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Volkswagens US-Abenteuer: Kostenexplosion beim Scout-Werk in South Carolina

Volkswagens US-Abenteuer: Kostenexplosion beim Scout-Werk in South Carolina

Was als ambitioniertes Projekt begann, entwickelt sich für Volkswagen zu einem finanziellen Kraftakt der besonderen Art. Das neue Autowerk der Pick-up-Tochter Scout im US-Bundesstaat South Carolina verschlingt nun satte drei Milliarden Dollar – eine Milliarde mehr als ursprünglich geplant. Ein Déjà-vu für alle, die sich an die chronischen Kostenüberschreitungen deutscher Großprojekte erinnern.

Von der "Mindestinvestition" zur Milliarden-Überraschung

Die Sprecherin des Unternehmens bemühte sich redlich um Schadensbegrenzung. Die ursprünglich kommunizierten zwei Milliarden Dollar seien lediglich eine "garantierte Mindestinvestition" im Rahmen der Vereinbarung mit South Carolina gewesen, so die offizielle Lesart. Man habe von Anfang an eine "Produktionsstätte von Weltklasse" geplant, und die Investitionen seien eben "mit der Verwirklichung dieser Vision gewachsen".

Solche Formulierungen kennt der deutsche Steuerzahler nur zu gut. Ob BER, Stuttgart 21 oder die Elbphilharmonie – das Muster ist stets dasselbe: Erst werden bescheidene Summen genannt, dann wachsen die Kosten wie von Geisterhand. Dass nun auch ein deutsches Traditionsunternehmen im Ausland diese Tradition fortführt, mag manchen Beobachter kaum überraschen.

Der teure Zuliefererpark als Haupttreiber

Als wesentlichen Faktor für die Kostensteigerung nannte Scout die Erweiterung des Werksgeländes um einen 300 Millionen Dollar teuren Zuliefererpark. Dieser solle die Effizienz stärken und lokale Arbeitsplätze schaffen. Bereits im September hatte das Unternehmen den Bau dieses Parks angekündigt – wohlgemerkt, nachdem die ursprüngliche Investitionssumme längst kommuniziert war.

Die örtlichen Wirtschaftsentwickler der Columbia Area Development Partnership zeigen sich dennoch begeistert. CADP-Präsident Jeff Ruble schwärmte von den "massiven Investitionen" und den neuen Arbeitsplätzen, die "unsere Region transformieren" würden. Kein Wunder: Für die lokalen Steuereinnahmen bedeutet die Vergrößerung des Werks einen enormen Effekt.

Amerikanische Freude, deutsche Sorgen

Während man in South Carolina jubelt, dürften die Aktionäre in Wolfsburg mit gemischten Gefühlen auf diese Entwicklung blicken. Volkswagen kämpft ohnehin mit enormen Herausforderungen: Der Transformationsprozess zur Elektromobilität verschlingt Milliarden, die Konkurrenz aus China drückt auf die Margen, und in Deutschland stehen Werksschließungen und Stellenabbau im Raum.

Dass ausgerechnet jetzt ein Milliarden-Projekt in den USA aus dem Ruder läuft, passt ins Bild eines Konzerns, der sich an zu vielen Fronten gleichzeitig verzettelt. Die Scout-Marke soll mit elektrischen Pick-ups und SUVs den amerikanischen Markt erobern – ein Segment, das traditionell von heimischen Herstellern dominiert wird.

Planmäßiger Fortschritt trotz Kostenexplosion

Immerhin: Der Bauprozess selbst verläuft nach Unternehmensangaben planmäßig. Das Scout-Produktionszentrum stehe bereits, und die Hauptgebäude seien wetterfest. Ob diese Nachricht die Gemüter beruhigen kann, bleibt abzuwarten. Denn eines lehrt die Geschichte: Wo einmal die Kosten explodieren, folgen nicht selten weitere Überraschungen.

Für Volkswagen steht viel auf dem Spiel. Der amerikanische Markt gilt als entscheidend für die Zukunft des Konzerns. Doch ob die Rechnung am Ende aufgeht, wird sich erst zeigen, wenn die ersten Scout-Fahrzeuge vom Band rollen – und die Kunden tatsächlich zugreifen.

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