
US-Konzerne wollen Russlands Gasherrschaft auf dem Balkan brechen

Während Europa sich in endlosen Debatten über Energiesicherheit verliert, handeln amerikanische Unternehmen. Mit einem ambitionierten Pipeline-Projekt namens "Southern Interconnection" wollen zwei US-Firmen Bosnien und Herzegowina aus der vollständigen Abhängigkeit von russischem Gas befreien – und dabei natürlich ihre eigenen Interessen durchsetzen.
Ein Land, eine Quelle, null Alternativen
Die Ausgangslage könnte dramatischer kaum sein: Bosnien und Herzegowina bezieht sein gesamtes Erdgas über die russische TurkStream-Pipeline. Hundert Prozent Abhängigkeit von Moskau – das ist selbst für europäische Verhältnisse bemerkenswert. Anders als Ungarn, die Slowakei oder Serbien verfügt das kleine Balkanland über keinerlei Ausweichmöglichkeiten. Jeder Kubikmeter Gas, der in bosnischen Haushalten und Fabriken verbrannt wird, stammt aus russischen Quellen.
Diese prekäre Situation wollen nun die amerikanischen Unternehmen AAFS Infrastructure und AAFS Energy ändern. Ein entsprechendes Konsortium hat der Regierung der Föderation Bosnien und Herzegowina eine offizielle Absichtserklärung übermittelt. Das Projekt soll das Land an das LNG-Terminal auf der kroatischen Insel Krk anbinden und damit erstmals eine Lieferroute schaffen, die nicht durch russische Hände geht.
Trumps Netzwerk mischt kräftig mit
Besondere Brisanz erhält das Vorhaben durch die beteiligten Akteure. Nach Angaben aus Regierungskreisen waren an den Verhandlungen Personen beteiligt, die dem direkten Umfeld von US-Präsident Donald Trump zugerechnet werden. Der Anwalt Jesse Binnall sowie der politische Berater Joe Flynn sollen im Namen der amerikanischen Firmen Gespräche geführt haben. Ein Zufall? Wohl kaum.
Für die Trump-Administration ist das Projekt ein weiterer Baustein in der Strategie, Russlands Einfluss auf die europäische Energieversorgung systematisch zurückzudrängen. Nach den Sanktionen gegen Nord Stream 2 während seiner ersten Amtszeit richtet sich der Fokus nun auf den Balkan – eine Region, in der Moskau bislang besonders fest verankert ist.
Mehr als nur eine Pipeline
Die amerikanischen Investoren denken groß. Neben der Hauptleitung signalisierten sie Interesse an weiteren Projekten: dem Bau gasbetriebener Kraftwerke, der Erweiterung der Leitung Kladanj–Tuzla sowie der Modernisierung von Flughäfen im Land. Ein umfassendes Engagement, das weit über die reine Gasversorgung hinausgeht.
Ein gespaltenes Land, ein gespaltenes Projekt
Doch so vielversprechend die Pläne klingen mögen – die Realität auf dem Balkan ist kompliziert. Bosnien und Herzegowina besteht aus zwei autonomen Landesteilen mit völlig unterschiedlichen geopolitischen Ausrichtungen. Während die Föderation das Projekt enthusiastisch unterstützt, steht die Republika Srpska dem Vorhaben skeptisch bis ablehnend gegenüber. Die serbische Teilrepublik gilt als klar prorussisch und dürfte wenig Interesse daran haben, die Verbindungen zu Moskau zu kappen.
Diese innenpolitische Zerrissenheit könnte das gesamte Projekt gefährden. Ohne Zustimmung beider Landesteile wird der Bau einer landesweiten Infrastruktur zum politischen Minenfeld.
Abhängigkeit gegen Abhängigkeit?
Kritiker werfen zudem eine unbequeme Frage auf: Wird hier tatsächlich Unabhängigkeit geschaffen – oder lediglich eine Abhängigkeit durch eine andere ersetzt? Über Kroatien könnte künftig Flüssigerdgas aus globalen Märkten eingespeist werden, vor allem aus den USA, Katar oder Afrika. Die Preise auf dem LNG-Spotmarkt sind jedoch notorisch volatil und oft deutlich höher als bei langfristigen Pipeline-Verträgen.
Praktisch könnte die Abhängigkeit von Russland hier lediglich durch eine neue Abhängigkeit vom LNG-Markt und amerikanischen Anbietern ersetzt werden – zu möglicherweise höheren Lieferpreisen.
Für ein wirtschaftlich schwaches Land wie Bosnien und Herzegowina, das kein EU-Mitglied ist und damit auch nicht von europäischen Solidaritätsmechanismen profitiert, könnte dies zur finanziellen Belastungsprobe werden.
Jahre bis zur Fertigstellung
Selbst bei politischem Rückenwind würde der Bau der Southern Interconnection Jahre dauern. Die bestehenden Verträge mit Gazprom laufen weiter, die Preise werden quartalsweise angepasst. Kurzfristig bleibt russisches Gas schlicht alternativlos.
Dennoch markiert das Projekt einen strategischen Wendepunkt. Zum ersten Mal seit Jahren liegt ein konkreter Plan auf dem Tisch, Bosnien und Herzegowina aus der vollständigen Abhängigkeit von russischem Gas zu lösen. Ob dieser Plan jemals Realität wird, steht in den Sternen. Doch allein die Tatsache, dass amerikanische Investoren mit Verbindungen ins Weiße Haus auf dem Balkan aktiv werden, zeigt: Der Kampf um Europas Energiezukunft wird längst nicht mehr nur in Brüssel oder Berlin entschieden.
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