
Vereinte Nationen am Abgrund: Droht der Weltorganisation im Sommer der Bankrott?
Die Vereinten Nationen stehen offenbar vor dem finanziellen Aus. UN-Generalsekretär António Guterres hat in einem dramatischen Schreiben an alle 193 Mitgliedstaaten vor einem „unmittelbar bevorstehenden finanziellen Kollaps" gewarnt. Bereits im Juli könnte die Organisation zahlungsunfähig werden – ein Szenario, das noch vor wenigen Jahren undenkbar schien.
Rekordschulden und säumige Zahler
Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Ende 2025 beliefen sich die ausstehenden Mitgliedsbeiträge auf einen historischen Höchststand von 1,568 Milliarden Dollar. Das entspricht mehr als einer Verdopplung gegenüber dem Vorjahr. Der Hauptschuldner ist dabei wenig überraschend: Die Vereinigten Staaten von Amerika sind für etwa 95 Prozent der Außenstände verantwortlich, was rund 2,2 Milliarden Dollar entspricht.
„Die Krise vertieft sich, bedroht die Programmarbeit und riskiert einen finanziellen Kollaps", formulierte Guterres in seinem auf den 28. Januar datierten Brief an die Botschafter aller Mitgliedstaaten. Die Mitgliedstaaten müssten entweder ihre Zahlungsverpflichtungen erfüllen oder die Finanzregeln grundlegend überarbeiten, um einen Zusammenbruch zu verhindern.
Eine absurde Regel aus dem Gründungsjahr
Besonders pikant: Eine Finanzregel aus dem Jahr 1945 verschärft die Krise zusätzlich. Diese Vorschrift verpflichtet die Organisation, nicht ausgegebene Haushaltsmittel an die Staaten zurückzugeben – selbst wenn die Mittel wegen ausbleibender Zahlungen gar nicht ausgegeben werden konnten. Guterres bezeichnete diese Situation treffend als „kafkaesken Kreislauf", in dem die UN Geld zurückgeben solle, das schlichtweg nicht existiere.
Die Konsequenzen eines finanziellen Zusammenbruchs wären verheerend. Hochrangige UN-Beamte warnen, dass im August der Hauptsitz in New York geschlossen werden müsste. Die jährliche Generalversammlung der Staats- und Regierungschefs im September stünde vor der Absage, und das Büro für die Koordinierung humanitärer Angelegenheiten müsste eingestellt werden.
Kleine Länder fürchten um ihre Existenzgrundlage
In Nepal, dem größten Truppensteller für UN-Friedensmissionen, löste die Warnung des Generalsekretärs erhebliche Besorgnis aus. Der ehemalige Nationale Sicherheitsberater Shankar Das Bairagi mahnte, dass die Warnung von allen Mitgliedstaaten ernst genommen werden müsse. Für Länder wie Nepal sei der Multilateralismus mit den Vereinten Nationen im Zentrum eine tragende Säule des internationalen Engagements.
Die Budgets mehrerer UN-Einrichtungen wurden bereits um mindestens 20 Prozent gekürzt, das Budget für Friedensmissionen sogar um 27 Prozent reduziert. Bei anhaltenden Finanzproblemen würden verschiedene Sozialprogramme in den Bereichen Gesundheit, Bildung, Katastrophenhilfe und Armutsbekämpfung verzögert, verkleinert oder ganz gestrichen.
Trump setzt auf eigene Strukturen
US-Präsident Donald Trump hat die USA bereits aus mehreren UN-Organisationen zurückgezogen und die Vereinten Nationen wiederholt dafür kritisiert, ihr „großes Potenzial" nicht zu erfüllen. Stattdessen richtet er seine Bemühungen auf die Gründung eines Friedensrats unter seinem Vorsitz. Dieses Gremium soll sich ähnlich wie die UN um die Lösung internationaler Konflikte kümmern – freilich unter amerikanischer Führung.
Man mag von den Vereinten Nationen halten, was man will. Die Organisation hat in den vergangenen Jahrzehnten nicht selten durch ideologische Einseitigkeit und bürokratische Ineffizienz von sich reden gemacht. Doch ein völliger Zusammenbruch dieser Institution würde ein Vakuum hinterlassen, dessen Folgen kaum absehbar wären. Ob Trumps Friedensrat eine tragfähige Alternative darstellt, bleibt abzuwarten. Eines steht fest: Die Weltordnung, wie wir sie kennen, steht vor einem Umbruch – und Deutschland täte gut daran, sich auf diese neue Realität einzustellen, anstatt weiterhin auf überkommene multilaterale Strukturen zu setzen.












