
Vatikan erteilt Trumps „Board of Peace" eine diplomatische Abfuhr
Es ist eine jener Szenen, die man sich kaum besser ausdenken könnte: Der mächtigste Mann der westlichen Welt lädt den Stellvertreter Christi auf Erden ein, an seinem persönlichen Friedensgremium teilzunehmen – und erhält eine höfliche, aber unmissverständliche Absage. Der Vatikan wird sich nicht an Donald Trumps sogenanntem „Board of Peace" beteiligen. Das erklärte Kardinal Pietro Parolin, der ranghöchste Diplomat des Heiligen Stuhls, am Dienstag in unmissverständlicher Klarheit.
Ein Friedensgremium ohne Legitimation?
Die Begründung Parolins hat es in sich. Der Vatikan sei aufgrund seiner „besonderen Natur, die offensichtlich nicht die anderer Staaten ist", nicht in der Lage, an einem solchen Gremium teilzunehmen. Doch der eigentliche Kern seiner Kritik liegt tiefer: Internationale Krisensituationen sollten vor allem von den Vereinten Nationen gemanagt werden. „Das ist einer der Punkte, auf denen wir bestanden haben", so der Kardinal wörtlich.
Papst Leo XIV., der erste US-amerikanische Papst in der Geschichte der katholischen Kirche und bekanntermaßen ein Kritiker einiger Politiken Trumps, war bereits im Januar eingeladen worden, dem Gremium beizutreten. Dass ausgerechnet ein amerikanischer Pontifex seinem eigenen Landsmann im Weißen Haus derart deutlich die kalte Schulter zeigt, dürfte in Washington für einige Verstimmung sorgen.
Trumps Gaza-Plan: Friedensstifter oder Kolonialherr?
Das „Board of Peace" entstand ursprünglich im Rahmen von Trumps Gaza-Plan, der im Oktober zu einem fragilen Waffenstillstand führte. Das Gremium sollte die vorübergehende Verwaltung des Gazastreifens überwachen. Trump erweiterte den Auftrag anschließend eigenmächtig: Mit ihm selbst als Vorsitzendem solle das Board künftig globale Konflikte angehen. Am Donnerstag soll in Washington die erste Sitzung stattfinden, bei der es um den Wiederaufbau Gazas gehen wird.
Zahlreiche Menschenrechtsexperten sehen in der Konstruktion – ein US-Präsident beaufsichtigt die Angelegenheiten eines fremden Territoriums – eine Struktur, die an koloniale Zeiten erinnere. Besonders brisant: Kein einziger Palästinenser sitzt in dem Gremium. Man fragt sich unwillkürlich, wie ein Friedensboard ohne die Betroffenen selbst funktionieren soll. Die Antwort liegt auf der Hand: vermutlich gar nicht.
Westliche Verbündete halten sich zurück
Die internationale Reaktion auf Trumps Initiative fällt bestenfalls verhalten aus. Italien und die Europäische Union haben angekündigt, lediglich als Beobachter an der Sitzung teilzunehmen – ein diplomatisches Signal, das kaum deutlicher sein könnte. Während einige nahöstliche Verbündete Washingtons dem Board beigetreten seien, hielten sich die westlichen Partner bislang konsequent fern.
Diese Zurückhaltung ist nachvollziehbar. Denn die Sorge, dass Trumps Alleingänge die ohnehin angeschlagene Autorität der Vereinten Nationen weiter untergraben könnten, ist berechtigt. Wer braucht schon multilaterale Institutionen, wenn ein einzelner Mann am Schreibtisch im Oval Office die Weltordnung neu sortieren möchte?
Die humanitäre Katastrophe in Gaza
Unterdessen bleibt die Lage vor Ort verheerend. Der Waffenstillstand wurde wiederholt gebrochen. Hunderte Palästinenser und vier israelische Soldaten seien seit Oktober getötet worden. Israels Militäroffensive habe insgesamt über 72.000 Todesopfer gefordert, eine Hungerkrise ausgelöst und die gesamte Bevölkerung Gazas zu Binnenvertriebenen gemacht. Mehrere Menschenrechtsexperten, Wissenschaftler und eine UN-Untersuchungskommission sprechen von einem Genozid. Israel bezeichnet seine Maßnahmen als Selbstverteidigung nach dem Hamas-Angriff Ende 2023, bei dem rund 1.200 Menschen getötet und über 250 als Geiseln genommen wurden.
Papst Leo hat die Zustände in Gaza wiederholt scharf verurteilt. Als Oberhaupt von 1,4 Milliarden Katholiken weltweit verfügt der Vatikan über einen umfangreichen diplomatischen Dienst und ist ständiger Beobachter bei den Vereinten Nationen. Dass er sich internationalen Gremien anschließt, kommt äußerst selten vor – und dass er einem solchen demonstrativ fernbleibt, sendet ein umso stärkeres Signal.
Ein Lehrstück in Realpolitik
Die Absage des Vatikans ist mehr als eine diplomatische Fußnote. Sie offenbart die wachsende Isolation, in die sich die Trump-Administration mit ihren unilateralen Vorstößen manövriert. Wenn selbst der Heilige Stuhl – traditionell um Ausgleich und Dialog bemüht – einem amerikanischen Friedensprojekt die Teilnahme verweigert, dann sollte das in Washington zu denken geben. Doch ob Donald Trump ein Mann ist, der sich von solchen Signalen beeindrucken lässt, darf bezweifelt werden. Sein „Board of Peace" wird am Donnerstag tagen – mit oder ohne päpstlichen Segen.

- Kettner Edelmetalle News
- Finanzen
- Wirtschaft
- Politik











