di Bologna – Produkte, die nicht nur für kulinarische Exzellenz stehen, sondern für eine jahrhundertealte Handwerkstradition, die das Rückgrat ganzer Regionen bildet. Doch was nützt der schönste Schutz auf dem Papier, wenn er nie in Kraft tritt?

Die Ironie der Geschichte ist kaum zu überbieten: Ausgerechnet jene EU, die sich als Hüterin des regelbasierten Welthandels inszeniert, wird von ihrer eigenen Schwerfälligkeit überholt. John Clarke, der ehemalige Agrarhandelsunterhändler der EU, fand dafür deutliche Worte: Die Verzögerungstaktik der EU sei schlicht dumm gewesen. Man habe immer wieder aufgeschoben und aufgeschoben – und nun stehe man mit leeren Händen da.

Das Europaparlament als Bremsklotz

Als hätte die Geschichte nicht schon genug Absurdität zu bieten, setzten die europäischen Parlamentarier noch einen drauf. Obwohl Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen das Abkommen Anfang des Jahres feierlich unterzeichnete und die EU-Mitgliedstaaten die Ratifizierung unterstützten, verwiesen die Abgeordneten das Abkommen zur Überprüfung an den Europäischen Gerichtshof. Das Ergebnis? Eine mögliche Verzögerung von bis zu zwei weiteren Jahren. Zwei Jahre, in denen Trump und Milei ihre Handelsbeziehungen weiter zementieren können.

Die Europäische Kommission plant nun, das Abkommen vorläufig anzuwenden, sobald eines der Mercosur-Länder es auf seiner Seite ratifiziert hat. Argentinien und Uruguay könnten dies innerhalb weniger Wochen tun. Doch ob diese vorläufige Anwendung ausreicht, um den Schaden zu begrenzen, bleibt fraglich.

Frankreich gegen den Rest: Die alte Leier

Die französische Abgeordnete Céline Imart, selbst Landwirtin und entschiedene Gegnerin des Mercosur-Abkommens, sieht in Mileis Annäherung an Trump den Beweis dafür, dass das gesamte Abkommen von Anfang an faul gewesen sei. Eine Position, die man als typisch französische Blockadehaltung abtun könnte – wäre da nicht ein berechtigter Kern: Wie sollen europäische Landwirte darauf vertrauen, dass die ihnen zugesicherten Schutzrechte tatsächlich durchgesetzt werden, wenn Argentinien gleichzeitig den Amerikanern das Gegenteil verspricht?

Geraldo Vidigal, Professor für internationales Handelsrecht an der Universität Amsterdam, bestätigte das Dilemma: Es sei schwer vorstellbar, wie Argentinien beide Abkommen gleichzeitig einhalten könne. Der Schutz europäischer Käse- und Fleischbezeichnungen sei einer der großen Verhandlungserfolge der EU im Mercosur-Abkommen gewesen – ein Erfolg, der nun zu verpuffen droht.

China lacht, Europa streitet

Besonders pikant ist der geopolitische Kontext. Während die EU sich in internen Grabenkämpfen zwischen Freihandelsbefürwortern und protektionistischen Kräften aufreibt, hat China die Europäische Union längst als größten Handelspartner Lateinamerikas abgelöst. Peking handelt, Brüssel debattiert. Ein Muster, das sich in der europäischen Außen- und Handelspolitik mit ermüdender Regelmäßigkeit wiederholt.

Auch Brasilien beobachtet die Entwicklung mit Argwohn und prüft derzeit, ob das Abkommen zwischen Milei und Trump gegen die internen Regeln des Mercosur-Blocks verstößt. Die europäische Milchwirtschaft gibt sich derweil betont gelassen. Alexander Anton, Generalsekretär des Europäischen Milchverbands, erklärte, die Amerikaner verschwendeten ihre Zeit und Energie mit dem Versuch, bereits vereinbarte Schutzrechte zu untergraben. Eine Gelassenheit, die angesichts der Faktenlage fast schon an Naivität grenzt.

Ein Lehrstück in geopolitischer Inkompetenz

Was sich hier vor unseren Augen abspielt, ist mehr als ein Streit um Käsenamen. Es ist ein Lehrstück darüber, wie die Europäische Union durch ihre institutionelle Trägheit, ihre internen Machtkämpfe und ihre Unfähigkeit zu schnellen Entscheidungen systematisch an geopolitischem Gewicht verliert. Trump, bei aller berechtigten Kritik an seiner Zollpolitik und seinen protektionistischen Reflexen, hat eines verstanden: In der internationalen Handelspolitik gewinnt, wer handelt – nicht, wer endlos verhandelt.

Für die neue Bundesregierung unter Friedrich Merz sollte dieser Vorgang ein Weckruf sein. Deutschland als größte Volkswirtschaft der EU hat ein vitales Interesse daran, dass europäische Handelsabkommen nicht nur ausgehandelt, sondern auch ratifiziert werden. Doch ob die Große Koalition in Berlin den Mut aufbringt, sich gegen die französische Blockadepolitik zu stellen und auf eine zügige Ratifizierung des Mercosur-Abkommens zu drängen, darf bezweifelt werden. Zu groß ist die Angst vor innenpolitischem Gegenwind, zu stark die Neigung, sich hinter Brüsseler Bürokratie zu verstecken.

Die europäische Landwirtschaftslobby Copa-Cogeca hat bereits angekündigt, ihre Opposition gegen das Abkommen zu verstärken, sollte Argentinien tatsächlich amerikanische Nachahmerprodukte ins Land lassen. Damit droht ein Teufelskreis: Je länger die EU zögert, desto mehr Fakten schaffen andere – und desto lauter werden die Stimmen derer, die das Abkommen ganz kippen wollen.

Am Ende bleibt eine bittere Erkenntnis: Während Europa noch darüber streitet, ob der Gorgonzola wirklich aus Gorgonzola kommen muss, hat der Rest der Welt längst die Käsetheke übernommen.

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