
Reallohnverluste drohen: Tariferhöhungen 2023 bereits unzureichend zur Inflationsabfederung
Trotz der saftigen Tariferhöhungen in diesem Jahr weist eine aktuelle Studie des Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) darauf hin, dass die Tarifabschlüsse 2023 nicht ausreichen werden, um die Inflation im kommenden Jahr abzufedern. Infolgedessen drohen 2024 Reallohnverluste in vielen Branchen. Betroffen sind vor allem die mittleren Einkommensklassen, für die die Lohnerhöhungen auch in diesem Jahr nicht ausreichen, um die komplette Teuerung abzufangen.
Branchen im Fokus der IWH-Analyse
Die IWH-Analyse, die für das „Handelsblatt“ durchgeführt wurde, untersuchte die Tarifeinigungen in der Chemiebranche, der Metall- und Elektroindustrie, bei der Deutschen Post und im öffentlichen Dienst. In all diesen Branchen zeichnet sich ab, dass die Lohnerhöhungen, die in diesem Jahr ausgehandelt wurden, im kommenden Jahr bereits nicht mehr ausreichen werden, um die steigende Inflation auszugleichen.
Reallohnverluste bei der Deutschen Post besonders gravierend
Besonders hart trifft es die Beschäftigten der Deutschen Post, bei denen die Wirtschaftsforscher einen Reallohnverlust von 4,2 Prozent errechneten. Dies ist umso bemerkenswerter, als die Postler in diesem Jahr mit 7,2 Prozent die kräftigste Lohnsteigerung erhielten. Bei der Post und im öffentlichen Dienst laufen die Tarifverträge bis Ende 2024 und sind zuvor nicht veränderbar, was die Situation für die betroffenen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer verschärft.
Wie konnte es zu dieser Situation kommen?
Die aktuell steigende Inflation ist das Resultat verschiedener Faktoren. Dazu zählen unter anderem die anhaltenden Lieferengpässe, die vor allem die Industrie betreffen, sowie die steigenden Energie- und Rohstoffpreise. Darüber hinaus spielen auch politische Entscheidungen eine Rolle, wie etwa die Einführung des CO2-Preises, der sich auf die Energiekosten und damit auch auf die Inflation auswirkt.
Arbeitnehmer zahlen den Preis
Durch die steigende Inflation verlieren die Einkommen der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer an Kaufkraft, da die Löhne nicht im gleichen Maße wie die Teuerung angehoben werden. Die Tarifabschlüsse 2023 reichen in vielen Branchen nicht aus, um die Inflation abzufedern, sodass den Arbeitnehmern Reallohnverluste drohen.
Ausblick und Forderungen
Angesichts der drohenden Reallohnverluste und der steigenden Inflation müssen die Tarifverhandlungen in den betroffenen Branchen künftig verstärkt auf die Auswirkungen der Teuerung eingehen. Arbeitnehmervertreter und Gewerkschaften sind gefordert, sich für angemessene Lohnerhöhungen einzusetzen, die die Inflation berücksichtigen und die Kaufkraft der Beschäftigten erhalten.
Für die mittleren Einkommensklassen ist es besonders wichtig, dass die Lohnerhöhungen auch in Zukunft ausreichen, um die Teuerung abzufangen. Nur so kann verhindert werden, dass die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer trotz Lohnerhöhungen real weniger Geld in der Tasche haben und ihre Lebensqualität eingeschränkt wird.
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