
TĂĽrkisch-Rede und Kreistanz: So feierte die Linke ihren Berlin-Sieg

Berlin, Sonntagabend, 20. September 2026: Während die Hochrechnungen über die Bildschirme laufen, tanzen Politiker der Linkspartei auf ihrer Wahlparty den kurdischen Kreistanz Halay. Spitzenkandidatin Elif Eralp wendet sich auf Türkisch an die Anwesenden. Kameras halten alles fest – und arabischsprachige Sender berichten live.
Es ist der wohl spektakulärste Wahlsieg, den eine Linkspartei je in einem westdeutschen Bundesland eingefahren hat. Laut vorläufigem Ergebnis der Landeswahlleitung kam Die Linke auf 25,7 Prozent der Zweitstimmen – nach 12,2 Prozent im Jahr 2023. Die CDU stürzte auf 18,8 Prozent ab, die AfD erreichte 16,3, die Grünen 14,3 und die SPD nur noch 12,1 Prozent. Die Wahlbeteiligung lag bei 74,2 Prozent.
Ein Abend wie eine Botschaft
Was auf der Feier geschah, war Medienberichten zufolge kein spontaner Freudenausbruch, sondern kalkulierte Bildpolitik: In der Mitte der Tanzkreise standen die eigenen Kameraleute. Auf Videos ist zu sehen, wie nahezu der ganze Saal in kleinen Gruppen tanzt.
Dem Bericht zufolge rief Eralp gemeinsam mit Feiernden den Slogan „Jin, Jiyan, Azadî“ – jene kurdische Parole, die bereits in den 1990er-Jahren von der verbotenen PKK genutzt wurde und 2022 nach dem Tod der Kurdin Jina Mahsa Amini im Iran weltweite Bekanntheit erlangte.
Auf der Bühne sollen Politiker zudem „Viva Palästina“ gerufen haben. Der Sender Al Arabiya berichtete über den Abend, Al Jazeera führte ein englischsprachiges Interview mit der Spitzenkandidatin. Darin habe sie dem Regierenden Bürgermeister vorgeworfen, die Sorgen der Palästinenser in Berlin nicht ernst genommen zu haben, und der israelischen Regierung einen Völkermord im Gazastreifen vorgeworfen.
Wahlkampf in vier Sprachen
Der Auftritt kam nicht aus dem Nichts. Vor allem in Neukölln warb die Partei dem Bericht zufolge mit Plakaten „Freiheit für Palästina“ – teils auf Deutsch, Arabisch, Türkisch und Englisch. Der Linken-Politiker Basem Said habe auf Instagram zur „Wahl-Intifada“ aufgerufen und ein arabischsprachiges Werbevideo gepostet, an der Brust einen Melonen-Anstecker, das Symbol pro-palästinensischer Positionierung.
Die türkische Tageszeitung Sözcü feierte den Erfolg mit einer euphorischen Schlagzeile über eine „türkische Kandidatin“, die die Urnen sprenge.
Gäste, die Fragen aufwerfen
Brisant sind die Begleitumstände. Der Bundestagsabgeordnete Ferat Koçak ließ sich Medienberichten zufolge mit dem Aktivisten Ibrahim Ibrahim fotografieren, der dem „Vereinigten Palästinensischen Nationalkomitee“ angehört – einer Organisation, die dem Bericht zufolge als Sammelbecken für Hamas-Anhänger in Deutschland gilt und vom Berliner Verfassungsschutz beobachtet wird. Das Komitee habe für sich reklamiert, erheblich zum Wahlsieg beigetragen zu haben.
Kurzzeitig anwesend war demnach auch Issa Remmo, der als Oberhaupt der bekannten Berliner GroĂźfamilie gilt. Er sei zum Verlassen der Veranstaltung aufgefordert worden, die Partei habe sich anschlieĂźend distanziert. Der Berliner Morgenpost sagte er laut dem Bericht, er fĂĽhle sich von der Partei verstanden.
Was das fĂĽr Berlin bedeutet
Aus Sicht unserer Redaktion offenbart dieser Abend ein Muster: Eine Partei, die in der Hauptstadt um Mehrheiten in Milieus kämpft, in denen Nahost-Konflikte stärker mobilisieren als Mieten, Schulen oder Sicherheit. Kritiker sehen darin eine Politik, die Gemeinsamkeiten zerlegt statt sie zu stiften.
47 Sitze hat Die Linke nun im Abgeordnetenhaus – mehr als jede andere Partei. Berlin steht damit vor einer Legislaturperiode, in der sich zeigen muss, ob Symbolpolitik die alltäglichen Probleme der Bürger löst. Zweifel sind erlaubt.
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